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Hückeswagen
Gemeinden planen gemeinsame Zukunft

Hückeswagen: Gemeinden planen gemeinsame Zukunft
Ab 2020 steht der evangelischen Gemeinde Bergisch Born nur noch eine halbe Pfarrstelle zu, mit der sie ohne Kooperation nicht bestehen kann. FOTO: Moll (Archiv)
Hückeswagen. In den nächsten vier Jahren fallen in den evangelischen Kirchengemeinden Hückeswagen und Bergisch Born zwei Pfarrerstellen weg. Wie es danach weitergehen soll, wurde am Samstag bei der ersten "Zukunftswerkstatt" besprochen. Von Heike Karsten

Große Plakate zierten am Samstag die Wände des Gemeindezentrums am Lindenberg. Sie waren das Ergebnis eines Austauschs zwischen den Gliedern der evangelischen Kirchengemeinden Hückeswagen und Bergisch Born. "Zukunftswerkstatt" nennen die Teilnehmer den Prozess der angestrebten Kooperation. Denn eines ist klar: Bis zum Jahr 2020 muss es Veränderungen geben - schon allein deshalb, weil in beiden Gemeinden jeweils eine Pfarrerstelle wegfällt und diese voraussichtlich auch nicht neu besetzt werden.

In den vergangenen Jahren entschieden sich Kirchengemeinden immer öfter dazu, mit Nachbargemeinden zu kooperieren, um die sich abzeichnenden Finanz-, Gebäude- und Sozialprobleme zu lösen. Die Kooperation ist eine Annäherung, die auch eine spätere Fusion nicht ausschließt - wenn sie denn gewünscht wird. "Bisher ist das Wort ,Fusion' aber noch ein Schreckgespenst", betonte Pfarrer Reimund Lenth am Samstag. Die Fusion sei ein formaler Prozess, der Regeln unterliege und von oben diktiert werde. Dabei könne es auch passieren, dass eine kleinere Gemeinde, wie Bergisch Born mit rund 1000 Gliedern, von einer größeren Gemeinde wie Hückeswagen (knapp 6000 Glieder) "geschluckt" wird. Mit der "Zukunftswerkstatt" sollen Wege gefunden werden, wie beide Gemeinden ihre Selbstständigkeit bewahren können.

48 Hückeswagener und Bergisch Borner, darunter Presbyteriumsmitglieder und auch Außenstehende, nutzten die Gelegenheit, sich kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und Gemeinsamkeiten zu finden. Begleitet wurde das Treffen unter anderem von Uwe Sendzik von der Gemeindeberatung und Organisationsentwicklung der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Die Statistik belegt den Abwärtstrend: Bei rund 1000 Pfarrern im Rheinland gehen pro Jahr 100 in den Ruhestand, nur zehn kommen nach. "Der Ausbildungstrend zeigt da keine Änderung", bestätigte Sendzik. Durch Mitgliederschwund und den dadurch resultierenden Mindereinnahmen an Kirchensteuern habe die Kirche auch kein Interesse, scheidende Pfarrer zu 100 Prozent zu ersetzen, fügte er hinzu. Viele Erfahrungswerte zur Diskussionsrunde beitragen konnte auch Christian Ebert: "Wir haben zirka 35 ähnliche Pilotprojekte begleitet, die überwiegend positiv verliefen. Das war eine große Lernerfahrung", sagte der Regionalentwickler der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Von den Veränderungen sind die Standorte Bergisch Born und Kräwinkel, sowie in Hückeswagen die Pauluskirche und Scheideweg betroffen. Bis 2020 gehen die Pfarrer Martin Haupt-Schott (Hückeswagener) und Reinhard Feyka (Bergisch Born) in den Ruhestand. Schon seit Jahren kooperieren beide Gemeinden durch Kanzeltausch, gemeinsame Sitzungen und Freizeitaktivitäten, und auch die Stelle des Jugendreferenten teilen sie sich. Zudem ist Bergisch Born der Hückeswagener Diakoniestation zugeordnet. "Es gibt erste Stränge, die schon funktionieren", versicherte Sendzik.

In den sechs Stunden Gruppenarbeit am Samstag wurden viele Ideen zusammengetragen. Dass Abstriche gemacht werden müssen, war dabei allen klar. Viel Hoffnung legen die Teilnehmer auf Ehrenamtler. "Ohne die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter läuft das Gemeindeleben nicht", betonte Feyka.

Quelle: RP
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