| 00.00 Uhr

Hückeswagen
Hilfe für Flüchtlinge noch nicht optimal

Hückeswagen: Hilfe für Flüchtlinge noch nicht optimal
Mehrere gebrauchte Fahrräder, seit voriger Woche von Hückeswagenern gespendet, übergaben die beiden Caritas-Mitarbeiterinnen Elisabeth Böhlefeld (l.) und Brigitte Wojewoda (r.) gestern am katholischen Gemeindehaus an eine Reihe von Flüchtlingen. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Die Verteilung der gespendeten Fahrräder an die Flüchtlinge durch die Caritas verlief gestern problemlos. Die Kleider-kammer der katholischen Gemeinde stößt jedoch an ihre Grenzen. Hier hapert es noch an der Abstimmung. Von Stephan Büllesbach

Moher Alamen ist glücklich. Der 46-jährige Syrer hat es aus seinem bürgerkriegsgeplagten Heimatland nach Deutschland geschafft, nun erhält er im katholischen Gemeindehaus Deutschunterricht. Zudem nimmt er an diesem Montagmorgen von den Caritas-Mitarbeiterinnen Elisabeth Böhlefeld und Brigitte Wojewoda ein Fahrrad für seinen 16 Jahre alten Sohn in Empfang, der nach den Herbstferien wieder zur Montanusschule geht. Ein Dutzend fahrtüchtiger Fahrräder ist nach dem Aufruf der Caritas-Helferinnen aus der vorigen Woche zusammengekommen, fast alle finden neue Besitzer.

Anders war die Situation am Samstag in der Kleiderkammer, dem Second-hand-Shop der katholischen Gemeinde: Die "Kammerzofen" fühlten sich nicht zuständig dafür, Kleidung speziell nur für Flüchtlinge anzunehmen. "Was wir annehmen, ist für die Allgemeinheit - auch, aber nicht nur für die Flüchtlinge", betont Christel Buß vom Leitungsteam. Sie könnten jedoch Kleidergutscheine bei der Caritas erhalten, die sie in der Kleiderkammer einlösen dürften. "Wir sind lediglich neun ehrenamtlich tätige Frauen, und wir haben kaum Lagerraum, um Kleiderspenden speziell für Flüchtlinge unterzubringen", betont Christel Buß. So etwas müsste schon die Stadt organisieren.

Die städtische Mitarbeiterin Susann Bröker verweist auf die Broschüre der Stadt, die die Flüchtlinge nach ihrem Eintreffen in Hückeswagen erhalten. Darin wird ihnen die Möglichkeit aufgezeigt, dass sie bei der Islandtafel und der Kleiderkammer Kleidung erhalten können - gegen einen kleinen Obolus oder einen Gutschein der Caritas. "Sie haben die Möglichkeit, sich zweimal im Jahr darüber mit Kleidung einzudecken", erläutert Susann Bröker. In Ausnahmefällen, etwa bei Schwangeren, auch häufiger.

Nicht machbar sei jedoch, dass die Stadt ein eigenes Lager betreibe und sogar noch jemand abstelle, der die Annahme und Verteilung übernehme. Das bestätigt auch Fachbereichsleiter Michael Kirch: "Das können wir gar nicht leisten", stellt er klar. Wenn jemand jedoch Räumlichkeiten oder sein ehrenamtliches Engagement zur Verfügung stellen wolle, könne er sich gerne melden.

Keine Probleme mit der Annahme und Verteilung der gespendeten Kleidung scheint dagegen die Islandtafel zu haben. Deren Leiter Dieter Rauer sagt: "Wir haben einen großen Zuspruch an Flüchtlingen." Zwar sei die Kapazität begrenzt. "Aber was wir machen können, das machen wir."

Der Ansturm auf die Caritas-Sprechstunde von Brigitte Wojewoda und Elisabeth Böhlefeld - montags von 9.30 bis 11 Uhr - hat in den vergangenen Wochen drastisch zugenommen. Kamen bislang Hilfebedürftige, die etwa Harz IV beziehen, stehen nun vermehrt Flüchtlinge auf der Matte. Vor allem Lebensmittel- und Kleidungsgutscheine sind begehrt. Die Caritas-Mitarbeiter stehen mit dem Sozialamt der Stadt in Kontakt, falls etwa überprüft werden muss, ob ein Anrecht auf den Gutschein besteht.

Bekleidungsgutscheine gibt es für die nahe gelegene Kleiderkammer. Einen Großteil der Kosten zahlt die Caritas an die "Kammerzofen" aus, die den Erlös diversen Hilfsprojekten in aller Welt zugutekommen lassen. Auch die Kleiderkammer tut das Ihrige, damit die erste Not der Flüchtlinge gelindert wird.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.