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Hückeswagen
"Glyphosat wird verantwortungsbewusst eingesetzt"

Die Diskussion um die Milchpreise wird seit einigen Wochen von weiteren Schlagzeilen begleitet. Weil das Pflanzenschutzmittel Glyphosat möglicherweise krebserregend ist, wird derzeit auf Bundesebene über ein Verbot beraten. Entschieden ist nichts, doch gerade im Bergischen ist das Mittel wichtig, weil viele Hänge in der Region von einem Nebeneffekt des Mittels profitieren. Denn Glyphosat macht den Boden fester.

Laut Helmut Dresbach, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, wird das Mittel auch in Oberberg eingesetzt, aber nur auf etwa acht Prozent des gesamten Ackerlandes. Alle sechs, sieben Jahre nutze man Glyphosat im Ackerbau, wo Quecke oder Disteln wachsen. Und beim Maisanbau auf dem Grünland natürlich. Mit Glyphosat lasse sich Erosion verhindern. Hier aber werde es verantwortungsbewusst eingesetzt.

Erhältlich ist es an bestimmten Stellen. Die Baumarkt-Kette Obi hatte Ende 2013 entschieden, die umstrittensten Herbizide mit Glyphosat unter der Marke "Roundup" nicht mehr zu führen und vor einem Jahr zuletzt sämtliche glyphosathaltige Produkte aus dem Sortiment genommen, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion. Bauern erhalten das Mittel nur nach Abgabe persönlicher Daten. Im Internet kann es jedoch problemlos und anonym erworben werden.

"Ich bin überzeugt, dass meine Nachbarn privat mehr Glyphosat verspritzen, als die Landwirte in der Region", sagt Dresbach. Und ob es krebserregend ist, sei ja noch nicht erforscht. "Mit Vermutungen kann man Politik machen, wir wünschen uns Sachlichkeit", betont Dresbach.

Der Hückeswagener Ortslandwirt Dietmar Strack sieht einem Verbot des Pflanzenschutzmittels kritisch entgegen. Das Spritzmittel werde fast überall genutzt, sagt er und widerspricht damit Dresbach. In der Größenordnung von bis zu drei Litern nutze man das Mittel pro Hektar - je nach Gemisch. "Es ist Chemie", sagt Strack. "Aber die Alternative ist der Pflug, und der dreht den kompletten Boden um." Er fürchtet, dass ein Verbot die Bodenerosionen verschlimmert. Bisher bemühten sich die Landwirte, dagegen anzukämpfen.

Über Vorwürfe aus der Öffentlichkeit erregt sich Christian Felbeck. "Wir sind in Hückeswagen keine große Ackerregion", sagt der Vorsitzender der Ortsbauernschaft. Doch wenn die Bauern es nutzen, dann mit Bedacht: Gerade in jüngster Zeit, in der Niederschläge zu Erosionen geführt und Erdschichten in Bewegung gesetzt haben, waren laut Felbeck die präventiven Maßnahmen der Landwirte wichtig. Sogenannte Untersaaten pflanzen die Bauern nämlich zwischen ihre Maispflanzen, damit der Boden fester und verwurzelter wird. "Gerade an den Flächen in Hanglage nahe der Trinkwassertalsperre ist das wichtig", betont Felbeck. So gerate die Wasserqualität und Versorgung bei Unwettern nicht in Gefahr.

(ball)
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