| 00.00 Uhr

Hückeswagen
Flüchtlinge sollen ihre Räder reparieren

Hückeswagen: Flüchtlinge sollen ihre Räder reparieren
David (l.) lässt sich von Aaron zeigen, wie er eine Reparatur an einem Fahrrad vornimmt. Ab sofort sollen Asylbewerber an jedem Montag von den Schülern der Erich-Kästner-Schule angeleitet werden. FOTO: nico hertgen
Hückeswagen. Bis Ende der Woche nimmt die Stadt Hückeswagen bis zu 145 Flüchtlinge auf. Noch ist die Unterbringung der Menschen gesichert. Weitere Möglichkeiten werden konzeptionell erarbeitet. Auch die Initiative "Weitblick" erweitert ihr Angebot. Von Joachim Rüttgen

Im Laufe der Woche sind sieben weitere Zuweisungen angekündigt. Bis Freitag leben dann bis zu 145 Flüchtlinge in der Schloss-Stadt. "Noch ist die Unterbringung der Menschen gesichert, wir arbeiten aber konzeptionell daran, weitere Möglichkeiten zu schaffen", sagt der zuständige Fachbereichsleiter Michael Kirch. Untergebracht werden die Asylbewerber und Flüchtlinge zurzeit in den städtischen Häusern an der Gerhard-Hauptmann-Straße, in Scheideweg und in privaten Unterkünften, die zumeist von den größeren Immobilieneigentümern stammen. Die Stadt sucht aber weiter nach geeigneten Unterkünften und ist dankbar für alle Hinweise, sagt Michael Kirch. Auf dem privaten Sektor sei die Resonanz eher verhalten.

Dafür wird das ehemalige Stadtarchiv in den Räumen an der Ewald-Gnau-Straße wieder zu einer Asylbewerberunterkunft umfunktioniert. "Da haben vor Jahren schon mal Asylbewerber gelebt, dann kam das Archiv rein, jetzt wird das Archiv nach Wipperfürth verlagert, und wir widmen das Haus wieder um", kündigt Kirch an. Bis Freitag wird das Archivmaterial in Kartons verpackt und in den Räumen der ehemaligen Förderschule Alice-Salomon-Schule in Wipperfürth zwischengelagert, berichtet Dieter Klewinghaus vom Regionalen Gebäudemanagement. Sobald dann alle Materialien aus dem Archiv in Hückeswagen ausgeräumt sind, beginnen die Umbauarbeiten.

Im Mittelpunkt stehen dabei die sanitären Anlagen: Toiletten und Duschen werden eingebaut, außerdem ein paar Trennwände. Anfang Oktober sollen 25 bis 30 Flüchtlinge in das Haus einziehen. Die Kosten für den Umbau beziffert Klewinghaus auf 20 000 bis 30 000 Euro.

Zurzeit habe man weitere Gebäude im Auge, die für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet sind. In erster Linie gehe es da um Büro- und Fabrikgebäude, die die Stadt gerne anmieten würde. "Entsprechende Verhandlungen laufen bereits", sagt Klewinghaus. Entscheidend sei meist der Brandschutz, der erfüllt sein müsse. Andere Dinge des Baurechts wie Nutzungsänderungen bei einem Bürogebäude könnten im Nachhinein erfüllt werden. "Wir wollen die verwaltungstechnischen Wege auf jeden Fall abkürzen", sagt er. Noch bekomme die Stadt auf dem privaten Wohnungsmarkt Unterkünfte, da gebe es noch Spielraum. "Wenn die Zuweisungen im überschaubaren Rahmen bleiben, kriegen wir das auch hin", sagt er.

Dennoch stößt die Stadt wie viele andere Kommunen auch an ihre Kapazitätsgrenzen, "aber wir müssen die Herausforderung annehmen und das Beste rausholen", sagt Michael Kirch. Die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft der Hückeswagener sei ungebrochen.

Das bestätigt Margareta Coenen von der Ehrenamtsinitiative "Weitblick". "Es gibt immer mehr Dinge, die wir brauchen", sagt sie. Ab 6. Oktober habe man einen Deutschkursus für Frauen von Frauen organisiert. In Planung ist eine Mutter-Kind-Gruppe, die von einer Erzieherin im Ruhestand angeboten wird und die auch die deutsche Sprache vermitteln will, "denn nicht alle Flüchtlingskinder bekommen einen Platz in den überfüllten Kindergärten der Stadt", sagt sie. Nur ein Raum für die Gruppe fehlt noch.

Gestern startete an der Erich-Kästner-Schule ein weiteres Projekt mit Asylbewerbern: Sie dürfen ab sofort jeden Montag, 12 bis 15 Uhr, ihre Fahrräder in der Werkstatt an der Förderschule mit den Acht- und Neuntklässlern reparieren. "Hierfür brauchen wir Material und Geld", sagt Coenen. Auch kleinere Spenden seien willkommen.

Renate Mohr, Leiterin der Erich-Kästner-Schule, findet die Kooperation "eine tolle Sache". "Das ist auch für uns als Schule eine gute Gelegenheit, unseren Schülern in der Berufsvorbereitung eine Chance zu geben, den Asylbewerbern einfache Dinge zu erklären, denn die sprechen ja noch kein Deutsch", sagt sie.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.