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Graham Thomas
"Ich habe schon über 400 Golfplätze bespielt"

Hückeswagen. Auch in Deutschland wird immer mehr Golf gespielt. Graham Thomas spielt selbst seit mehr als 50 Jahren und hat den Golfplatz in Dreibäumen mit aufgebaut. Im BM-Interview spricht er über seine Liebe zum Golf und verrät auch seine Lieblingsplätze.

Herr Thomas, macht Golfspielen eigentlich auch bei Regen Spaß?

Thomas Begrenzt. Aber man spielt auch dann. Es gibt Regenkleidung, Regenhandschuhe und Abdeckungen für die Golf-Bags, damit die Schläger nicht nass werden, vor allem am Griff. Man kann im Regen spielen, aber es macht nicht so viel Freude. Es ist ein Sport, der draußen gespielt wird. Ein Spiel wird nur unterbrochen, wenn ein Gewitter aufzieht. Man hat schließlich eine Tasche voller Eisenschläger dabei, das wäre dann doch zu gefährlich.

Wie lange spielen Sie selbst bereits Golf?

Thomas Seit etwa 50 Jahren. Ich habe mit sechs oder sieben Jahren damit angefangen.

Was hat Sie seinerzeit dazu gebracht?

Thomas Mein Vater. Zuvor hat er Cricket gespielt. Er ist zum Golfspielen gegangen und hat meinen Bruder und mich dann mitgenommen. Ich habe zwar praktisch alle Ballsportarten ausprobiert, aber das Golfen hat mir insgesamt am besten gefallen. Mit 17 Jahren bin ich dann Profi geworden.

Sie kommen aus Großbritannien, dem Mutterland des Golfsports. Hat Sie diese Herkunft geprägt?

Thomas Golf ist dort zwar nicht ganz ein Volkssport, aber jeder kann es spielen und ausprobieren. Golf hat dort nicht den elitären Touch, wie es teilweise in Deutschland noch der Fall ist. Jeder größere Ort auf den britischen Inseln hat mehrere öffentliche Golfplätze. Da zahlt man dann etwa zehn Pfund und kann direkt auf dem Platz spielen - ohne Mitgliedschaft oder Platzreife. Dort herrscht eine ganz andere Einstellung: Man probiert das Spiel einfach aus. Ob man dann dabei bleibt oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Aber es ist nicht ungewöhnlich, es auszuprobieren.

Was ist dran am Klischee, Golf ist der Sport der "oberen Zehntausend"?

Thomas Eigentlich gar nichts. Zumindest rein finanziell gesehen kann es sich inzwischen fast jeder leisten. Es gibt in Deutschland auch viele öffentliche Anlagen. Zwar gibt es Clubs, in die nicht jedermann reinpassen würde, aber wir hier in Dreibäumen sind für alle offen. In Köln gibt es aber ein paar Clubs, da würde sich nicht jeder wohlfühlen - dafür aber dann durchaus bei uns. Man muss das auch selbst ausprobieren: Wo und mit wem fühle ich mich wohl?

Welche Kosten fallen an?

Thomas Es gibt bei uns ein Kennenlern-Paket. Darin enthalten ist das Spielrecht ohne Mitgliedschaft. Das kostet 95 Euro im Monat. Wenn man sich dann für eine Mitgliedschaft entscheidet, beträgt der Jahresbeitrag 1609 Euro, dazu kommt eine einmalige Aufnahmegebühr von 1000 Euro. Die kann man aber auf zwei Jahre splitten. Das erste Jahr kann dann zusammen mit der Ausrüstung und den Unterrichtsstunden schon ein paar Tausend Euro kosten. Dafür kann es dann aber in den Folgejahren, wenn man einfach nur spielt, etwas günstiger werden.

Womit schlägt die Ausrüstung zu Buche?

Thomas Es gibt gute Anfängersets, in denen alles enthalten ist. Die kosten etwa 300 Euro. Wenn man dann aber Fortschritte macht, will man natürlich auch eine bessere Ausrüstung. Für den Anfang reicht das aber völlig.

Und wie viel Zeit muss man für den Sport einplanen?

Thomas Das hängt ein wenig davon ab, was man will. Wer nur auf der Driving Range ein wenig trainieren und danach noch im Clubhaus etwas trinken will, schafft das locker in einer Stunde. Eine halbe Runde, also neun Löcher, dauert etwa zwei Stunden, eine ganze vier bis fünf Stunden. Und wenn man ein Turnier spielt, muss man schon einen halben Tag einplanen. Da kommt auch noch die Siegerehrung dazu, und es gehört sich, dass man dabeibleibt, auch wenn man nichts gewonnen hat. Es ist durchaus auch ein geselliger Sport. Außerdem haben wir auf unserer Terrasse wohl den schönsten Biergarten in der Gegend.

