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Hückeswagen
Güllefrei in die Badesaison an der Bever

Hückeswagen: Güllefrei in die Badesaison an der Bever
Der Wupperverband kontrolliert regelmäßig die Wasserqualität seiner Talsperren (hier die der Wupper-Talsperre). Belastetes Wasser ist nicht aus der Neye- in die Bever-Talsperre geflossen, versichert Betriebsleiter Jürgen Fries. FOTO: Wupperverband:
Hückeswagen. Die Verunreinigung der Neye-Talsperre mit 1,7 Millionen Litern Gülle Mitte März hat sich nicht auf die Bever-Talsperre ausgebreitet. Das versicherte gestern Jürgen Fries vom Wupperverband. Die anstehende Badesaison ist gesichert. Von Stephan Büllesbach

Leise schallt Musik aus der Gaststätte "Zornige Ameise" ans Ufer der fast randvollen Bever-Talsperre, deren Wasseroberfläche kaum eine Bewegung zeigt. Die Temperatur ist zwar noch eher winterlich, weil kaum über dem Gefrierpunkt. Aber der strahlende Sonnenschein lässt erahnen, was vielleicht schon am kommenden Wochenende hier und an anderen Stellen an der Bever los sein wird. Soll es doch bis zu 20 Grad warm werden.

Die ersten Camper sind aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt, auch die ersten Sonnenhungrigen dürften bald kommen. Vielleicht wagt sich sogar schon der eine oder andere mutige Schwimmer ins Bever-Wasser. Das ist zwar noch sehr kalt, dafür aber güllefrei. Dafür haben Wupperverband, Feuerwehr und Untere Wasserbehörde beim Oberbergischen Kreis vor drei Wochen gesorgt. Denn unmittelbar, nachdem die Meldung eingetroffen war, dass von einem landwirtschaftlichen Betrieb in Halver über den Neyebach 1700 Kubikmeter Gülle in die Neye-Talsperre gelaufen waren, wurde die Schutztafel in dem Stollen, der beide Talsperren miteinander verbindet, heruntergefahren. So konnte kein mit Keimen belastetes Wasser in die Bever gelangen.

Seitdem wird täglich in der Neye-Talsperre gemessen. Jürgen Fries, Betriebsleiter Talsperren beim Wupperverband, versichert: "Die Gülle hat sich in einer rund 55 000 Kubikmeter großen Blase nahe des Staudamms abgelagert; das Oberflächenwasser ist nicht betroffen." Über das Oster-Wochenende wurde jedoch wieder Wasser aus der Neye- durch den Stollen in die Bever-Talsperre geführt. "Allerdings nur Oberflächenwasser und nur solches aus einem Neye-Arm, der weit weg von der Gülleblase liegt", betont Fries. Hintergrund: Die Schevelinger-, Neye- und Bever-Talsperre sind durch Stollen miteinander verbunden, um Wasser abzugeben. Denn die Bever-Talsperre hat etwa die Aufgabe, die Wupper vor Niedrigwasser zu schützen und dient als Speicher, damit der bergische Fluss kein Hochwasser führen kann. Dass sie auch ein beliebtes Freizeitareal ist, ist für den Wupperverband eher sekundär.

Die Gülle wird inzwischen aus der Neye-Talsperre abgepumpt (die BM berichtete). "Dabei haben wir Glück im Unglück gehabt", sagt Fries. Denn das stinkende und nicht ganz ungiftige Gemisch fließt durch eine Rohrleitung, die über 16 Kilometer die Neye- und die Eschbach-Talsperre auf Remscheid Gebiet miteinander verbindet. "Sie führt am Klärwerk Hückeswagen vorbei, und genau dort gibt es einen Belüftungsschacht", berichtet Fries. Durch den wird die Gülle schließlich ins Klärbecken gepumpt.

Rund 2000 Kubikmeter können so jeden Tag entsorgt werden. Sollte es in den nächsten Tagen trocken bleiben, dürfte es sogar noch mehr sein. Sollte die Kläranlage an der Wupper-Vorsperre nicht die komplette Güllemenge klären können, haben sich laut Fries bergische Landwirte bereiterklärt, diese auf ihren Feldern abzufahren.

Die Badesaison an der Bever ab Mai ist - trotz der nahen Umweltkatastrophe - gesichert. "Wir bringen jetzt die Bojen raus, die Uferflächen werden gesäubert, und die DLRG taucht die vier Badestellen ab, damit sich niemand verletzt", erläutert der Betriebsleiter. Und er versichert: "In Sachen Gülle haben wir keine Angst."

Apropos: In den 1990er Jahren waren die Wasserwerte der Bever teilweise mangelhaft. Grund für das mit Keimen belastete Talsperrenwasser war die Gülle-Bewirtschaftung auf den Feldern ringsum. Doch nachdem sich der Wupperverband mit den Landwirten zusammengesetzt hatte, wurde die Qualität zunehmend und langanhaltend besser. "Wir arbeiten in einer Kooperation im Sinne der Gewässersicherheit zusammen", sagt Fries. Die Landwirte seien sensibler geworden, der Wupperverband habe etwa auf seine Kosten Bachläufe eingezäunt, damit dort keine Kühe hineingelangen.

Quelle: RP
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