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Florian Alexander Krumm
Großvater und Enkel unterwegs auf Jakobsweg

Florian Alexander Krumm: Großvater und Enkel unterwegs auf Jakobsweg
Florian Alexander Krumm und sein Großvater Siegmar Craen aus Hückeswagen sind zurzeit gemeinsam auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela unterwegs. Die Reise führt sie auch durch manch unwegsameres Gebiet. FOTO: Krumm
Hückeswagen. Mit dem Fahrrad nehmen Florian Alexander Krumm (25) und sein Großvater Siegmar Craen (71) derzeit den Jakobsweg bis ins spanische Santiago de Compostela auf sich. Im Interview mit unserer Redaktion spricht Krumm über die Motive der beiden Pilger aus Hückeswagen.

Herr Krumm, aus welchen Gründen machen Sie und Ihr Großvater diese rund 2000 Kilometer weite Pilgerreise?

Krumm Meine Motivation ist, einfach eine geniale Zeit mit meinem Opa zu verbringen. Spirituelle, historische, kulturelle und vor allem sprachliche Impulse sind mir dabei willkommen. Ich habe ja Sport studiert und daher ein Interesse an Bewegung und einem aktiven Lebensstil. Die Motivation meines Großvaters ist, solch ein Projekt quer durch Europa in seinem Alter noch zu bewältigen - quasi eine geistige und körperliche Herausforderung. Zumal mein Opa ein enormes Interesse an der Historie des Weges, der Kirchen, Städte und so weiter hat.

Ihr Großvater hat ja schon 2010 allein den Jakobsweg mit dem Fahrrad befahren. Helfen diese Erfahrungen?

Krumm Die diplomatische Antwort ist: na ja. Da ich durch meine Modelei bereits mehrere Monate in asiatischen sowie amerikanische Ländern unterwegs war, habe ich mir eine direkte Art angewöhnt. Ich gehe trotz vermeintlicher Sprachbarrieren auf Leute zu und frage einfach nach dem Weg. So kommt man nicht nur schnell voran, es entstehen auch die tollsten Begegnungen und Bekanntschaften. Die Erfahrungen meines Opas kamen jedoch beim Packen, der Wahl des Equipments, et cetera zum Tragen. Da können wir unsere Expertise gut ergänzen.

Mit welchen Erwartungen sind Sie gestartet? Haben diese sich erfüllt?

Krumm Ich lebe getreu dem Motto: mit dem Schlimmsten rechnen und auf das Beste hoffen - daher bin ich eigentlich dauerhappy. Auch auf dem Jakobsweg bin ich als extrovertierte Person bisher voll auf meine Kosten gekommen. Wir wurden in einem französischen Dorf privat auf mehrere Biere eingeladen. Ebenso die regelmäßigen Begegnungen auf Campingplätzen mit Niederländern, Briten, Franzosen, Deutschen sowie Schweizern und Österreichern bereiten sehr viel Vergnügen. Mein Opa ist eher ein ruhigeres Gemüt, so dass ich das Bindeglied bin.

Was war das schönste Erlebnis?

Krumm Da gab es viele Erlebnisse: Landschaften; endlich anzukommen nach einer langen Etappe; der nette Flirt mit meinem bescheidenen Französisch in der Boulangerie (Bäckerei, Anm. d. Red.); Umarmungen von wildfremden Menschen, die unser Vorhaben und die bisherige Leistung in unserer Konstellation klasse finden; einen Campingplatz zu haben, wo mal keine Mücken sind; die beeindruckenden Kathedralen; Reaktionen meines Opas auf so manche Situation.

Gab es auch Tiefpunkte?

Krumm Tiefpunkte gab es bisher nicht. Ich meine, man radelt so vor sich hin und schaut mal, wie weit man kommt - eigentlich einfach!

Keine Entbehrungen, mit denen Sie zu kämpfen haben?

Krumm Auch ohne Strom, Supermarkt und so weiter hat es bislang irgendwie geklappt.

Hat sich die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Großvater durch die gemeinsame Reise verändert?

Krumm Unsere Beziehung war immer schon sehr gut und eng. Das gilt aber für alle meine Familienmitglieder, samt meiner zahlreichen Geschwister. Dennoch schweißt so ein Unterfangen mit all seinen Berührungspunkten doch zusammen.

Wie ist das Verhältnis zu Pilgern, Herbergsinhabern und Touristen?

Krumm Noch sind wir von dem "Camino Francés" weit entfernt, deshalb treffen wir nur vereinzelt Pilger, die etwa etappenweise gehen. Trotzdem reden wir mit vielen Menschen, bekommen durchweg ermutigende Rückmeldung und auch Bewunderung dafür, den Jakobsweg in einem Rutsch per Rad und dann als Duo aus Enkel und Opa zu beschreiten.

Haben Sie aus der Reise bereits eine Lehre für sich ziehen können?

Krumm Bei allem denke ich - gerade auch in der aktuellen politisch angespannten Lage -, wie kostbar ein gemeinsames Europa und ein Miteinander ist. Wir sind uns doch so ähnlich, obwohl wir so verschieden sind. Alles liegt so nah beieinander. Das ist weltweit einzigartig.

BEATE WYGLENDA STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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