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Hückeswagen
Fulminanter Einstieg in 50. Schlosskonzert-Saison

Hückeswagen. Es sieht ganz so aus, als habe die einst so glamouröse Operette wieder an musikalischem Boden gewonnen. Zeitweilig musste der Eindruck entstehen, dass Musical & Co. die leichte, vokalinstrumentale Bühnen-Kost ins Abseits drängten. Beim fulminanten Einstieg in die 50. Schlosskonzert-Saison gab es im ausverkauften Museumssaal mit 20 Titeln kaum jemand, der nicht Takt für Takt hätte mitsummen, ja mitsingen können. Das spricht für Liebe, Lust und Leidenschaft zur Operette mit Wiedererkennungswerten schlechthin.

Drei herausragende Interpretinnen, als "Trio Rosenpalais" bekanntgeworden, hatten mit Operetten eigenem Charme, gepaart mit in Teilen bravouröser hoher Sopran-, Violin- und Klavierkunst all das in ein mehr als zweistündiges Programm gepackt, was einem froh gestimmten Auditorium Über Fünfzig noch ganz nah ist. Mit langen Kleidern präsentierten Charlotte-Maria Brückner (Mezzosopran), Svenja Kohlmann (Violine) und Andrea Kramer-Rodermund (Klavier) ihren Operetten-Stil. Der Sekt im Kübel durfte nicht fehlen.

Dann folgten Schlag auf Schlag die Evergreens und Ohrwürmer aus den Federn der Großen der Gehobenen Unterhaltung. Gemessen am Programm-Titel "Nicht so schnell, mein Herr" sangen sie mit Irrungen und Wirrungen bis zum generellen Happy End. Alle waren dabei: Johann Strauß, Franz Léhar, Paul Abraham, Emmerich Kálmán, Carl Zeller und Paul Lincke. Sogar ein wenig Oper mit Bizet, Gounod, gar Mozart passte in den Vortrag.

Was Violinistin Svenja Kohlmann mit sauberer Klavierbegleitung am Museumsflügel solistisch vortrug, das war nicht nur einstudierte Technik, das war hohe Vortragskunst zwischen leichter Tonkultur und Verve in der Wiedergabe. Ob Auszüge aus dem "Czardas von Monti", der Massenet-Méditation, dem "Ungarischen Tanz Nr. 5" von Brahms, den "Czardas-Fürstin"-Soli, Lehár- und Tschaikowski-Walzer-Seligkeiten, Svenja Kohlmann löste Begeisterung aus.

Ganz und gar nur "Christel von der Post" oder "Unschuld vom Lande" wollte Charlotte-Maria Brückner nicht nur sein. Etwas gewollt bremsend, für alle nachvollziehbar, fiel der Zwischenakt-Dialog von Svenja Kohlmann im Ansage-Zyklus aus. Die Hörer durften mitschmachten bei "Dein ist mein ganzes Herz", "Schlösser, die im Monde liegen" oder "Ich tanze mit dir in den Himmel hinein". Die ganze Kuss-Bandbreite aus "Giuditta" und "Blume von Hawaii" durfte nicht fehlen. Und als bei der "Juliska" und "Ja, das Temperament" bei der dominierenden Sopranistin die Temperamente durchgingen, da konnten Zugaben nicht ausbleiben. Eine davon hieß "Nur nicht aus Liebe weinen!" Was folgte, war langanhaltender Beifall.

(rt)
 
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