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Hückeswagen
Hückeswagen trauert um Ernst Müller

Hückeswagen: Hückeswagen trauert um Ernst Müller
Ernst Müller starb im Alter von 97 Jahren. FOTO: Moll, Jürgen
Hückeswagen. Seine Markenzeichen waren die Zigarre und sein hintergründiger Humor. Er war Ehrenmitglied des Turnerbunds und Ehrenvorsitzender des Stadtsportverbands. Am vorigen Samstag starb Ernst Müller im Alter von 97 Jahren. Von Stephan Büllesbach

Ernst Müller war ein Mann der Tat. Konsequent und hartnäckig. Das bewies er immer wieder - sei es als Lokalpolitiker der SPD, für die er von 1966 bis 1989 im Hückeswagener Rat saß, als Gründungsmitglied und Vorsitzender des Stadtsportverbands, dessen Ehrenvorsitzender er war, oder als Mitglied des TBH. Eine Anekdote ist bezeichnend dafür.

Der 1887 gegründete Turnerbund wollte die Jahrzehnte der Turnstunden in verschiedenen Sälen und der provisorischen Turnhalle im Schloss beenden und plante Mitte der 1950er-Jahre an der Schnabelsmühle den Bau einer eigenen Halle. In zehnfacher Ausfertigung hatte der Verein die Anträge für den Bau eingereicht, doch mehr als ein halbes Jahr erhielt er keine Rückmeldung. So machte sich Müller auf den Weg nach Düsseldorf, um mit den Verantwortlichen dort Tacheles zu reden. Mit Erfolg: Wenige Tage später traf das Geld ein. Rund 100.000 Mark bewilligte die Landeshauptstadt für die zwölf mal 24 Meter große Halle.

Doch auch danach engagierte sich Müller für "seine" Halle. Denn nach dem ersten Spatenstich am 14. Juni 1958 folgten etwa 6000 Arbeitsstunden in Eigenleistung durch die Mitglieder, allen voran Ernst Müller. Nach einer einjährigen Bauphase konnte die Halle am 18. Juli 1959 an den Verein übergeben werden. Müller gehörte auch der "Rentnerband" an, die sich in den folgenden Jahrzehnten um den Erhalt und die Pflege des Gebäudes und seines Interieurs kümmerte. Dann hatte er ausnahmsweise einmal keine Zigarre angezündet. Nur wenn er im Einsatz für den TBH unterwegs oder krank war, traf man ihn ohne seine obligatorische "Stumpen" an. Ansonsten qualmte Müller täglich zwei Zigarren am Tag, wie er unserer Redaktion vor einigen Jahren verriet.

Geboren wurde Müller im Januar 1920 in Wernigerode im Harz, seine Eltern zogen mit ihm aber schon bald nach Hückeswagen. Als Jugendlicher lernte er Ilse Steinbach aus der Nachbarschaft kennen. Doch die Hochzeit verhinderten zunächst der Zweite Weltkrieg und die anschließende Gefangenschaft. Seinen 25. Geburtstag bezeichnet er als "den schlimmsten", denn den beging in einem russischen Lager. Erst am 24. April 1949 kehrte Müller in seine Heimat zurück, sieben Monate später ließ sich das Paar von Pastor Gerhard Rottlaender trauen - die Ehe sollte mehr als sechs Jahrzehnte dauern.

Neben seiner Zigarre prägte ihn noch etwas: sein hintergründiger Humor. Ein Beispiel dafür ist seine Rede bei der Preisverleihung des Liberalen Bürgerpreises vor sieben Jahren. Müller, der der sechste Preisträger dieser Auszeichnung des FDP-Ortsverbands war, berichtete damals zur Erheiterung der Festgäste im Heimatmuseum von einer Anekdote. Beim 75-jährigen Bestehen des TBH 1962 hatte er unter den rund 2000 Gästen am Rand den damaligen Landesinnenminister und Präsidenten des Deutschen Sportbundes Willi Weyer entdeckt. "Der wollte sich mal aus der Entfernung anschauen, was ein kleiner Verein wie der TBH alles auf die Beine stellt", erinnerte sich Müller im Oktober 2011. Nachdem er auf den prominenten Gast zugegangen war und ihn eingeladen hatte, am Fest teilzunehmen, stellte ihm Weyer als kleine Anerkennung einen Scheck über 250 Mark aus. Müller: "Wir haben davon drei Stoppuhren gekauft." Pragmatisch war er also auch.

Und er hatte ein Herz für Menschen mit Handicap. Denn zusammen mit Hella Krumm initiierte er Mitte der 1970er-Jahre die Weihnachtsfeier für behinderte Kinder, die nicht mehr aus dem Hückeswagener Veranstaltungskalender wegzudenken ist.

Mit dem Tod von Ernst Müller ist Hückeswagen ein bisschen ärmer geworden. Er wird viele fehlen. Ebenso seine Zigarren und sein Humor.

Quelle: RP
 
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