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Hückeswagen
Flüchtlingsnetzwerk feiert an der Bever

Hückeswagen. Harmonischer Nachmittag nach menschenunwürdiger Abfertigung bei der Asylbeantragung in Bonn. Von Heike Karsten

Ein buntes Bild fröhlicher Kinder und vergnügter Erwachsener verschiedener Nationalitäten, viel Musik, eine Hüpfburg und Kinderschminken vor der Idylle der Bever: Am Samstagnachmittag feierte das Flüchtlingsnetzwerk ein Fest für Ehrenamtler, Paten und solche, die es noch werden wollen. Mehr als 150 engagierte Hückeswagener und Flüchtlinge nahmen teil und verbrachten einen harmonischen Nachmittag an der DLRG-Wachstation. "Wir möchten Danke sagen an all die Menschen, die im letzten Jahr Unmengen an Stunden investiert haben", sagten Deike Schütte und Margareta Coenen von der Initiative "Weitblick", die die Flüchtlingshilfe in Hückeswagen koordinieren. Auch Cornelia Päper als stellvertretende Bürgermeisterin fand dankende Worte: "Die Organisation, die hier vor einem Jahr entstand, sucht seines Gleichen". Die Bereitschaft der Ehrenamtler schaffe es, Flüchtlinge im täglichen Leben zu unterstützen und ihnen das "Fuß fassen" zu erleichtern.

Zur Bever kamen die Flüchtlinge entweder mit ihren Paten, per Fahrrad oder in einer geführten Wandergruppe. Essen und Trinken standen kostenlos zur Verfügung. Die Stimmung war so ausgelassen, dass einige der jüngeren Flüchtlinge ein ausgelassenes Bad in der Talsperre nicht scheuten. "Es ist ein gelungenes Fest und eine wunderschöne Idee", sagte Ruthild Günther, die derzeit eine Familie aus Syrien betreut. Der Kontakt ist bereits so eng, dass die Hückeswagenerin bei der Geburt des zweiten Kindes der Flüchtlingsfamilie dabei war. "Ich habe sogar die Nabelschnur durchgeschnitten", berichtete sie stolz.

Für Livemusik sorgte die Hückeswagener Folk-Gruppe "No 4 Mill Street". Viel Applaus erhielt der 16-jährige Farid Sarvari aus Afghanistan für die vorgetragenen Rap- und Pop-Songs in seiner Muttersprache. Von Verständigungsproblemen untereinander war an diesem Nachmittag nichts zu spüren. Die Paten nutzen die Gelegenheit darüber hinaus zum Erfahrungsaustausch.

Enttäuschende Nachrichten überbrachten die Weitblick-Mitarbeiterinnen im Pressegespräch: Das Stellen der Asylanträge in Bonn, das etwa 160 Flüchtlingen aus Hückeswagen nach vielen Monaten gewährt wurde, sei chaotisch verlaufen. "Wie da mit den Menschen umgegangen worden ist, ist nicht akzeptabel", sagte Deike Schütte. Auf engsten Raum hätten 200 Personen zwölf Stunden lang warten müssen, um angehört zu werden. 120 haben ihren Antrag gestellt, 30 müssen am Montag noch einmal hin", berichtete Margareta Coenen. Begleitet werden durften die Flüchtlinge zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht. "Jetzt wissen wir auch warum. Wir hätten uns das nicht bieten lassen", sagte die Weitblick-Koordinatorin. Daher sei es ganz gut, dass die Betroffenen beim Fest etwas entspannen könnten nach dieser Enttäuschung.

Die Flüchtlinge dankten für diesen Tag mit einer eigenen Botschaft: "Wir sind für Frieden und gegen Krieg und Terror", ließen sie per Handy-Übersetzung verlesen.

Quelle: RP
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