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Hückeswagen
Glückliche Zeiten in Kleineichen

Hückeswagen: Glückliche Zeiten in Kleineichen
Vom Schwarzen Meer über Kasachstan und Bielefeld führte der Lebensweg Ernestine und Edgar Wiest vor 18 Jahren nach Hückeswagen. Das Aussiedler-Ehepaar kann morgen auf 60 gemeinsame Ehejahre zurückblicken. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Ernestine und Edgar Wiest sind morgen, Mittwoch, seit 60 Jahren verheiratet. Dass die beiden Donauschwaben einmal ihre Diamantene Hochzeit in Deutschland feiern würden, hätten sie in jungen Jahren wohl nicht erwartet. Von Franz Mostert

Das muss dem 88-jährigen Edgar Wiest erst einmal jemand nachmachen: Im hohen Alter besorgt er den größten Teil der Lebensmittel-Einkäufe noch mit dem Fahrrad. Vom Wohnsitz an der Waldstraße aus fährt er Richtung Innenstadt oder nach in Kobeshofen und muss nicht einmal absteigen. Zusammen mit seiner vier Jahre jüngeren Ehefrau Ernestine, geborene Haller, kann der rüstige Senior morgen das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit feiern.

Den größten Teil der Festgesellschaft nehmen neben vier Söhnen und Schwiegertöchtern insgesamt 21 (!) Enkelkinder und acht Urenkel ein. Das Domizil, das beide seit 1997 in Kleineichen bewohnen, ist für die Erinnerung an 60 Jahre ereignisreiches Zusammensein wohl doch zu klein. Gefeiert wird "aushäusig", wie die Jubilarin formuliert.

Ernestine und Edgar Wiest haben ihre deutschstämmigen Wurzeln in donauschwäbischen Siedlungsgebieten im weiteren Umkreis rund um Odessa. Die wechselhaften politischen Verhältnisse haben beide Lebensläufe äußerst negativ beeinflusst. Ernestine konnte nur kurz Kindheit und erste Schulzeit im Geburtsort Bergdorf unweit des Schwarzen Meers genießen. Im Dritten Reich gab es die erste Umsiedlung in den Warthegau. Nach 1941 kam die sowjetische Ausbürgerung mit monatelangem Transport nach Kasachstan. "Nach dem frühen Tod meiner Mutter, der Vater in sibirischer Gefangenschaft, umsorgte mich meine Tante", erinnert sich die 84-jährige. "Was anderes als Landarbeit gab es nicht. Es war eine unglaublich harte Zeit für uns Hin- und Hergetriebene."

Ernestine Wiests Erinnerungen decken sich fast ausnahmslos mit den Schilderungen ihres Ehemannes. Edgar Wiest war im donau-schwäbischen Dorf Martensfeld, Kreis Stawropol, zur deutschen Schule gegangen. Auch für ihn kam nach dem frühen Tod beider Eltern die politisch-gewollte Aussiedlung aller Volksdeutschen nach Kasachstan, wo er auf der Kolchose arbeitete. Später wurde Edgar Wiest als Kraftfahrer eingesetzt. "Im Jahr 1954 konnte ich zu meinen Geschwistern ins kasachische Balchasch kommen. Da habe ich auch meine Frau Ernestine kennengelernt", sagt der Hückeswagener.

Auf dem Standesamt gaben sich beide am 10. Juni 1955 das Ja-Wort. "Was dann kam, war alles in allem nur Behelf und zusammen mit unseren vier Kindern ein Leben in drangvoller Enge und ständiger Sorge ums Überleben."

Die Ausreise nach Deutschland im Jahre 1989 brachte für das Ehepaar Wiest und ihre stets wachsende Familie "die ganz große Wende", wie beide beteuern. Zuerst wohnte die Familie in Bielefeld. Seit 18 Jahren genießt das Ehepaar aber den Altersruhesitz in Hückeswagen. "Was Besseres hätte uns nicht passieren können", resümiert Wiest.

Quelle: RP
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