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Städtepartnerschaft Etaples Im Oktober
Franzosen lieben Rudergaudi auf Canche

Städtepartnerschaft Etaples Im Oktober: Franzosen lieben Rudergaudi auf Canche
Der Ruderwettbewerb ist nicht nur ein sportlicher Wettkampf, sondern vor allem eine Riesengaudi - für Zuschauer wie Teilnehmer gleichermaßen. FOTO: Stadt etaples
Hückeswagen. Einmal im Monat beleuchtet unsere Redaktion das Geschehen in Hückeswagens Partnerstadt Etaples und der Region. In diesem Monat stand der traditionsreiche Ruderwettbewerb auf der Canche im Mittelpunkt - ohne Hückeswagener Beteiligung. Von Axel Bornkessel

Etaples Nach den regenreichen Septemberwochen hatten die Etapler auf Sonnenschein gehofft, der eines der großen Ereignisse im Jahr der Stadt ins rechte Licht rücken sollte. Und sie hatte Glück, dann am 8. Oktober war es an der Canche trocken, ein paar hohe Wolken zogen über den blauen Küstenhimmel. Gutes Wetter brauchten nämlich die vielen Gruppen, die beim traditionellen Bootsturnier anlässlich Saint Michel zeigen wollten, was in ihren Muskeln steckt: Sie hatten sich zur joute de canot angemeldet - pro Equipe vier Ruderer und ein Steuermann.

An diesem Sonntagvormittag versammelten sich in der Hückeswagener Partnerstadt Mannschaften aus Pizzabäckereien und Malerbetrieben, Abordnungen von Supermärkten und Tankstellen, Postler, Banker und viele andere Freizeitruderer, auch weibliche - es ging allein darum, mit Freunden oder Kollegen dabei zu sein. Bislang waren zu diesem Treiben auch regelmäßig rudertüchtige Hückeswagener Feuerwehrleute angereist, dieses Mal war jedoch keine Abordnung in Etaples dabei.

Das Traditionsrennen auf der Canche ist ein kleines Volksfest, also auch Anlass für ein wenig Mummenschanz: Nicht wenige Teilnehmer traten in Kostüm und Maske an. Etwa die fünf Herren, die in Khakiuniform, mit Käppi und schwarzen Schnurrbärten antrabten und Louis de Funès' schusselige Gendarmen von Saint-Tropez gaben.

Vor dem Hafen machte der bunte Umzug Halt am Kalvarienberg, wo die Ruderer einen Kranz für die auf See gebliebenen Fischer niederlegten. Eine Verbeugung auch vor Gepflogenheiten in der Vergangenheit. Denn dieses Traditionsrudern beruht auf einem sehr handfesten Wettbewerb: Wenn die Ebbe die heimkehrenden Segelboote am Einlaufen hinderte und die Fischer auf die Flut warteten, luden sie ihren Fang kurzerhand auf die Beiboote um. Und wer von ihnen am schnellsten die Canche flussaufwärts ruderte, hatte die besten Aussichten, seinen Fisch zu verkaufen.

An diesem herbstlich-frischen Oktobertag brauchten die fast 100 teilnehmenden Boote ausreichend Platz. Also wählte man jenen Zeitpunkt, als die Flut gegen Mittag ihren Höchststand erreicht hatte und schon die Salzwiesen am Ufer bedeckte. Am Ausrüstungsgelände des Hafens angekommen, ließen die Mannschaften ihre Boote zu Wasser. Und als Punkt 12 Uhr Bürgermeister Phillipe Fait die Startfahne hob, galt es, mit einigen eleganten Manövern eine Boje zu umrunden, um sich dann volle Pulle Richtung Meer in die Riemen zu legen. Unter den Anfeuerungsrufen der vielen Zuschauer verteilte sich das bunte Feld der Boote auf der breit dahinfließenden Canche, um sich nach zwei Kilometern kurz vor der Mündung mit einem erneuten Wendemanöver in Richtung Hafen zurückzukämpfen.

Ein Favorit hatte sich schon zeitig vom Gros der Mannschaften gelöst und durchfuhr als Erster die Ziellinie: Fünf gestandene Herren in ihr Boot namens "Maufranmijo" - was wohl eine Kombination aus ihren abgekürzten Vornamen war.

Nach der Regatta fand noch ein Wettkampf in einer speziellen Disziplin statt: das sogenannte Wriggen. Ein Mann mit einem Ruder am Heck des Bootes bringt dieses dabei langsam in Fahrt, was dem Schiffer erlaubt, in beengten Wasserverhältnissen voranzukommen.

Zum Schluss empfingen die Sieger und auch die vielen anderen Teilnehmer aus der Hand der Stadtprominenz ihre Trophäen. Über allem strahlte der Himmel von Etaples immer noch, und eine ganze Stadt genoss es, nach den Strapazen des lautstarken Anfeuerns und des Pullens in frischer Luft sich nun anderweitig ins Zeug zu legen - mit Bier, Wein und all den schönen Küstendelikatessen. Etwa den Jacobsmuscheln, die es seit Anfang Oktober wieder an der Küste gibt. Und zwar in großen Mengen, wie die Fischer versichern.

Quelle: RP
 
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