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Hückeswagen/Köln
Hückeswagener erobert Kölner Karneval

Hückeswagen/Köln: Hückeswagener erobert Kölner Karneval
Heinz Pohl als Paul Posthorn bei der Sitzung der Blauen Funken in der Kölner Flora in Nippes. Der Festsaal ist mit mehr als 800 Jecken prall gefüllt. FOTO: heike karsten
Hückeswagen/Köln. Als Postbeamter aus der Provinz steht Heinz Pohl seit 23 Jahren in der Hückeswagener Bütt. In dieser Session startet er als Newcomer im Kölner Karneval. 40 Termine stehen auf seiner Kalender. Die BM hat ihn einen Tag lang begleitet. Von Heike Karsten

Der Tag beginnt für den Hückeswagener Heinz Pohl entspannt im Kreis der Familie. Doch gegen Mittag wird das Auto mit den Utensilien gepackt, die er für seine Rolle als Büttenredner Paul Posthorn benötigt. Dazu zählt ein zusammenklappbares Postamt der Marke Eigenbau mit Scharnieren, Rollen, Fußschalter und zwei antiken Telefonen. Nicht fehlen dürfen auch die Postuniform samt lederner Umhängetasche sowie das Rednermanuskript. Um 12 Uhr startet Pohl die Fahrt in die Domstadt, in der er sich als langjähriger freier Mitarbeiter des WDR bestens auskennt.

Schon seit 23 Jahren bereichert Pohl als Paul Posthorn das karnevalistische Bühnenprogramm in der Schloss-Stadt. In seiner Rolle als vergessener Postbeamter in der Handvermittlung telefoniert er mit Prominenten und Politikern und nimmt dabei aktuelle Geschehnisse auf die Schippe. Warum soll das, was in Hückeswagen gut ankommt, nicht auch in der Karnevalshochburg Köln funktionieren? Und so stellte sich Pohl im Oktober beim Kreis rheinischer Karnevalisten in der Kölner "Wolkenburg" vor. Sein Auftritt wurde von der Lokalpresse als "absoluter Höhepunkt des Nachmittags" gewertet. Noch am selben Tag trudelten die ersten Buchungsanfragen ein.

In dieser Session wird Paul Posthorn 40 Mal auf den Kölner Bühnen stehen. Auch Buchungen für 2017 liegen ihm schon vor. "Als Neuling bin ich schon erstaunlich weit gekommen", sagt der 46-Jährige. Zehn Auftritte liegen hinter ihm. Vom Vorabend ist die Stimme noch leicht lädiert.

Heinz Pohl jr. und Michael Loh von "De Küttel" bei einem Auftritt bei der Kolping-Gala-Sitzung im Februar 2004. FOTO: hans dörner (archiv)

Der erste Auftritt an diesem Tag ist um 13.15 Uhr im Radisson Blu Hotel in Deutz, wo die DKG "Schäl Sick" vun 1952 ihren Festlichen Kommers feiert. Das kleine Rahmenprogramm besteht aus Nachwuchskünstlern des Kölner Karnevals. Jetzt heißt es: Auto ausladen, aufbauen, Uniform anlegen - und ab auf die Bühne. Das halbstündige Programm zieht Pohl souverän durch. Die Gags kommen gut an. Doch der 46-Jährige hat auch schon andere Erfahrungen machen müssen. Am Vorabend trat er am Ende einer langen Damensitzung und direkt nach einer Boygroup auf. "Da war nichts mehr zu machen", erinnert er sich an die schwierige Situation, sich als Redner, in einem Saal voller Frauen außer Rand und Band Gehör zu verschaffen.

Nach dem Auftritt geht es weiter zur Karnevalssitzung der Blauen Funken in die Kölner Flora in Nippes. Die Anspannung steigt, als der Hückeswagener einen Blick in den mit mehr als 800 Jecken gefüllten Festsaal wirft. Hier wird er sich mit Stars und Urgesteinen des Kölner Karnevals die Bühne teilen. Schon nach der Ankunft führt er Smalltalk mit "Ne Kölsche Schutzmann" Jupp Menth. Man wünscht sich gegenseitig Glück und tauscht Visitenkarten aus. Sieben Auftritte hat Menth allein an diesem Tag. "Das läuft wie ein funktionierendes Räderwerk. Ich hätte nie gedacht, wie getaktet das ist", sagt Pohl über den organisatorischen Ablauf der Sitzungen. Vor ihm steht Sänger King Size Dick auf der Bühne und heizt den Saal so richtig ein. Währenddessen trifft Bernd Stelter, der nach Pohl dran ist, hinter der Bühne ein. Die Anspannung steigt. "Zwischen all den Größen bekommt man schon ein wenig Ehrfurcht und Respekt", sagt der Hückeswagener. Seine Ehefrau sendet Mut machende Worte per Handy: "Hau s'e weg!"

Das Reden ist für den WDR-Mitarbeiter Routine. "Ich habe viele Jahre im Radio moderiert, das macht mir nichts. Aber hier geht es in eine Art Wettkampf", sagt Pohl. "Die Jecken in Hückeswagen wissen: Kommt der dicke Mann, geht ans Telefon, gibt's auf die Fresse." In Köln muss sich Pohl noch einen Namen machen.

Noch einen Schluck aus der Wasserflasche, dann steigt Paul Posthorn die Treppe hoch und positioniert sich hinter seiner gelben Postauskunft. Angekündigt wird er vom Präsidenten als "Newcomer im kölschen Fastelovend aus dem tiefsten Hückeswagen". Es läuft gut, auch wenn die Rede aus Zeitgründen gekürzt werden muss. Mit der rauen Stimme eines rechtschaffenden Beamten zieht er sein Programm durch und geht dabei auch auf das politische Geschehen in Köln ein.

Durch das Scheinwerferlicht und den Adrenalinschub stehen ihm die Schweißperlen auf der Stirn, aber er hat das Publikum erreicht. "Anfangs war es etwas zäh, aber dann hatte ich sie", sagt Pohl zufrieden.

Der Karrierestart als Redner im Kölner Karneval macht dem 46-Jährigen sichtlich Spaß: "Mal sehen wie es sich entwickelt. Bisher ist es nur ein Hobby." Das war es anfangs für Willibert Pauels auch. Doch dann startete der Wipperfürther Diakon als "Bergischer Jung" durch...

Quelle: RP
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