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Ronald Schulte
"Grenzen gehören zum Leben dazu"

Hückeswagen. Heute ruft der Kinderschutzbund zum "Tag der gewaltfreien Erziehung" auf. Im Interview erklärt Ronald Schulte vom Awo-Familienzentrum, warum Konflikte eskalieren und welche Gegenstrategien es gibt. Kinder brauchen Regeln, sagt er.

Dass Kinder gewaltfrei erzogen werden, ist heute eine Selbstverständlichkeit, oder?

Schulte Wenn man nach dem geht, was uns zugetragen wird, ist das so. In der Regel geht die Erziehung heutzutage gewaltfrei vonstatten. Ganz selten fällt uns bei Kindern auf, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wenn man den Kindern aufmerksam zuhört, kann man gewisse Sachen heraushören. Das sind aber absolute Einzelfälle.

Wenn es doch passiert, was dann?

Schulte Dann suchen wir das Gespräch mit den Eltern. Wichtig ist es, die Eltern mit im Boot zu behalten. Die Eltern müssen gesprächsbereit bleiben und dürfen nicht zumachen.

Warum eskalieren Konflikte zu Hause?

Schulte Viele Eltern sind mit ihren Lebensumständen überfordert. Die Wohnsituation kann zum Beispiel ein Problem sein, die Arbeitslosigkeit eines Partners oder auch ein "anstrengendes" Kind. Eltern kommen nach der Arbeit nach Hause, erleben schreiende Kinder, so geht der Ärger los. Wenn wir mitbekommen, dass Eltern überfordert sind, können wir ganz gezielt Hilfe anbieten und zum Beispiel eine Familienberatung vermitteln.

Welche Strategien empfehlen Sie, um Konflikte sachlich zu lösen?

Schulte Eine klare Kommunikation in der Familie ist ganz wichtig. Man sollte nicht aufeinander rumhacken und erkennen, dass der andere auch gute Seiten hat. Jeder sollte die Chance haben, sich auszuleben. Gefühle jeder Art müssen zugelassen werden, aber natürlich nicht jede Handlung. Es muss verbindliche Regeln geben.

Sind Helikopter-Eltern, die ihr Kind ständig im Blick behalten, die besseren Eltern?

Schulte Nein, das finde ich nicht. Eltern müssen auch loslassen können. Kinder müssen ihre eigenen Wege gehen können. Wenn Eltern sie ständig steuern, entwickeln sich die Kinder nicht weiter.

Grenzen sollten aber schon definiert werden?

Schulte Natürlich, und das hört nach der Kindheit nicht auf. Grenzen gehören zum Leben dazu. Die muss es in der Kindheit geben, später werden die Kinder sie in der Schule erleben, und im Erwachsenenalter gibt es auch weiterhin Grenzen. "Bis hier hin und nicht weiter" - solche Grenzen muss es im Elternhaus geben. Auch im Kindergarten haben wir übrigens verbindliche Regeln.

Zum Beispiel?

Schulte Die Kinder müssen Bescheid sagen, wo sie hingehen. Oder: Nach dem Mittagessen werden die Zähne geputzt. Wir besprechen diese Regeln mit den Kindern, darum halten sie sich daran. Wenn man die Regeln kindgerecht formuliert, frei von wahnsinnigen Fachbegriffen, werden sie die Kinder auch akzeptieren.

Welche Regeln sollten Eltern aufstellen?

Schulte Das müssen Eltern selbst entscheiden, je nachdem, was ihnen wichtig ist. Die Kinder müssen sie auf jeden Fall verstehen können. Eine Regel könnte lauten, dass beim Mittagessen alle sitzen bleiben, bis der Letzte fertig ist. Oder dass die Kinder um 19 Uhr den Fernseher ausmachen. Wichtig ist, dass die Regeln für alle aushaltbar sind und eingehalten werden. Mit verbindlichen Regeln wird von vorneherein ziemlich viel Konfliktpotenzial genommen.

KLAS LIBUDA FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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