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Hückeswagen
Hückeswagens erster "Stolperstein"

Hückeswagen: Hückeswagens erster "Stolperstein"
FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Der Bildhauer Gunter Demnig verlegte an der Peterstraße "Stolpersteine" in Erinnerung an drei von National-sozialisten ermordete Kommunisten. Auch der Enkel einer der Getöteten war dabei. Von Stephan Büllesbach

Sie sollen nicht wirklich zum Stolpern verleiten, sondern nur im übertragenen Sinne: die "Stolpersteine" von Gunter Demnig. Drei dieser gold glänzenden, 9,6 mal 9,6 mal zehn Zentimeter großen gegossenen Betonsteine hat der Künstler am Montagmittag in den Gehweg der Peterstraße eingelassen - vor den beiden Parkplätzen der "Gotteshütte" und circa 50 Meter weiter Richtung Montanuskreisel vor einem unscheinbaren, etwas zurückgesetzten Haus. Auf einer Messingplatte sind unter anderem die Namen der drei Ermordeten, ihr Geburtsjahr und ihr Todestag eingeschlagen. Sie erinnern ab sofort an Bruno Blumberg, Friedrich Wilhelm Mondré und Johann Fries, die bei Auseinandersetzungen mit Mitgliedern der nationalsozialistischen SA am 13. März 1932 erschossen worden waren.

Die ersten drei Hückeswagener "Stolpersteine" sind der Initiative von Iris Kausemann zu verdanken. Die Vorsitzende der beiden hiesigen Geschichtsvereine BZG und BGV, die gestern an jeden "Stolperstein" eine rote Rose legte, hatte zu Jahresbeginn bei der Verwaltungsspitze vorgesprochen, ob sie sich so etwas vorstellen könnte. Sie konnte. Kausemann nahm daher Kontakt zu Demnig auf, und schnell war auch klar, an wen die ersten "Stolpersteine" erinnern sollen. Bald wird es einen vierten geben: "Der soll an Otto Fröhlich erinnern", sagte Kausemann. Der damalige Hückeswagener KPD-Vorsitzende und Stadtrat starb in einem Konzentrationslager.

20 geschichtsinteressierte Hückeswagener waren gestern Mittag dabei, als der Bildhauer die drei Steine in den Gehweg der Peterstraße einließ. Unter ihnen war auch Wilfried Stawicki. Der 70-jährige Wiehager ist der Enkel von Bruno Blumberg, der an diesem schrecklichen 13. März 1932 das erste Opfer der SA geworden war. "Meine Oma hat das Thema vermieden", erzählte Stawicki. Doch sei er damals in einem Alter gewesen, um nachzubohren. Und so erfuhr er mit der Zeit die ganze dramatische Geschichte um seinen Großvater und die beiden anderen erschossenen Kommunisten, die zusammen mit einem weiteren NS-Opfer in einem Ehrenmal auf dem Friedhof bestattet sind.

An Allerheiligen geht Stawicki, der fast 40 Jahre lang SPD-Mitglied war und sich selbst als Linker bezeichnet, auf den Friedhof, um eine Kerze für seinen erschossenen Opa anzuzünden. "Im Sommer sitze ich an seinem Grab und esse die Erdbeeren, die an dem Ehrenmal wachsen", berichtet er. An dem Haus des Dachdeckermeister Marx, an dem die beiden anderen Kommunisten zu Tode gekommen waren, konnte Stawicki als Kind nicht vorbeigehen - "da musste ich die Straßenseite wechseln". Doch dank der "Stolpersteine" könne er positiv nach vorne blicken. Die seien mit Sicherheit ganz im Sinne seines Großvaters.

Bürgermeister Dietmar Persian nutzte die Gelegenheit, um zu ermahnen: "Politische Auseinandersetzungen sollten immer mit Worten ausgefochten werden." Er hoffe, dass auf dem Gehweg an der Peterstraße jetzt viele Menschen, vor allem Kinder, nach den Getöteten und ihren Geschichte fragen. "Es ist wichtig, dass wir uns an sie erinnern", betonte er.

Passend zu den "Stolpersteinen" hat die Bergische Zeitgeschichte (BZG) in ihrer Geschäftsstelle, Islandstraße 1, eine kleine Ausstellung zu den Geschehnissen von vor fast 85 Jahren erstellt. Zu sehen sind an jedem ersten Samstag im Monat, 10 bis 13 Uhr, Dokumente der drei Ermordeten, wie die Sterbeurkunden oder die Friedhofskarteikarten, sowie ein Brief Blumbergs an seine Mutter und Schwester. "Das waren ganz normale Familienväter", die da erschossen wurden", sagte sie.

Quelle: RP
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