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Hückeswagen
Irritation um Lebensmittel bei Islandtafel

Hückeswagen: Irritation um Lebensmittel bei Islandtafel
Supermärkten sortieren aus optischen Gründen oder weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist Lebensmittel aus. Die Initiative Foodsharing kümmert sich darum, dass diese Lebensmittel nicht weggeworfen werden. FOTO: Matzerath (archiv)
Hückeswagen. Die Islandtafel erhält seit geraumer Zeit deutlich weniger Lebensmittespenden vom Rewe-Markt. Die Vorstand glaubt, dass die neue Foodsharing-Gruppe verantwortlich dafür ist. Tatsächlich liegt's aber an den veränderten marktinternen Prozessen. Von Stephan Büllesbach

Die Gäste der Islandtafel sind enttäuscht. Seit einiger Zeit bekommen sie immer weniger Lebensmittel mit auf den Heimweg, wenn sie in der Suppenküche an der Bachstraße eine warme Mahlzeit erhalten haben. Die ehrenamtlichen Helfer der Islandtafel reichen die Lebensmittelspenden, die sie von hiesigen Märkten, Tankstellen sowie einer Bäckerei bekommen und für das Mittagessen nicht verarbeiten, an die Bedürftigen weiter. Schließlich hat die Suppenküche nur zweimal in der Woche - dienstags und donnerstags - geöffnet.

Manfred Herzmann, der lange Zeit die Lebensmittel an den beiden Tagen morgens abholte, das aus Krankheitsgründen derzeit aber nicht übernehmen kann, vermutet die im Februar 2017 gegründete Initiative Foodsharing dahinter. Er berichtete gestern, dass die gespendeten Lebensmittel des Rewe-Markts um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen seien. Zudem habe er am Dienstagmorgen zwei Wagen der "Lebensmittelretter" an dem Supermarkt gesehen, die mit Lebensmitteln, die nicht mehr verkauft werden können (siehe Info-Kasten), beladen worden seien.

"Zur Tafel kommen etwa sozial Schwache, Hartz-4-Empfänger, Arbeitslose, teilweise Suchtkranke und Flüchtlinge", berichtete Herzmann. Jetzt fehle es den Helfern der Islandtafel ganz einfach an wirtschaftlichen Zuwendungen. Herzmann: "Im letzten Jahr teils gespendete Kühlschränke bleiben leer, der Mittagstisch muss immer mehr von der Tafel finanziert werden." Und Christa Schmitz, die zweite Vorsitzende, sagte auf Anfrage unserer Redaktion: "Wir wissen, dass wir keine Ansprüche stellen können." Aber die Islandtafel sei nun mal auf solche Spenden angewiesen.

Die Hückeswagener Mitstreiter der Initiative Foodsharing haben eines im Sinn: "Wir möchten, dass keine Lebensmittel weggeworfen werden", unterstrich Nicole Weier-Berger im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie stellte klar, "dass wir der Islandtafel nichts wegnehmen". Der Supermarkt würde Obst und Gemüse für die Islandtafel gesondert herauslegen, den Rest würden die "Lebensmittelretter" abholen. Darunter seien auch schonmal Lebensmittel, die Menschen nicht mehr essen. "Die geben wir dann an Tierhalter weiter", sagte die Hückeswagenerin. Aus allem, was die Initiative Foodsharing sammelt, kann sich jeder - ob bedürftig oder nicht - etwas aussuchen und kostenfrei mit nach Hause nehmen.

Dass die Islandtafel momentan weniger Lebensmittel vom Rewe-Markt erhält, hat offenbar zwei Gründe, wie die Sprecherin von Rewe Dortmund, Julia Hertin, auf Anfrage berichtete. Zum einen habe die Marktleitung gewechselt, zum anderen habe es aus organisatorischen Gründen marktinterne Prozessveränderungen gegeben. "Nach Rücksprache mit der Zentrale von Rewe-Kaufpark in Hagen ist es so, dass die Marktleitung mit der Islandtafel andere Abholtermine vereinbaren wollte", sagte sie. Auch seien die Prozesse so verändert worden, dass weniger Produkte weggegeben würden. "Der Marktleiter will jetzt aber mit der Islandtafel in Kontakt treten", sagte die Rewe-Sprecherin.

Christa Schmitz zeigte sich derweil durchaus an einer Zusammenarbeit mit den "Lebensmittelrettern" interessiert. Die wieder hatten im vorigen Jahr laut Nicole Weier-Berger sogar Kontakt mit der Islandtafel aufgenommen: "Ein Foodsaver war dort und hat gefragt, ob wir sie mit Lebensmitteln beliefern können." Er habe aber eine Absage erhalten. Eine neuerliche Kontaktaufnahme seitens der Initiative Foodsharing "steht ohnehin auf unserem Plan", sagte Nicole Weier-Berger. Vielleicht kommen beide Seiten doch noch zusammen.

Quelle: RP
 
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