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Hückeswagen
Immer weniger Kinder im Jugendzentrum

Hückeswagen: Immer weniger Kinder im Jugendzentrum
Bei der Kinderbetreuung in der Vorweihnachtszeit nutzten viele jüngere Kinder das Angebot des Jugendzentrums, den normalen Öffnungszeiten bleiben die Kinder bis zwölf Jahre jedoch immer häufiger fern. FOTO: Hertgen (Archiv)
Hückeswagen. Immer mehr junge Flüchtlinge bis 30 Jahre sehen das Jugendzentrum als ihren Treffpunkt in der Stadt. Dadurch hat sich die Altersstruktur der Besucher verändert. Viele Kinder nutzen die Angebote im Brunsbachtal nicht mehr. Von Brigitte Neuschäfer

Die nackten Zahlen klingen zunächst einmal gut: Fast 6000 Besucher meldet das Jugendzentrum (JuZe) für das zurückliegende Jahr. Das sind deutlich mehr als in den Vorjahren und auch mehr als für 2015 eingeplant waren. Ausgegangen war Stadtjugendpflegerin Andrea Poranzke als Leiterin der Einrichtung ursprünglich von nur 4400 Besuchern. Was sie und ihr Team bei ihren Planungen für 2015 nicht hatten einkalkulieren können, war die große Zahl an Flüchtlingen, die im Vorjahr nach Hückeswagen kamen. Unter ihnen sind viele junge Leute - und die nutzen das Jugendzentrum inzwischen zunehmend als Treffpunkt.

Im Sozialausschuss stellten Andrea Poranzke und ihr Mitarbeiter Mario Moritz am Dienstagabend die aktuellen Zahlen vor. Und sie zeigten die darin steckende Problematik auf. Der Kernpunkt: Die Flüchtlinge, die das Jugendzentrum mittlerweile regelmäßig besuchen, sind ausschließlich ältere Jugendliche, Heranwachsende und auch junge Erwachsene bis zum Alter von rund 30 Jahren. Damit sind sie einem Jugendzentrum eigentlich längst entwachsen. Sie kommen dennoch, weil es ihnen an anderen Treffpunkten in der Schloss-Stadt mangelt und sie ohne Anrecht auf Arbeit Freizeit im Überfluss haben, ohne sie sinnvoll nutzen zu können.

Gleichzeitig bleiben zunehmend die Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren dem JuZe fern. Das liegt aus Sicht von Andrea Poranzke vorrangig an der geänderten Altersstruktur der Besucher und nicht so sehr daran, dass die neuen Besucher eben Flüchtlinge sind und deshalb auch wegen mangelnder Sprachkenntnisse als Fremde empfunden werden. Die Kinder können mit den jungen Erwachsenen schlicht nichts anfangen - und umgekehrt.

Hinzu kommt noch der Zulauf von Hückeswagener Jugendlichen und Heranwachsenden "mit unterschiedlichen Problemstellungen", wie Mitarbeiter Mario Moritz es nannte. Um sie habe sich früher vorrangig der Streetworker gekümmert, doch dessen Stelle ist seit Mitte Oktober nicht mehr besetzt, eine Neubesetzung auch nach der zweiten Ausschreibung noch nicht in Sicht. "Das und die jungen Flüchtlinge lastet uns als Mitarbeiter-Team aktuell stark aus", sagte Moritz.

Versucht wird, mit speziellen Angeboten für Kinder einer weiteren Veränderung der Altersstruktur und damit auch der pädagogischen Arbeit im Jugendzentrum gegenzusteuern. Das gelingt bedingt. Andrea Poranzke: "Wenn wir gezielt Projekte für Kinder anbieten, kommen die Kleinen auch." Das Personal sei bereits verstärkt worden, um den unterschiedlichen Herausforderungen gewachsen zu sein.

Die Stadtjugendpflegerin blickt dennoch mit Optimismus in die Zukunft, wie ihr Fazit im Sozialausschuss zeigte: "Wir sind da stark gefordert, und es ist ein Kraftakt. Wir müssen uns umstellen in der Arbeit - aber das schaffen wir." Bürgermeister Dietmar Persian sieht es ebenso, wie er unterstrich: "Wir wollen die Integration. Sie kann aber nur gelingen, wenn auch die Einheimischen sich einbinden lassen. Da kommt noch einiges auf uns zu - aber wir müssen uns deswegen nicht Bange machen lassen."

Quelle: RP
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