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Hückeswagen
Großer Ansturm auf neue Kleiderkammer

Hückeswagen: Großer Ansturm auf neue Kleiderkammer
Das Angebot der neuen Kleiderkammer ist riesig, der Andrang seitens der Asylbewerber gestern am ersten Öffnungstag war es auch. FOTO: J. Moll
Hückeswagen. Nachdem viele Hückeswagener die dritte Kleiderkammer in der Schloss-Stadt mit gebrauchter, aber noch tragfähiger Kleidung bestückt hatten, öffnete sie gestern erstmals. Im ehemaligen Bad-Restaurant drängten sich viele Besucher. Von Wolfgang Weitzdörfer

Ali Jamal sieht sich interessiert und aufmerksam um. Der 18-jährige Iraker ist einer von zahlreichen Flüchtlingen, die mittlerweile in Hückeswagen leben. Eine ganze Menge von ihnen ist am Montagvormittag zur Eröffnung der dritten Kleiderkammer in den Räumlichkeiten des ehemaligen Bürgerbad-Restaurants gekommen. Die Ehrenamtsinitiative "Weitblick" hatte schon im Herbst die Notwendigkeit einer weiteren Anlaufstelle erkannt, und die Stadt hat ihr die Räumlichkeiten nebst WLAN-Zugang zunächst für ein Jahr zur Verfügung gestellt (die BM berichtete).

Ali Jamal ist vor fast einem halben Jahr nach Deutschland gekommen, seit mittlerweile vier Monaten lebt er in Hückeswagen. Der Iraker freut sich sehr über das neue Angebot, vor allem auch über den großen und hellen Begegnungsraum: "Das ist eine gute Sache, da wir dann die Menschen hier leichter kennenlernen und Kontakte knüpfen können." Er nutze alle Gelegenheiten in Hückeswagen, um unter Leute zu kommen, sagt der 18-Jährige. Sein Deutsch ist noch gebrochen, aber mit Englisch, Händen und Füßen klappt die Verständigung recht gut.

Von der neuen Kleiderkammer hat er von einem deutschen Freund erfahren. Jetzt schaut sich der 18-Jährige erst einmal um. Vielleicht könne er eine neue Hose für kleines Geld finden, sagt er und lächelt ein wenig schüchtern. Das ändert sich aber gleich, denn er wird direkt freundlich von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin begrüßt, die ihm das Angebot zeigt.

Ziel ist es, die bestmögliche Versorgung für alle Bedürftigen in der Schloss-Stadt bieten zu können, betont Gerd Schmitz vom dreiköpfigen Leitungsteam der neuen Kleiderkammer: "Wir sehen uns als Ergänzung zum bestehenden Angebot von Islandtafel und katholischer Gemeinde, nicht als Konkurrenz." Zusammen mit seiner Frau Brigitte und Sandra Kolander kümmert sich Schmitz um die Organisation.

Es hat sich eine ganze Menge getan in den vergangenen 14 Tagen. Vor gut zwei Wochen hatten die Hückeswagener noch Schlange gestanden, um Spenden abzugeben. Diese mussten erst einmal sortiert werden. "Aber seit vergangenem Freitag ist alles fertig", berichtet Schmitz. Dann sei noch ein Reinigungsdienst gekommen, der über Vereinsmittel finanziert wird und der auch weiterhin putzen und sich um die Toiletten kümmern wird. "Zudem haben wir die Kinderspielecke fertig eingerichtet, mehrere Nähmaschinen organisiert und auch schon Kontakte zu Flüchtlingen geknüpft, die in ihrer Heimat als Näher und Schneider gearbeitet haben", erzählt Schmitz.

Auch Sandra Kolander ist mehr als zufrieden: "Es ist wirklich fantastisch, die positive Energie zu spüren." Sie hätten gedacht, dass sie den Vormittag eher unter sich verbringen würden und vielleicht irgendwann einmal der eine oder andere Flüchtling vorbeikomme. "Und dann dieser große Ansturm."

Dass das neue Angebot direkt so gut angenommen wird, liege auch am guten Netzwerk, glaubt Gerd Schmitz: "Die Paten der Flüchtlinge, die Deutschlehrer und jetzt das Begegnungszentrum arbeiten da sehr gut zusammen. Nicht zu vergessen die Mutter-Kind-Gruppen." Es ist also die gute Zusammenarbeit, die zum Erfolg geführt hat. Das sieht auch Standortlotsin Margareta Coenen von "Weitblick" so: "Mein allergrößtes Lob geht an das ganze ,Weitblick'-Team!"

Da die Spendenbereitschaft der Hückeswagener so groß war, bittet das Organisationsteam darum, vorerst von weiteren Spenden abzusehen: "Wir werden über die Presse bekanntgeben, wann wir wieder Spenden annehmen können", berichtet Schmitz. Zudem wäre es eine große Hilfe, wenn Kleidung bereits nach Männer-, Frauen- und Kinderkleidung vorsortiert werden könnte. Sandra Kolander ergänzt: "Natürlich ist jeder Helfer willkommen. Allerdings sind wir mit derzeit rund 20 Helfern sehr gut bestückt. Wenn es dann darum geht, die Öffnungszeiten zu erweitern, werden wir aber sicher weitere Hilfe brauchen."

Ali Jamal ist übrigens fündig geworden. Das Angebot an (gebrauchter) Kleidung ist ja auch riesig.

Quelle: RP
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