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Günter Blumberg
Gerne mehr Zuschuss für die Musikschule

Günter Blumberg: Gerne mehr Zuschuss für die Musikschule
"Ich spiele Trompete, bin aber ein Stümper", sagt Günter Blumberg über seine musikalischen Fähigkeiten an einem Instrument. Drei Ventile, die reichen ihm. FOTO: wolfgang weitzdörfer
Hückeswagen. Nach 40 Jahren als Vorsitzender des Musikschulvereins stellte sich Günter Blumberg nicht zur Wiederwahl. Der 76-jährige Architekt a. D. spricht mit der BM über die Anfänge der Musikschule und darüber, warum die Einrichtung so wichtig ist.

Herr Blumberg, wie sind Sie vor 40 Jahren zum Vorsitzenden der Musikschule geworden?

Blumberg Ich wollte seinerzeit eine Art Gesellschaft für die Hückeswagener Musik gründen. Zuvor war ich im Musikverein von 1863 aktiv, der ist aber in den 1970er Jahren mehr oder weniger eingeschlafen, was sehr schade war. In meiner Zeit als Ratsmitglied Mitte der 1970er Jahre habe ich einen Vortrag über die Musikschule in Wermelskirchen gehört. Das war die Initialzündung für Hückeswagen. Unser Ziel war es, die jungen Leute zur Musik zurückzubringen. Zum Vorsitzenden bin ich eher zufällig geworden - eigentlich wollte ich das nur für ein Jahr machen. Daraus sind dann irgendwie 40 Jahre geworden.

Und warum ziehen Sie jetzt einen Schlussstrich für sich?

Blumberg Ich habe schon zum 30. der Musikschule gesagt - die Jungen müssen nachkommen. Mein Rückzug soll jetzt auch ein Zeichen sein, dass junge Menschen bei uns mitmachen können und sollen. Und als stellvertretender Vorsitzender bleibe ich dem Vorstand ja noch erhalten.

Wie viele Schüler waren denn 1976 am Anfang dabei?

Blumberg Das waren schon damals um die 300, die von etwa 15 Lehrern unterrichtet wurden. Die Schülerzahl haben wir über die Jahrzehnte relativ konstant halten können. Der erste Leiter der Musikschule war der Modern-Generation-Gründer und Realschulmusiklehrer Hans Kypke. Der hat natürlich an seiner Schule Werbung gemacht, viele andere waren auch einfach neugierig auf die neue Musikschule.

Mit welchem Angebot ging es damals los?

Blumberg Wir haben uns damals bei der Gründung immer gesagt: Was gefordert wird, das machen wir. Und wenn wir es nicht selbst machen können, dann sprechen wir mit den Schulen in den Nachbarstädten. Dann findet sich etwas. Ein breites Angebot ist ja der Sinn einer Musikschule.

Sie haben ja mehrere Umzüge der Räumlichkeiten mitgemacht - wo war es denn Ihrer Meinung nach am besten für die Musikschule?

Blumberg Die idealste Lösung war das Haus Heft an der August-Lütgenau-Straße, das war unsere dritte Station - die wir übrigens, wie die beiden zuvor, wegen Schwammbefalls verlassen mussten. Das war eine stilvolle alte Villa mit einer sehr guten Raumaufteilung und vor allem einem Schlagzeugraum im Keller.

Wie hat sich die Hückeswagener Musikschule über die vier Jahrzehnte ihres Bestehens nach Ihrer Ansicht verändert?

Blumberg Es war kontinuierliches Wachsen, ein kontinuierlicher Aufbau. Vor allem durch die lange Leitung von Barbara Pfeifer, die etwa 26 Jahre Leiterin der Musikschule Hückeswagen war, kamen Kontinuität und stetige Qualitätssteigerung dazu. Wichtig war uns immer: Wir zwingen keinen Schüler dazu, Musik zu machen. Das ist alles freiwillig.

Warum ist die Musikschule wichtig?

Blumberg Weil sie die kontinuierliche musikalische Ausbildung für alle Altersstufen bietet. Wir können unsere Schüler begleiten, solange sie das wollen. Wir haben zwar nicht jedes Instrument im Angebot - aber für jedes einen Ansprechpartner.

Reicht der Zuschuss der Stadt in der jetzigen Höhe? Oder müsste er höher sein?

Blumberg Wir haben seinerzeit mit 4000 D-Mark angefangen, damit kann man kaum ein Telefon bezahlen. Die Musikschulen in den Nachbarstädten Radevormwald und Wipperfürth geben für ihre Musikschulen sehr viel mehr aus. Sagen wir es also so: Wir müssen damit auskommen, sind es auch immer - aber zum Jubeln ist der Betrag nicht gerade.

Was für Aktivitäten sind zum Jubiläumsjahr geplant?

Blumberg Heute ist ja jede 0 am Ende ein Jubiläum. Früher waren es der 25. und der 50., zu denen gefeiert wurde. Deswegen wollen wir es zum 40. nicht übertreiben. Aber natürlich ist so ein Jubiläum auch ein Anlass, sich zu präsentieren.

Spielen Sie eigentlich selbst ein Instrument?

Blumberg Ich spiele Trompete, bin aber ein Stümper. Mein alter Lehrer, der Obermusikmeister a. D. Rudolf Bernd, hat mir seinerzeit gesagt: Sattle um auf Holz! Aber die Klarinette war keine Alternative - sie hat mir einfach zu viele Klappen und Brillen, meine Trompete hat drei Ventile, das reicht mir.

Im Rückblick: Was geht Ihnen bei 40 Jahren Musikschule durch den Kopf?

Blumberg Es ist ein zufriedenes Gefühl, ich hatte immer gute Leute um mich. Fast jede Familie hatte oder hat einmal mit der Musikschule zu tun. Wir wollen die Jugend an die Musik heranführen - und das geht nur, wenn sie Freude daran haben. Ich glaube, das haben wir sehr oft geschafft.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE WOLFGANG WEITZDÖRFER

Quelle: RP
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