Was raten Sie einem potenziell interessierten Einsteiger?

Thomas Zunächst sollte er ein paar Schnupperstunden belegen. Zurzeit haben wir übrigens sonntags und montags kostenlose Schnupperstunden. Da kann man dann einfach ohne Stress ausprobieren, ob einem das Golfen überhaupt liegt. Treffe ich den Ball? Macht es mir Spaß? Wenn man das für sich geklärt hat, kann man die Platzreife erlangen, also praktisch den Führerschein fürs Golfen. Das kann man entweder alleine oder in der Gruppe machen und geschieht in den folgenden Wochen - abhängig davon, wie gut man ist und wie viel Zeit man hat. Man muss vor allem das Putten und das Kurzspiel üben, da ist die Technik nicht so entscheidend wie das Ballgefühl. Das muss man im Gefühl haben. Jemand, der noch jung ist und schon viel Sport in seinem Leben gemacht hat, wird Golf schneller erlernen, als jemand, der schon älter ist und nie Sport getrieben hat.

Muss man eine jährliche Mindeststundenzahl vorweisen, wenn man die Platzreife einmal hat?

Thomas Nein. Einmal Platzreife, immer Platzreife. Aber je länger man pausiert, umso weniger geübt ist man und sollte dann vielleicht einen Auffrischkursus machen.

Was ist schwieriger: Abschlag oder Putten?

Thomas Eindeutig das Abschlagen. Denn beim Putten ist die Bewegung viel kleiner, so dass man durchs Üben schneller soweit ist, den Ball so zu treffen, wie man das möchte. Nach etwa einer Stunde hat man ein Gefühl für die Länge eines Schlags. Da hat man relativ schnell erste Erfolgserlebnisse - und vielleicht auch bereits ein paar Mal eingelocht. Anders ist das beim Abschlag. Da muss man den Ball mit dem längsten Schläger und jeder Menge Schwung richtig treffen. Dazu hat man die Erwartung, dass der Ball möglichst weit fliegen soll. Das ist schwierig und braucht viel Technik.

Welche Aufgaben haben Sie auf dem Golfplatz Dreibäumen?

Thomas Ich vertrete die Interessen der Firma Dohrmann Golfplatz AG gegenüber dem Golfclub Dreibäumen. Ich bin das Bindeglied zwischen Betreiber und Golfclub und Ansprechpartner für alles.

Könnten in Dreibäumen internationale Turniere gespielt werden?

Thomas Eher nationale Amateurturniere. Für internationale Pro-Turniere ist er nicht schwer genug, auch die Infrastruktur gibt es nicht her.

Gibt es "Golf-Touristen"? Also Sportler, die möglichst viele Plätze bespielt haben wollen?

Thomas Ja, das nennt man "Green-Fee-Spieler". Wer bei uns Mitglied wird, bekommt einen Golfausweis. Damit kann man weltweit auf jedem Golfplatz gegen eine Gebühr, die sogenannte Green Fee, spielen. Zumindest dann, wenn man die Voraussetzungen des jeweiligen Vereins erfüllt - der Club bestimmt letztlich, welche Gäste er auf seiner Anlage haben möchte.

Auf wie vielen Golfplätzen waren Sie schon?

Thomas Ich habe schon weit über 400 Plätze bespielt. Ich spiele auch im Urlaub möglichst immer auf neuen Plätzen. Denn ich liebe das Spiel.

Welcher ist für Sie persönlich der schönste Golfplatz der Welt?

Thomas Abgesehen von Dreibäumen sind das zwei Plätze in Schottland: Kingsbarns und Turnberry. In Turnberry wird das größte Major-Turnier, "The Open", gespielt. Da zu spielen war für mich ein Kindheitstraum. Der Platz liegt genau wie Kingsbarns direkt am Wasser. Das ist wirklich etwas Besonderes.

Verfolgen Sie die großen Golfturniere?

Thomas Ja, ich verfolge das über Sky. Meine Lieblingsturniere sind die vier Major-Turniere: US Open, US PGA, The Open und die US Masters.

Wie viel spielen Sie denn selbst noch Golf?

Thomas Seit vielen Jahren spiele ich mit zwei Freunden immer Dienstagabend neun Löcher. Und am Wochenende spiele ich gerne mit meiner Frau, wenn wir beide Zeit haben, vor allem natürlich im Urlaub.

DAS INTERVIEW FÜHRTE WOLFGANG WEITZDÖRFER

Quelle: RP
 
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