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Rückblende Hückeswagen Vor 110 Jahren
Gaststätte Brügger wird Kolpinghaus

Hückeswagen. Es muss ein unschöner Anblick gewesen sein: Die "Fluten des Weierbachs", so lautete die Überschrift eines Artikels der Bergischen Volkszeitung vom 7. Oktober 1908, hatten "große Verwüstungen" in einem Haus angerichtet, das heute als Kolpinghaus bekannt ist. Dieses nicht genau datierte Unglück hatte sich offenbar kurz vor einem Kauf ereignet, der am 24. August 1907 vollzogen wurde. Der Katholische Gesellenverein (heute Kolpingsfamilie) hatte damals von der Witwe Brügger die Gaststätte am Wilhelmplatz erworben.

Viel ist nicht bekannt über die Geschichte der Gaststätte Brügger, sieht man einmal von den Schilderungen in der Kolping-Chronik ab. Am 6. Mai 1907, also drei Monate vor Vollzug des Kaufvertrags, hatte der damalige Präses Vikar Peter Braun eine Sitzung einberufen, in der beschlossen wurde, den "Mitteltrakt des Brüggerschen Anwesens" inklusive eines angrenzenden Gartengrundstücks für 10.000 Goldmark zu erwerben. Diese Summe stellte offenbar ein enormes Risiko für den Verein dar, so dass der zusätzlich Kauf des angrenzenden "Haus Hoffmann" (heute bekannt etwa als Wohnstätte des Notars Vinzenz von Zuccalmaglio), das ebenfalls von der Familie Brügger angeboten worden war und 20.000 Goldmark kosten sollte, abgelehnt werden musste. Hinzu kam, dass der Verein selber aufgrund der geltenden Rechtsvorschriften das Gebäude gar nicht erwerben durfte. Es musste eigens ein Verein gegründet werden, der am 19. Juli 1907 in das Register des Königlichen Amtsgerichts zu Lennep unter dem Namen Kolpinghaus e. V. eingetragen wurde. Nachrichten zur Gaststätte über die Kolpingchronik hinaus, vor allem den Zeitraum vor 1894 betreffend, sind merkwürdigerweise rar. Namentlich wird noch Paul Brügger erwähnt, wobei unklar bleibt, in welchem Verhältnis er zur Witwe Brügger stand. Dabei waren diverse Autoren auf dem Gebiet der Häuserbeschreibungen intensiv tätig wie etwa Dr. Peter Bode mit seiner Beschreibung der Peterstraße ab Wilhelmplatz, Carl Neveling mit seinen Anmerkungen auf Heukeshowwer Platt zu verschiedenen Wirtschaften der Stadt, Ingo Darvin mit seinen Beschreibungen zu Hückeswagener Wirtschaften oder in jüngerer Zeit Hella Krumm mit ihren umfangreichen Häuserbeschreibungen.

Im Stadtarchiv findet sich in der "Akte Kolping" noch eine Notiz, nach der der Katholische Gesellenverein schon ab dem Jahr 1894 den Saal der Witwe Brügger als Wirkungsstätte nutzte. Die Kolpinggesellen kauften also nicht die Katze im Sack, sondern wussten sehr wohl, worauf sie sich einließen. Die Unwetterschäden in Verbindung mit der baulichen Situation - vor dem Bau der Goethestraße in den 1970er Jahren grenzte damals an beiden Seiten unmittelbar ein Haus an - machten es notwendig, das Bauwerk umfassend und gründlich zu sanieren, was dann auch geschah. Und so feierte der Katholische Gesellenverein am 4. Oktober 1908 die Einweihung seiner neuen Heimstätte. NORBERT BANGERT

Quelle: RP
 
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