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Serie Ross und Reiter
Im Einsatz für die Gesundheit der Pferde

Serie Ross und Reiter: Im Einsatz für die Gesundheit der Pferde
Beim Belastungstest untersucht Dr. Stephan Paufler auch, ob das Pferd ein sogenannter Kehlkopfpfeifer ist, das heißt, ob das Tier unter einer Lähmung des Stimmbandes leidet, was zur Verengung der Luftröhre und geringerer Leistungsbereitschaft des Pferdes führt. FOTO: Schütz
Hückeswagen. Seit 30 Jahren ist der Hückeswagener Dr. Stephan Paufler als Tierarzt tätig. Seine liebsten Tiere sind Pferde. Deren Impfung und Kaufuntersuchungen sind Routine. Doch auch Notschlachtungen und Einschläferungen gehören zum Beruf dazu. Von Beate Wyglenda

Sobald Dr. Stephan Paufler (57) sein Stethoskop herausholt, wird es unweigerlich still im Reitstall des Reit- und Fahrvereins Halver. Dabei herrschte bis eben noch eine rege Unterhaltung. Amüsiert plauderten Besitzer und Trainerin über den zu begutachtenden Wallach Tyler B., man sprach über Entwicklungen, Erfolge und Charaktereigenschaften des Pferdes.

Kaum aber, dass der Hückeswagener Veterinär zu seinem Diagnosewerkzeug greift, ist plötzlich kein Pieps mehr in der Halle zu hören. Als versuchten die Zuschauer von den Rängen aus, das Pochen des Herzens zu vernehmen, das in der Brust des fünfjährigen Oldenburgers nach seinen Galopp-Runden hämmert. Ist es gleichmäßig und auch nicht zu hastig? Gespanntes Warten auf Pauflers Antwort.

Zugegeben: Leben oder Tod hängt diesmal nicht von dem Befund ab. Dafür aber eine Menge Geld. Denn heute steht für Tyler B. die große Ankaufuntersuchung (AKU) an. Ein Käufer hat Interesse an dem Oldenburger bekundet. Und nun soll der Veterinär überprüfen, ob Tyler B. stark genug und kerngesund ist. Routine für den Hückeswagener Tierarzt. Die Untersuchung verläuft nach einem bestimmten Muster.

Bereits untersucht hat Paufler die Bewegung des Pferdes, in allen drei Gangarten, Schritt, Trab und Galopp. Geachtet wurde dabei auf eventuell bestehende Lahmheiten und Gang-Anomalien. "Also, ob das Tier stolpert, den Kopf wild schüttelt oder es Stellungsfehler der Gliedmaßen gibt", erklärt Paufler.

Zur Untersuchung des Bewegungsapparats führt Trainerin Tanja Fier den Wallach Tyler B. im Schritt, Trab und Galopp am Tierarzt vorbei. FOTO: Schütz

Auch die Gelenke des Pferdes wurden gesondert geprüft. Hierfür hat der Tierarzt jedes Bein des fünfjährigen Wallachs für etwa eine Minute angehoben und gebeugt, bevor Tyler B. auf hartem Boden antraben musste. "Bisher alles Obb", hieß es dabei zur Freude der Halter. Obb bedeutet "ohne besonderen Befund", umgangssprachlich also "alles in Ordnung".

Doch auch beim Belastungstest hieß es für Tyler B. erst einmal Gas geben, um dessen Herz-Kreislauf- und Atmungssystem vor und nach der Bewegung zu prüfen. Rund zehn Minuten lief das Pferd dafür an der Longe im Reitstall - dann der Griff zum Stethoskop. "Das ist ja super", sagt der Tierarzt mit beeindruckter Mine. "Der Konditionszustand scheint sehr gut zu sein."

Erleichterung ist im Reitstall zu spüren. Von Trainerin Tanja Frier gibt es für Tyler B. ein paar Streicheleinheiten. "Dafür machen wir ja auch zweimal die Woche Galopptraining", sagt sie. Neben Ausdauertraining und gymnastischen Übungen gehören dazu auch gezielte Ruhephasen.

Mit einer Röntgenuntersuchung der Beine und des Rückens schließt Paufler die rund dreistündige AKU ab. Die Endergebnisse werden nicht öffentlich genannt. "Denn auch bei Tieren gilt eine ärztliche Schweigepflicht", sagt der Hückeswagener Tierarzt. Und längst nicht immer läuft alles nach Routine.

Erst eine Woche zuvor wurde der Veterinär zu einem Notfall gerufen, bei dem das Pferd nicht mehr zu retten war. "Als ich ankam, lag das Pferd bereits auf der Seite und bekam keine Luft", erzählt Paufler. "Als ich einen Tubus einführte, konnte es wieder atmen, doch es war bereits komatös." Vermutlich durch einen Schlaganfall erlitt das 30 Jahre alte Tier eine Lähmung der Luftröhre. Paufler kämpfte eineinhalb Stunden lang um das Überleben des Pferdes. "Doch immer, wenn ich den Tubus herausholte, bekam das Tier wieder keine Luft, und das nach so intensiver Therapie", erzählt Paufler mitfühlend. "Es blieb nur noch als einziger Weg, das Tier zu erlösen."

Leider sei das Einschläfern manchmal die einzige Lösung, ergänzt der Veterinär. Kalt ließen ihn diese Fälle aber nie. "So etwas nimmt einen immer etwas mit. Es gibt Kollegen, die sagen, das gibt sich mit dem Alter, ich kann das allerdings nicht bestätigen", sagt er. Und doch gehörten Einschläferungen und Notschlachtungen, bei denen ein Tierarzt anwesend sein muss, zu diesem Beruf eben dazu. "Man macht dies ja nicht aus Spaß, sondern weil das Tier wirklich leidet", betont Paufler.

Letztlich ist es mehr Berufung denn Beruf, was den 57-Jährigen täglich aufstehen lässt. Seit 30 Jahren ist Paufler als Tierarzt tätig. 1994 hat er mit Dr. Markus Brendler die Tierarztpraxis in Hückeswagen eröffnet. Behandelt werden verschiedene Tiere, von kleinen Mäuschen bis zu echten Rindviechern. Seine Favoriten sind Pferde, sagt Paufler.

Denn schon seine Eltern - der Vater war ebenfalls Tierarzt - haben Pferde gezüchtet. Und so sind es auch für ihn die schönsten Erlebnisse im Job, wenn er ein gesundes Fohlen zur Welt bringen konnte. Wie viele Fohlen es waren, kann der Hückeswagener nicht mehr sagen. Fest steht aber, dass es jedes Mal etwas Besonderes war. Denn auch bei der Niederkunft wird der Tierarzt meist nur gerufen, wenn die Geburt eben nicht natürlich verläuft.

Quelle: RP
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