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Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Hückeswagen
Im Island in die Schusslinie geraten

Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Hückeswagen: Im Island in die Schusslinie geraten
Die Tankstelle der Familie Wüstenhagen an der Peterstraße. Hier kamen die Amerikaner am 14. April 1945 mit als Erstes vorbei, als sie in Hückeswagen einrückten. Die Soldaten durchsuchten auch das Haus der Familie. FOTO: privat
Hückeswagen. Marga Schmidt ist eine Zeitzeugin der Geschehnisse vor 70 Jahren, als der Zweite Weltkrieg für die Hückeswagener zu Ende ging. Die 89-Jährige erinnert sich an den 13./14. April 1945, als die ersten amerikanischen Soldaten in die Stadt marschierten. Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen Der Tag, an dem die amerikanischen Soldaten in Hückeswagen einmarschierten und damit das Ende des Zweiten Weltkriegs in die Schloss-Stadt brachten, wird Marga Schmidt niemals vergessen. Die 89-jährige Hückeswagenerin, die inzwischen bei der Familie ihrer Tochter in Wipperfürth lebt, erzählt mit ruhiger Stimme von einem höchst turbulenten Tag, den sie selbst auch als den wohl aufregendsten in ihrem Leben bezeichnet.

Es war der 14. April 1945, die junge Marga Wüstenhagen war damals 19 Jahre alt und hatte erst vor kurzem ihren zukünftigen Mann Martin Schmidt kennengelernt, der in einer Sanitätskompanie in Hückeswagen stationiert war und unter anderem den Russland-Feldzug miterleben musste. Sie lebte mit ihren beiden jüngeren Brüdern Hans-Werner und Kurt sowie dem Großvater und ihren Eltern an der Peterstraße. Vater Wüstenhagen betrieb die damals erste und einzige Tankstelle in der Schloss-Stadt, gleich in der Nähe der Firma Klingelnberg.

"Der Vater musste aber auch an die Front", blickt Marga Schmidt zurück. "Wir waren damals sehr traurig, dass er an Weihnachten nicht bei uns sein konnte. Also haben wir ihm extra ein Familienfoto an die Front geschickt." Später konnte die Mutter ihren Mann jedoch vom Frontdienst befreien, weil er schließlich die Tankstelle bedienen musste.

Marga Schmidt, geborene Wüstenhagen als junge Frau.

Vater und Ehemann in spe überlebten den Krieg unversehrt. Nicht nur deswegen sagt die 89-Jährige immer wieder: "Wir haben sehr, sehr viel Glück gehabt, auch wenn die Nazi-Zeit so fürchterlich und nach dem Krieg alles kaputt war."

An jenem 14. April, an dem die Amerikaner in Hückeswagen ein- und die Islandstraße hochmarschierten, besuchte die 19-jährige Marga gerade eine Tante im Bereich der Kölner Straße. "Irgendwann gegen Mittag bin ich mit dem Fahrrad nach Hause gefahren - und im Island in die Schusslinie der Amis geraten", erzählt sie. Mit dem Abstand von 70 Jahren Abstand kann sie darüber schmunzeln, doch damals war die Situation brandgefährlich. "Sie haben auf mein Fahrrad geschossen. Ich bin aber nicht verletzt worden, sondern habe mich schnell versteckt. Weiter wollten sie nichts, ich hatte den Eindruck, die hatten es auf das Rad abgesehen", erinnert sich die Hückeswagenerin. Auf Umwegen lief die junge Frau so schnell wie möglich zu Fuß nach Hause.

Die Schrecken waren aber noch nicht vorbei. "Am Abend hielten wir uns in unserem Keller auf, die Amerikaner kamen ja von Hämmern her nach Hückeswagen, marschierten also an der Tankstelle vorbei. Wir konnten aus der Entfernung Schüsse hören, alles war furchtbar aufregend", erinnert sich Marga Schmidt.

Nach der Übergabe der Stadt am Morgen des 14. April 1945 herrschte zunächst bei den Einwohnern in Hückeswagen die Angst vor - man wusste ja nicht, was nun passieren würde. Auch an der Peterstraße, bei Marga Schmidt und ihrer Familie: "Plötzlich hörten wir laute Schüsse auf unsere Haustüre. Mein Vater war gerade erst nach oben gegangen, wir hatten Angst." Als sie sich in den Hausflur begaben, sahen sie einen amerikanischen Soldaten mit der Waffe im Anschlag. "Er bedeutete uns, nach oben in die Wohnung zu gehen, die er dann durchsuchte. Zum Glück war alles in Ordnung, nur unser Vater war verschwunden", sagt Marga Schmidt. "Wie sich am nächsten Tag herausstellte, war er durch die Hintertür geflüchtet und schließlich im Luftschutzbunker Neue Welt im Felsenkeller gelandet. Ihm war nichts passiert."

Auf diese Weise nahm die grauenvolle Zeit des Zweiten Weltkriegs für Marga Wüstenhagen und ihre Familie ein glimpfliches, mithin erinnerungswürdiges Ende.

Quelle: RP
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