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Rückblende Hückeswagen Vor 50 Jahren
Gemeinsam "Geld machen" im Investment-Klub

Hückeswagen. Selten erlangte ein Werbespot einen so hohen Bekanntheitsgrad wie der im Jahr 1996 mit Manfred Krug. Der Schauspieler, der im Oktober 2016 im Alter von 79 Jahren starb, warb für die T-Aktie der Telekom und löste damit einen regelrechten Boom in der Bevölkerung aus. Menschen, die sonst niemals Aktien gekauft hätten, wagten sich auf unbekanntes Terrain und beschäftigten sich plötzlich mit DAX und Dow Jones.

28 Jahre zuvor hat es in Hückeswagen schon einmal einen Aktienhandel des "kleines Mannes" gegeben: Am 5. März 1968 kam es im Altstadt-Hotel "Zum Hofgarten" zu einer ganz besonderen Versammlung. Namentlich nicht näher genannte "Aktieninteressierte", die sich bis dato in regelmäßigen Abständen in Hückeswagen zu einem Erfahrungsaustausch getroffen hatten, stellten Überlegungen zur Gründung eines Investment-Klubs an. In diesem Zusammenhang wird in dem BM-Artikel "Umgang mit Aktien ein einträgliches Hobby" ausdrücklich betont, dass bereits an vielen Orten der Bundesrepublik "nach dem Beispiel Amerikas" Investment-Klubs in Leben gerufen worden seien und dass sich "immer breitere Sparerschichten jetzt wieder für Aktien interessieren" würden.

Es waren drei Entwicklungen, die im Zusammenspiel die Spekulationslust entfachten. Zum einen wuchs in den 1960er-Jahren die Anzahl der Menschen, die finanzielle Mittel angespart hatten, die nicht unmittelbar für den Konsum oder die Lebenshaltung benötigt wurden. Zweitens nahm die Zahl der damals so titulierten "Spekulanten-Vereine" zu, die sich 1960 zu einem Weltverband zusammengeschlossen hatten. So gab es 1968 in Deutschland 2000 derartige Vereine mit insgesamt 40.000 Mitgliedern. Und drittens kam es Ende der 1960er-Jahre zu einer Aktien-Hausse, die den Menschen urplötzlich eine Möglichkeit aufzeigte, auf relativ schnelle Weise zu einem kleinen Vermögen zu kommen.

Doch schon das Jahr zuvor war offenbar kein schlechtes Börsenjahr. So heißt es in dem BM-Artikel: "Das Jahr 1967 (...) war ein Traumjahr für den deutschen Aktiensparer: Es brachte einen überdurchschnittlichen Kursgewinn von 42 Prozent innerhalb von knapp 12 Monaten."

Kein Wunder also, dass sich nun auch die Hückeswagener von diesem Kuchen ein schönes Stückchen abschneiden wollten. Und so rief man für 19.30 Uhr an diesem 5. März 1968 zu einer "gemeinsamen Besprechung" auf, zu der ausdrücklich auch erfahrene Aktiensparer eingeladen wurden. Der Zeitpunkt schien günstig, denn der Bundesbank-Bericht 1968 diagnostizierte für März eine "Aufwärtsbewegung mit raschem Tempo".

Es ist allerdings nicht überliefert, ob es tatsächlich zur Gründung des Vereins gekommen ist. In den Vereinsverzeichnissen von 1969 bis 1975 wird ein "Investment-Klub" nicht erwähnt. Vielleicht war die Aussicht, Gewinne nicht teilen zu müssen, dann doch größer. NORBERT BANGERT

Quelle: RP
 
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