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Hückeswagen
Flüchtlingen den Weg in den Alltag ebnen

Hückeswagen: Flüchtlingen den Weg in den Alltag ebnen
Sandra Kolander hat den Kleidertreff im ehemaligen Bürgerbad-Restaurant mit aufgebaut und ist unter anderem für die Organisation und das Kinderspielzeug verantwortlich. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Sandra Kolander (34) gehört zum rund 30-köpfigen Team des Kleidertreffs. Im ehemaligen Restaurant des Bürgerbads ist sie vor allem für die Organisation zuständig. Die zweifache Mutter schätzt aber auch sehr den Kontakt zu den Flüchtlingen. Von Stephan Büllesbach

Wegschauen und Desinteresse am Schicksal Anderer liegt Sandra Kolander nicht. Die Hückeswagenerin packt lieber mit an. Das gilt nicht nur für ihren Beruf -die 34-Jährige ist Projektmanagerin - sondern auch und vor allem für ihr ehrenamtliches Engagement in der Hückeswagener Flüchtlingshilfe. Angesichts der Bilder von den vielen Menschen, die aus ihrer Heimat, wo Krieg und Gewalt den Alltag bestimmen, geflohen sind, wollte sie helfen. So wandte sie sich Mitte vorigen Jahres an die Stadt und landete letztlich über die Ehrenamtsinitiative "Weitblick" beim Flüchtlingsnetzwerk.

Während woanders in Deutschland Flüchtlinge und die Hilfe für sie verteufelt werden, stellt Sandra Kolander klar: "Seit Monaten fliehen diese Menschen vor schlimmsten Schicksalen nach Deutschland. Diesen Menschen zu helfen, ist menschlich richtig, und das halte ich für meine Pflicht." Und sie fügt an: "Wir gehören zu den reichsten Ländern der Welt."

Im September ging sie zu dem offenen Treff mit Flüchtlingen in der Kreuzkirche, den die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde anbietet. "Dort habe ich erste Kontakte geknüpft", erzählt die 34-Jährige. Später, bei den monatlichen Treffen der Flüchtlingspaten, habe sie viele weitere Helfer kennengelernt. Als im Herbst die Vorarbeiten für den Kleidertreff begannen, war Sandra Kolander mit dabei.

Sie sortiert dort Kleidung, nimmt Spenden entgegen, erstellt die Schichtpläne für die übrigen rund 30 Helfer (unter denen sich mittlerweile auch Flüchtlinge befinden) und beantwortet Mails. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit sind die Spielecke, die im hinteren Teil des ehemaligen Restaurants eingerichtet wurde, und die Annahme von Spielsachen.

Zwei Dinge bereiten der Hückeswagenerin besondere Freude: "Wir sind ein tolles Team", lobt sie die gemeinsame Arbeit der vielen Ehrenamtler. Und die Gespräche mit den Flüchtlingen - "auf Augenhöhe", betont sie - geben ihr viel. Wie auch die übrigen Helfer versuche sie, den Menschen zu helfen, die Schrecken von Krieg und Flucht zu verarbeiten und ihnen schöne Momente zu bieten. "Man bekommt etwas zurück - es gibt immer ein Dankeschön, nette Worte oder ein Lächeln", erzählt Sandra Kolander. Auch die Unterhaltung mit den Flüchtlingen, selbst wenn es häufig nur mit Händen und Füßen funktioniert, sei eine Freude.

Eine albanische Familie etwa komme jedes Mal in den Kleidertreff. Mit einem Jungen aus dieser Familie spiele ihr vierjähriger Sohn Joshua jeden Tag im Kindergarten. "Kinder haben einfach keine Berührungsängste", sagt seine Mutter.

Das ist bei Erwachsenen häufig anders. Die deutschlandweite Diskussion sieht sie mit Sorge. "Natürlich gibt es Ängste und Vorbehalte. Die muss man auch ernst nehmen und sich damit auseinandersetzen", sagt Sandra Kolander. Diese entstünden jedoch vielleicht aus dem Nichtkennen heraus. Sie rät daher, Berührungsängste abzubauen, indem man zu den Treffen mit Flüchtlingen geht und sie kennenlernt. "Dann erfährt man etwas über deren Schicksal und die Gründe, warum sie nach Deutschland gekommen sind und sich entschieden haben, ihre Heimat zu verlassen."

Kontakt Wer sich als Flüchtlingspate engagieren will, kann sich bei "Weitblick" melden per E-Mail an hueckeswagen@gemeinsam-in-oberberg.de.

Quelle: RP
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