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Hückeswagen
Freundeskreis kämpft um Stadtbibliothek

Hückeswagen: Freundeskreis kämpft um Stadtbibliothek
Was passiert mit der alten Tuchmachervilla nach 2020? Die Politik hat nun knapp fünf Jahre Zeit, um zu überlegen, ob sie die Stadtbibliothek erhalten oder schließen will - oder ob es eine Kooperation mit einer anderen Bücherei gibt. FOTO: Hertgen
Hückeswagen. Der Vorschlag der Verwaltung, die Stadtbibliothek 2010 mit Blick auf die Konsolidierung des Haushalts zu schließen, kommt bei Leitung und Freundeskreis der Bücherei nicht gut an. Einer Kooperation stehen sie aber offen gegenüber. Von Stephan Büllesbach

Seit 25 Jahren arbeitet Beate Breidenbach als Bibliothekarin in der Stadtbibliothek. Daher "blutet mein Herz" angesichts der jetzt von Bürgermeister Dietmar Persian angestoßenen Diskussion um eine mögliche Schließung der Bücherei in fünf Jahren. "Das macht mich ganz traurig", sagte die Bibliothekarin im Gespräch mit der BM.

Zu Wochenbeginn hatte Persian bei der Vorstellung der Eckdaten zum neuen Haushaltsentwurf, der den Gang ins Haushaltssicherungskonzept (HSK) vorsieht (die BM berichtete), auch die Schließung der Stadbibliothek an der Friedrichstraße ins Gespräch gebracht. Nach Absprache mit der Kämmerei sind ab 2020 die Kosten und Einnahmen der Bibliothek nicht mehr im HSK berücksichtigt. In den nächsten rund fünf Jahren soll aber über alternative Ideen diskutiert werden. Dem Bürgermeister schweben Kooperationen mit einer Nachbarkommune oder anderen Bibliotheken vor. "Die Katholische öffentliche Bücherei bietet sich durchaus an", sagte er. Auch will die Stadt in dieser Zeit überlegen, was mit dem Gebäude nach 2020 geschehen soll.

Edith Gerhards vom Freundeskreis stellte gestern klar: "Das ist nur ein Vorschlag an den Rat; beschlossen ist noch nichts." Auch wenn das ein provokanter Vorschlag sei, so könne der doch jetzt einen Prozess in Gang setzen. "Alles ist offen - auch im besten Sinne", meinte sie.

Dr. Axel Bornkessel, Schriftführer des Fördervereins, verwies auf die vielen Sponsoren aus der Stadt, die seit Jahren reichlich Geld in die Ausstattung der Stadtbibliothek gesteckt haben und das auch weiterhin tun. "Allein die Hälfte der Neuanschaffungen kommt durch die Sponsoren zustande", sagte er. Zudem sorge das Bücherei-Team für eine Lesekompetenz bei den Nutzern der Bücherei. Bornkessel: "Die Stadt muss sich überlegen, ob sie das wirklich aufgeben will."

Edith Gerhards gab zudem zu bedenken, dass die Bücherei an der Friedrichstraße "das einzige frei zugängliche Kommunikationszentrum in der Stadt ist, das man besuchen kann, ohne Geld ausgeben zu müssen". Das sei vor allem für Menschen wichtig, die nicht viel haben, aber auch für junge Familien. "Wir erleben in unserer Gesellschaft das Phänomen der zunehmenden Vereinsamung", sagte Edith Gerhards. "Die Stadtbibliothek ist hingegen ein Ort, wo man nicht einsam ist." Außerdem biete sie "Nahrung für die Birne".

Sie befürchtet weitreichende negative Folgen für die Stadt durch die Schließung der Stadtbibliothek: "Die Infrastruktur Hückeswagens liegt doch schon am Boden. Wir haben kein Krankenhaus mehr, vielleicht muss eine Schule geschlossen werden." Falle dann auch noch die Bücherei mit ihrer Medienkompetenz weg, bedeute das, dass die Stadt unattraktiver würde. "Und das wiederum hätte negative fiskalische Auswirkungen", ist sie überzeugt.

Das Damoklesschwert der Schließung schwebt schon länger über der Bücherei. Der Freundeskreis hat daher Kontakt zur Fachrichtung Kommunikationswissenschaft der Fachhochschule Köln aufgenommen. Gemeinsam soll überlegt werden, wie eine Kooperation gestaltet werden kann. Zudem wird Professor Tom Becker von der FH am "Tag des Buches", 23. April, 20 Uhr, zu einer Diskussionsrunde in der Stadtbibliothek erwartet, die unter dem Motto "Bibliothek hat Zukunft - wie eine Stadt mit ihrer Bücherei Mehrwert schaffen kann" steht.

Einer möglichen Kooperation mit der Katholischen öffentlichen Bücherei stehen die Leiterin der Stadtbibliothek und der Förderkreis durchaus offen gegenüber. In Kürten und Overath arbeiten Kirchengemeinde und Stadtverwaltung bereits zusammen, berichtete Beate Breidenbach. Und Edith Gerhards betonte: "Dann müsste man einen Kooperationsvertrag mit dem Erzbistum Köln schließen." Axel Bornkessel hat jedoch zwei Bedingungen: "Es muss eine professionelle Leitung geben, und es darf sich nicht um eine reine Ausleihbücherei handeln, sondern muss ein Kommunikationszentrum bleiben."

Der Förderkreis will nun einen Runden Tisch organisieren, um mit Vertretern der Stadt, der Politik und mit Fachleuten über die Zukunft der Stadtbibliothek zu diskutieren.

Quelle: RP
 
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