| 17.09 Uhr

Hückeswagen
"Hückeswagen-Draisine" der Marke Eigenbau

Hückeswagen. Was tun, wenn der Fahrradweg urplötzlich endet, im weiteren Verlauf der Strecke aber immerhin noch die Schienen der Bahn liegen? Diese Frage hatte sich der 39 Jahre alte Hückeswagener Thorsten Zimmer bei einem Radausflug in der Schloss-Stadt aus gegebenem Anlass gestellt – und sich die Antwort gleich selbst gegeben, erst theoretisch, dann auch praktisch: Kurzum baute Zimmer nach selbst entworfenen und gezeichneten Plänen seine ganz persönliche Fahrrad-Draisine.

Findiger Tüftler und Bastler

Aus etlichen hölzernen Terrassenbrettern, einigen Metall-Scharnieren, vier Nylonrollen und einer Menge Schrauben setzte der findige Tüftler und Bastler ein Gefährt zusammen, das genau zur Spurweite der Schienen passt, und von einem Fahrrad angetrieben wird. Umweltfreundlich, mit reiner Muskelkraft angetrieben, geht es nun in der Freizeit mit etwa zehn km/h von Hückeswagen aus auf der stillgelegten Bahnstrecke in Richtung Bergisch Born.

"Man muss schon kräftig treten, um das rund drei Kilometer lange, stark ansteigende Stück Schienenstrang bis zum alten Höhsieper Tunnel zu meistern", erzählt Thorsten Zimmer. Und: "Leider ist der Tunnel in Höhsiepen von der Rückseite zugeschüttet, und man muss wieder umdrehen."

Doch auch das war nun wirklich kein unlösbares Problem für den erfinderischen 39-Jährigen. Für die Kehrtwende setzt er einfach nur das Fahrrad um und befestigt es an der anderen Seite der Draisine. Und schon fährt der Hückeswagener zwar in die umgekehrte Richtung, dennoch aber wieder "vorwärts". "Bergab kann man dann schon mal bis zu 20 km/h auf den Tacho kriegen", erzählt er schmunzelnd.

"Einige Testläufe waren schon nötig", sagt der Erbauer des Schienenfahrzeugs, "aber bei der dritten Probefahrt klappte schon alles einwandfrei". Mittlerweile hat die Draisine bereits etliche Kilometer hinter sich, und sie wird sicher auch mal auf anderen Teilstrecken im Bergischen zu sehen sein. Denn: Die Draisine ist mobil: Sie kann in ihre Einzelteile zerlegt und so auf dem Fahrrad überall hin transportiert werden.

Einziger Wermutstropfen für alle Freunde von Eisenbahn und Schienenfahrzeugen aller Art: Nach und nach werden wohl alle noch existierenden Bahnstrecken in der heimischen Region verschwinden, um neuen Fahrradwegen Platz zu machen. Schon in wenigen Tagen wird der Radweg auf der alten Trasse zwischen dem Hückeswagener Zentrum und Wipperfürth offiziell eingeweiht.

So außergewöhnliche Fahrzeuge wie die "Hückeswagen-Draisine" von Thorsten Zimmer werden also wohl seltene Einzelstücke bleiben. Aber eine Serien-Produktion hatte der kreative Hückeswagener ohnehin nie im Sinn.

Quelle: RP
 
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