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Serie Ross Und Reiter
Hoch zu Pferd in die Menschenpyramide

Serie Ross Und Reiter: Hoch zu Pferd in die Menschenpyramide
Das Team der Leistungsklasse (v.l.) mit Wallach Carino: Finja, Trainerin Britta Busch, Kathi, Loreen, Anna, Vanessa und Anna. FOTO: michael schütz
Hückeswagen. Beim Voltigieren werden akrobatische Übungen auf dem Pferderücken ausgeführt. Der Reit- und Fahrverein Radevormwald bietet Voltigierkurse für Einsteiger bis hin zu Leistungssportlern an. Schon Kinder ab vier Jahren können mitmachen. Von Beate Wyglenda

Radevormwald Es ist eine seltsame Gefühlsmischung aus Faszination und Sorge, die sich breitmacht, wenn man Anna, Vanessa und Kathi bei ihrer nächsten Übung zusieht. Rücklings sitzen die Mädchen auf dem Westfalenwallach Carino, ehe sich das Pferd in Bewegung setzt. Schon hierbei kann einem schwindelig werden, die Reiterinnen jedoch beginnen erst jetzt mit der Show. Erst schwingt sich Kathi von Carino empor, um mit den Knien auf seinem Rücken zu landen. Dann klettert Vanessa von hinter über Anna, stützt sich auf ihr ab und legt Kathi das rechte Bein auf die Schulter. So turnt das Mädchen in gut 2,5 Metern. Und während der eigene Herzschlag inzwischen jede Trommel übertönen könnte, scheinen die drei Turnerinnen auf dem Wallach ganz ruhig zu sein.

Anna, Vanessa und Kathi sind aber auch Profis. Sie sind drei von insgesamt acht Akrobatinnen der Leistungsgruppe des Reit- und Fahrvereins Radevormwald. Schon duzende Turniere haben die Mädels gemeistert, so manchen Pokal mit nach Hause gebracht. Trainiert werden sie von Britta Busch. Sie erklärt: "Voltigieren ist ein Einsteigersport, um Kinder an das Reiten heranzuführen." Bereits mit zwei Jahren sei es möglich, mit der vergleichsweise kostengünstigen Pferdesportart zu beginnen. Voraussetzung ist, die Kinder können Kommandos verstehen und umsetzen.

Was am Ende nämlich so spektakulär aussieht, wird über einen langen Prozess erlernt, mit vielen einzelnen Schritten. "Los geht's damit, dass man das Kind einfach aufs Pferd setzt und sagt, halt dich gut fest", erzählt Britta Busch. "Wenn das klappt, wirft man dem Kind etwa einen Ball zu, den dieses reflexartig fängt." Nach und nach kommen weitere Aufgaben hinzu. Dazu gehört, sich mal rücklings auf das Pferd zu setzen, mal die Arme in die Höhe zu heben oder die Beine nach hinten zu winkeln. In der Krümelgruppe von Britta Busch lernen fünf Kinder diese und ähnliche Übungen. Anfangs alles in der Gangart Schritt.

Die Gruppe ist bewusst so klein gehalten, und gleich drei Trainerinnen kümmern sich um sie. "Das Schöne ist, man kann die Kinder spielerisch an den Sport ranführen", sagt Britta Busch. "Im Unterschied zu Erwachsenen haben diese auch keine Hemmungen, auf dem Pferd zu turnen."

Vertrauen ist die wichtigste Basis, um den Sport zu betreiben. Auch Rhythmusgefühl, Körperspannung, Balance und Gelenkigkeit - etwa durch Tanz- oder Turnerfahrungen - sind von Vorteil. Die werden durch das Voltigiertraining aber ohnehin besonders geschult. Vertrauen dagegen zum Pferd, zum Trainer, zu seinem Team ist eine Voraussetzung, sagt Busch. "Ein Team muss zu 100 Prozent zueinanderstehen, deshalb sind die Mädchen sehr innig miteinander", sagt sie. "Ich habe schon viele Stürze gesehen. Doch nie, weil ein Untermann seinen Kameraden nicht festgehalten hat."

Darauf verlassen können muss sich besonders Finja Hedfeld. Die 13-Jährige ist Obermann in der Leistungsgruppe, das heißt, sie turnt in bis zu vier Metern Höhe. "Meine Mutter war anfangs geschockt, was ich so hoch auf dem Pferd treibe, aber mittlerweile hat sie sich daran gewöhnt", sagt Finja. Vor sechs Jahren hat sie mit dem Sport angefangen. Eigentlich wollte sie nur Reiten lernen, ,achte aber bei einem Schnupperkursus im Voltigieren mit. "Das hat mir sofort super gefallen", sagt Finja. "Je mehr ich lernte, desto mehr Ansporn gab mir das."

Ähnlich sieht das auch Anna Brandt (19), die als Unter-, manchmal Mittelmann im Team sowie als Solistin erfolgreich ist. Mit acht Jahren hat sie zu voltigieren begonnen, schnell zeigte sich ihr Talent. "Ich war sehr ehrgeizig, wollte nach vorn, mehr als in der Breitensportgruppe zu trainieren", sagt sie. "Für mich ist Voltigieren ein so ästhetischer Sport, der Zusammenhalt im Team ist toll, genauso wie der Umgang mit dem Tier - da wollte ich in der Leistungsklasse mitmischen."

Das sei bei den Kindern oft der Fall, sagt Busch. "Viele Kinder sind sehr leistungsorientiert und wollen schnell in die Profiklasse." Nach der Krümelgruppe folgen die Schritt-Schritt- (Verbindung von Pflicht und Kürelementen) und die Galopp-Schritt-Gruppe (Pflicht im Galopp und Kür im Schritt) als Breitensportgruppen. Wer Talent zeigt, hat Chancen auf die Leistungsklasse.

Quelle: RP
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