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Hückeswagen
Grundschüler bitten Autofahrer um Rücksicht

Hückeswagen: Grundschüler bitten Autofahrer um Rücksicht
"Bitte fahrt langsamer und vorsichtig": Hownaz (v, l.), Fabienne, Jana und Kim von der Klasse 4a der Grundschule Wiehagen appellierten gestern unter Anleitung von Polizist Uwe Petsching an die Autofahrer, vor allem jetzt zum Schulstart besonders aufmerksam zu sein. FOTO: Nico Hertgen
Hückeswagen. Der Schulweg ist nicht nur, aber vor allem für die i-Dötze mit Gefahren verbunden. Bei einer Aktion zum Schulbeginn appellierten gestern Polizei und Schüler an die Autofahrer, besonders umsichtig zu fahren. Von Stephan Büllesbach

Der Schrecken steht einem älteren Ehepaar ins Gesicht geschrieben. Soeben hat ein Polizist es am Wiehagener Penny-Markt aus dem Verkehr gewunken. Als die Frau auf dem Parkplatz aussteigt, fragt sie aufgeregt: "Was haben wir denn gemacht?" Uwe Petsching von der Verkehrsunfallprävention der Kreispolizeibehörde kann sie umgehend beruhigen. "Nichts", versichert Petsching. Vielmehr verweist er auf zwei Viertklässler der Grundschule Wiehagen, die wie ihre Klassenkameraden an diesem Morgen für etwa eine Stunde die Autofahrer darum bitten, jetzt zum Start des neuen Schuljahres besonders aufmerksam zu sein.

Die Polizei-Aktion zum Schutz von Schulkindern im Straßenverkehr gibt es seit mehreren Jahren - immer pünktlich zum Schulbeginn. Gestern wurden die Beamten von der Klasse 4a der Grundschule Wiehagen unterstützt. Abwechselnd sprachen die Schüler mit den Autofahrern, nicht ohne ihnen zum Schluss eine gute Fahrt zu wünschen und einen kleinen Erinnerungszettel in die Hand zu drücken. "Nach sechs Wochen Ferienzeit, wo keine Schulkinder unterwegs und viele im Urlaub waren, möchten wir die Autofahrer wieder für das Thema ,Schulstart' sensibilisieren", erläuterte Uwe Petsching.

Die Statistik weist für die Zeit von Anfang 2010 bis Juli 2015 nur einen Schulwegunfall in Hückeswagen aus - im September 2014 war an der Mozartstraße eine Schülerin von einem Auto angefahren worden, dessen Fahrer in der Tempo-30-Zone zu schnell gewesen war. Kreisweit hatte es in diesem Zeitraum 36 Unfälle mit Schülern gegeben. Im Dezember 2011 war in Reichshof ein Kind gestorben, als es aus einer spielenden Gruppe auf die Straße und dort in ein Auto gelaufen war.

Die Zahlen seien nicht auffällig, sagt Polizeihauptkommissar Frank Rösner. "Aber jedes verletzte und vor allem getötete Kind ist eines zu viel." Nicht zuletzt deshalb sollten die motorisierten Verkehrsteilnehmer gerade jetzt, zum Schulstart, besonders aufmerksam und auch langsamer, als es die jeweilige Höchstgeschwindigkeit erlaubt, fahren.

Laura und ihre Klassenkameradin sind sichtlich aufgeregt, als sie bei einer Autofahrerin ihr zuvor im Unterricht erlerntes Sprüchlein aufsagen: "Wir möchten, dass Sie vorsichtig fahren und vor allem auf die Erstklässler aufpassen." Die Hückeswagenerin freut sich sichtlich über den Mut der beiden Grundschülerinnen und versichert: "Das mache ich sowieso. Ich habe doch selber drei Kinder und fünf Urenkel." Und Jürgen und Anni Balve sagen: "Das ist eine gute Aktion." Der Autofahrer sagt: "Ich stehe immer auf der Bremse, wenn ich ein Kind am Straßenrand sehe."

Klassenlehrerin Beate Kitzmann hatte ihre Schüler noch im alten Schuljahr kurz auf die Aktion vorbereitet. Gestern Morgen waren dann die Polizisten in die Klasse gekommen, um den Viertklässlern die letzten Instruktionen zu geben. "Die Beamten haben sie richtig nett vorbereitet und das Ganze mit kleinen Rollenspielen eingeübt." Der Spaß an der Aktion ist den Kindern dann auch anzusehen, obwohl sie im "Ernstfall" etwas schüchtern sind. Beate Kitzmann hofft nun, dass die Aktion wirklich etwas bringt. "Vielleicht öffnet sie ja dem einen oder anderen Autofahrer die Augen", sagt sie.

Quelle: RP
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