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Hückeswagen
In Freud und Leid zusammengestanden

Hückeswagen: In Freud und Leid zusammengestanden
Haben viel durchgemacht und sind den Kriegswirren entflohen: Marie-Luise und Friedel Schmitz feiern Diamantene Hochzeit - wie bei der Verlobung 1953 und bei der Hochzeit 1955 im altbergischen Schieferhaus hinter der Wupperbrücke. FOTO: moll
Hückeswagen. Marie-Luise und Friedel Schmitz sagten vor 60 Jahren "Ja" zueinander. Bevor sich beide 1950 im Gemeindechor an der Lindenbergstraße kennenlernten, hatte die damals 18-Jährige viele Schrecken der Kriegszeit hinter sich gebracht. Von Franz Mostert

Am 17. September 1955 haben Marie-Luise Liss aus Steinkendorf, Kreis Lyck/Ostpreußen, und der Hückeswagener Friedel Schmitz geheiratet. Den Segen dazu gab der damalige Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde, Willi Burghoff. "Das war vor 60 Jahren", sagt der 84-jährige Diamantjubilar, "und Kinder, wie die Zeit vergeht!" Seine um ein Jahr jüngere Ehefrau ordnet die Überwindung persönlich durchlebter schwerer Zeiten und miteinander verbrachter guter Erlebnisse gern als "Gnade" und manchmal als "Wunder" ein.

Bevor sich die beiden 1950 im Gemeindechor an der Lindenbergstraße kennenlernten, hatte die damals 18-Jährige ein gerüttelt Maß an Schrecken der Kriegs- und Nachkriegszeit hinter sich. Zunächst mussten die sieben Liss-Geschwister mit ihren Eltern die Heimat in Richtung ostpreußisches Rotwalde verlassen. Vom bäuerlichen Anwesen aus begannen im Januar 1945 Flucht und Vertreibung. "An die furchtbaren Szenen möchte ich mich gar nicht mehr erinnern", resümiert Marie-Luise Schmitz. "Dass wir in all dem Elend zusammenbleiben konnten, ja, das war ein Wunder, verglichen mit dem Schicksal der meisten anderen Ostpreußen!"

Die nächste Station hieß Katzenow in Mecklenburg. Aus der damaligen sowjetischen Zone entkommen, war Ahnsen in Niedersachsen Zwischenstation. Die Geschwister hatten bereits Hückeswagen erreicht. Marie-Luise Liss zog nach und wurde im Haushalt von Dr. Hiddemann an der Bachstraße angestellt. "Da kehrte Ruhe ein", sagt sie dankbar - und dann kam es auch zum ersten Zusammentreffen mit Friedel Schmitz. Der Name "Schmitz an der Brücke" steht für alteingesessenen Einzelhandel. "Hier an der 'Brücke 2' wohnen wir auch in all den Jahren gemeinsam im elterlichen Haus" sagt Friedel Schmitz.

"Als 1967 das Geschäft aufgegeben worden war", erinnert er sich, "da musste ich beruflich umdisponieren". Nach kurzen "Zwischenstufen" kam er zum Finanzamt, zunächst nach Remscheid, dann nach Lennep. Er avancierte schließlich noch nach der anfänglichen kaufmännischen Zeit auf der Beamtenlaufbahn bis zum "Finanz-Inspektor". Seit 1994 ist Friedel Schmitz pensionsberechtigt. Seine Gattin freut sich: "Jetzt hat er Zeit zum Fotografieren, Filmen und Lesen." Beiden Diamant-Jubilaren muss man nach vielem Erzählen ein gutes Erinnerungsvermögen bescheinigen. Wenn sie auf die Wohnzimmerwand mit den Fotografien der Familien ihrer Tochter und ihres Sohnes blicken, dann schwärmen sie: "Fünf männliche Enkel und bereits vier Urenkel." "Wenn das kein Grund zum Dankesagen ist, was dann?", fragen zwei, die seit 60 Jahren, wie es im Eheversprechen manifestiert ist, "in Freud' und Leid" zusammengestanden haben. Und: "Bei Schmitz an der Brücke" ist der Stammbaum gesichert.

Gefeiert wird, wie bei der Verlobung 1953 und bei der Hochzeit 1955 auch jetzt im altbergischen Schieferhaus hinter der Wupperbrücke. Auf die steile Treppe in den ersten Stock hinauf angesprochen sagen sie: "Auf unserer Wunschliste steht ein Treppen-Lift. Mal sehen!"

Quelle: RP
 
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