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Hückeswagen
Flüchtlinge trainieren auf dem Fahrrad

Hückeswagen: Flüchtlinge trainieren auf dem Fahrrad
Die Flüchtlinge, die gestern zum ersten Training auf dem Fahrrad kamen, finden das Angebot super. Begeistert nutzten sie die Räder für eine erste praktische Übung. FOTO: michael schütz
Hückeswagen. Die Flüchtlingsinitiative "Weitblick" bot erstmals mit dem ADFC einen Kursus für Flüchtlinge an. Nach der Theorie folgte die Praxis am Bergischen Kreisel. Schnell wurde klar: In vielen Ländern haben Räder einen anderen Stellenwert. Von Walter Schubert

Kaum ein Regelwerk ist so kompliziert wie die deutsche Straßenverkehrsordnung - und auch die Einheimischen kennen nicht alle Details. Selbst die Beschreibung eines "verkehrstauglichen" Fahrrads umfasst mehrere Seiten. "Andere Länder, andere Sitten" sagt der Volksmund, und das trifft auch hierfür zu. Während ein Fahrrad bei uns überwiegend ein Spaß-, Spiel- oder Sportgerät ist, hat es in einigen Ländern einen anderen Stellenwert. Deshalb lud die Ehrenamtsinitiative "Weitblick" gestern zu einem ersten Fahrradtraining für Flüchtlinge ein.

"Wenn bei uns jemand ein Fahrrad besitzt, dient es zum Transport von Personen oder Waren", berichtete da etwa ein syrischer Flüchtling. Aber ob das Fahrrad eine Beleuchtung besitzt und diese auch eine amtliche Zulassung hat, interessiert niemanden. "Hier treffen verschiedene Welten aufeinander", sagte Matthias Müssner vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club). "Wir dürfen Flüchtlinge mit den Fahrrädern in unserer vom Auto dominierten Gesellschaft nicht alleine lassen."

Die ursprüngliche Idee, den Flüchtlingen mit gespendeten Rädern eine Freude zu machen, wirft neue Probleme auf. Sie müssen lernen, sich an bestehende Regeln zu halten. Das dient ihrer eigenen Sicherheit und ist auch aus Haftungsgründen wichtig. Kaum ein Flüchtling besitzt eine private Haftpflichtversicherung, und so bleibt der Geschädigte auf einem Schaden sitzen. Eine Klage lohnt auch nicht, da von einem Flüchtling kein Ersatz zu erwarten ist. Die Flüchtlingsinitiative "Weitblick" hat genau wie "Willkommen in Wermelskirchen" dieses Problem erkannt und bietet Kurse in Zusammenarbeit mit dem ADFC an.

Informationen mit den wichtigsten Regeln stehen in verschiedenen Sprachen zur Verfügung. "Die runden Schilder sind Gebots- oder Verbotsschilder, die eckigen sind Gefahrenzeichen", fasste Müssner die Grundregeln zusammen. 16 junge Männer waren gestern zum Sicherheitstraining in den Räumen der Ehrenamtsinitiative im ehemaligen Bürgerbad-Restaurant gekommen. "Wie so oft keine Mädchen und keine Frauen", bedauerte Margareta Coenen von "Weitblick". "Es ist unglaublich schwer, die Frauen zu erreichen. Selbst bei unseren Nähkursen sitzen die Männer an den Maschinen. Die machen das ganz toll, und die Frauen sitzen daneben."

Nach der Theorie folgte sogleich die Praxis - und da bot sich der große bergische Kreisel nahezu an - im Kreis fahren, abbiegen mit Handzeichen und an einer Ampel eine Straße überqueren.

"Ein Flüchtling stand neulich mit seinem Fahrrad an einem Fußgängerüberweg. Die Ampel zeigte rot, und er wartete. Wahrscheinlich würde er heute noch warten, wenn ich ihm nicht die Funktion des roten Knopfes gezeigt hätte", sagte Coenen. Über Schwierigkeiten in der Flüchtlingsarbeit berichtete auch Helfer Bernd, der sich in der Evangelischen Gemeinde Wiehagen engagiert. "Einige sind geprägt durch ihre Fluchterlebnisse, andere sicher gefrustet durch das Nichtstun oder das 'nicht tun dürfen'. Es ist schwierig, sie abzuholen. Einige sind motiviert aber nicht alle."

Doch die 120 Ehrenamtlichen, die sich in der Initiative einbringen, lassen nicht nach. "Wir informieren per Rundmail über die verschiedenen Aktionen", sagte Coenen, "und es finden sich immer Leute, die kommen und helfen."

Quelle: RP
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