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Hückeswagen
IG Wiebachtal kritisiert erneute Abholzung

Hückeswagen: IG Wiebachtal kritisiert erneute Abholzung
Im Wiebachtal wird wieder eifrig Forstwirtschaft betrieben und Bäume gefällt. Das kritisiert die IG Wiebach, obwohl das Areal in Privatbesitz ist, mithin die Behörden keinen Einfluss darauf haben. FOTO: sabine fuchs
Hückeswagen. Im Rader Naturschutzgebiet röhren wieder die Forstmaschinen. Da es sich um Privatgelände handelt, ist der Einschlag aber das gute Recht des Besitzers. Stadt, Kreis und Forstbehörde sind machtlos. Die IG fordert dennoch eine Kontrolle. Von Joachim Rüttgen

Die Interessengemeinschaft (IG) Wiebachtal kämpft weiter für den Erhalt des Rader Naturschutzgebietes an der Stadtgrenze zu Hückeswagen. Das ist der Vorsitzenden Sabine Fuchs wichtig, "weil fast zwei Jahre nach dem letzten großen Einschlag im Wiebachtal seit einigen Tagen mit Beginn der Frostperiode vom frühen Morgen bis zum Einbruch der Dunkelheit wieder das Röhren der Forstmaschinen zu hören ist", teilte sie gestern mit und verweist in diesem Zusammenhang auf die Historie im Wiebachtal.

Mit dem Verkauf des ehemaligen Staatsforstes Wiebachtal 2007 an einen Holzgroßhändler, seien in mehreren großen Zügen schlagreife Fichten am Wahler Berg und am Platten Kopp geerntet worden. "Nachdem der Platte Kopp mittlerweile nahezu fichtenrein ist, wird in diesen Tagen in großem Stil Buche eingeschlagen und mit großen Ernte- und Transportmaschinen gefällt und geborgen", berichtet Sabine Fuchs. "Die Rückeschäden auch in den unter Naturschutz stehenden Bereichen sind gewaltig, und der Einschlag wird erheblich größer, als wir noch vor wenigen Tagen dachten", berichtet die Vorsitzende weiter. Und die Arbeiten seien noch lange nicht beendet.

Obwohl durch das von den Forstarbeiten betroffene Areal Wirtschafts- und Wanderwege führen, werde nirgendwo auf die Baumfällungen hingewiesen, es gebe weder Hinweisschilder noch Flatterbänder. "Hier hätten Warnschilder auf die Baumfällungen hinweisen sollen", kritisiert Fuchs.

Viel gravierender für die Interessengemeinschaft, die sich seit sieben Jahren für den Erhalt des Wiebachtals einsetzt, ist jedoch, dass diesmal 50-jährige Buchen eingeschlagen werden, die noch mindestens 20 bis 40 Jahre bis zur Ernte hätte stehen bleiben können. Diese extrem starke Durchforstung sei unnötig und weder unter ökonomischen, noch unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll, bemängelt Fuchs. Hier würde wieder einmal die Naturschutzverordnung bis zum Äußersten strapaziert. In einigen besonders intensiv bearbeiten Bereichen sei zu befürchten, dass in den nächsten Jahren auch durch Sturmschäden keine Buche mehr stehen bleibe. "Jeder Einschlag der vergangenen Jahre erfolgte unter dem rechtlichen Deckmantel der 'guten fachlichen Praxis', einem Begriff, der alles erlaubt und kaum Einschränkungen bei der forstlichen Nutzung auferlegt. Wir befürchten, dass andere Waldbesitzer hier nachziehen und erst dann wieder Ruhe im Wiebachtal einkehren wird, wenn von dem bekannten Erscheinungsbild nicht mehr viel übrig ist", sagt Sabine Fuchs.

Beim Verkauf des Wiebachtals seien damals mehrere Dinge verknüpft worden, die unvereinbar seien: "Die damalige Landesregierung hat das Wiebachtal mit seinen Waldflächen einerseits zum Naturschutzgebiet erklärt, gleichzeitig aber eine holzwirtschaftliche Nutzung sowie den Einsatz großer Maschinen erlaubt. Im gleichen Atemzug hat dieselbe Landesregierung den bis dahin im Landesbesitz stehenden Wald im Wiebachtal an einen Holzhändler verkauft", berichtet Sabine Fuchs. Auch das Landesforstgesetz verpflichte Waldbesitzer zu nachhaltiger Forstwirtschaft, damit die biologische Vielfalt, die Produktivität, die Verjüngungsfähigkeit, die Vitalität von Waldflächen gegenwärtig und in Zukunft erhalten bleibe und anderen Ökosystemen kein Schaden zugefügt werde.

"Da es sich bei dem Areal aber um einen Privatbesitz handelt, sind Stadt, Kreis und Forstbehörde die Hände gebunden, und die Beteiligten stehen dem Treiben machtlos gegenüber. Da hier wiederholt die Auflagen der Naturschutzverordnung missachtet werden und die Forst- und Rückeschäden ein unerträgliches Ausmaß angenommen haben, bleibt nichts anderes übrig, als den Begriff der 'guten fachlichen Praxis', rechtlich und politisch prüfen zu lassen", kündigt Fuchs an.

Quelle: RP
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