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Hückeswagen
Johannesstift erweitert die Tagespflege

Hückeswagen: Johannesstift erweitert die Tagespflege
Gabriele Kamberg leitet seit der Eröffnung im März 2015 die Tagespflege im Johannesstift. Sie ist schon sehr gespannt auf die neuen Räume, in denen bis Februar aber noch einiges getan werden muss. Diese Woche soll die neue Küche geliefert werden. FOTO: jürgen moll
Hückeswagen. Der Bedarf ist riesig, die Warteliste lang: Die Rheinische Gesellschaft für Innere Mission und Hilfswerk investiert etwa 80.000 Euro in eine größere Tagespflege. Ab Februar 2018 soll es dann statt 13 künftig 21 Plätze in der Einrichtung geben. Von Joachim Rüttgen

Zeitungsrunde in der Tagespflege im Johannesstift. Gespannt sitzen sechs bis acht ältere Damen und Herren gemütlich am Tisch und lassen sich aus der Tageszeitung vorlesen. Sie alle kommen um 8 Uhr und werden ab 16 Uhr abgeholt oder nach Hause gefahren. Über 13 Plätze verfügt das Johannesstift seit der Eröffnung der Tagespflege im März 2015. Viel zu wenig, wie sich bereits nach einem Jahr herausstellte. "Da waren schon alle Plätze belegt, die Warteliste ist lang", sagt Leiterin Gabriele Kamberg. Deshalb entschied sich die Rheinische Gesellschaft für Innere Mission und Hilfswerk als Träger, die Tagespflege um acht Plätze auf 21 zu erweitern. "Die Kosten von 80.000 Euro sind gut investiertes Geld, denn der Bedarf ist wirklich riesig", sagt der Leiter des Johannesstifts, Matthias Rath.

Seit Ende September laufen die Arbeiten auf der gleichen Etage schräg gegenüber. Dort sollten die Räume vermietet werden, was sich nicht realisieren ließ. Damit der wertvolle Raum nicht nur Abstellkammer bleibt, entsteht dort eine Tagespflege mit neuem Wohnkonzept. "Wir haben alle unnötigen Wände rausreißen lassen, um eine offene Tagespflege für unsere stark demenziell veränderten und unruhige Gäste zu schaffen", sagt Gabriele Kamberg. Das Personal sei in diesem Bereich immer zu sehen, was den Gästen mehr Geborgenheit und Sicherheit biete. In einem Snoezelen-Raum mit Sitzecke, Licht-Wasser-Säule und großem Doppelschaukelsessel erfahren die Gäste Ruhe, Entspannung und Wahrnehmung mit allen Sinnen auch durch Musik und Lichteffekte. Die neue Küche wird offen gestaltet mit gemeinsamem Essbereich, Ruhezonen mit kleiner Couch und Wohnwand.

Überwiegend Hückeswagener, aber auch Gäste aus Rade, Wermelskirchen und aus Wipperfürth nutzen die Tagespflege. "In Wipperfürth gibt es vier stationäre Einrichtungen, aber keine Tagespflege", sagt Gabriele Kamberg. Die 55-Jährige hat festgestellt, dass auch die neuen Plätze ab Februar fast alle vergeben sind.

Noch sind Arbeiten an den Wänden zu erledigen. FOTO: joachim rüttgen

Die Gäste können zwischen einem Tag und fünf Tagen kommen. Viele "schnuppern" auch zunächst nur mal rein. "Sie leben lange alleine zu Hause und müssen sich an den anderen Tagesablauf erst gewöhnen", sagt Gabriele Kamberg. Tagespflege sei interessant und schön, aber eben gerade zu Anfang für einige auch anstrengend.

Der Tag beginnt für alle mit einem gemeinsamen Frühstück, dann werden die Gäste in den regulären Ablauf mit eingebunden. Sie räumen den Tisch ab, nehmen an der Zeitungsrunde teil, bewegen sich bei einer Sitzgymnastik zu Musik oder mit Bällen, spielen, machen Gedächtnistraining, backen, feiern oder spazieren im Sinnesgarten, der von den Gästen der Tagespflege und Bewohnern des Johannesstifts gepflegt und bepflanzt wird.

"Zu 98 Prozent sind unsere Gäste dement, einige noch mobil, aber mit körperlichen Einschränkungen", sagt Gabriele Kamberg. Die Kosten für einen Aufenthalt sind überwiegend über die Pflegekassen gedeckt. "Hierfür wurde das Budget nochmals erhöht, so dass sich die Angehörigen das auch leisten können", berichtet die Leiterin.

Sie hält eine Tagespflege für ungemein wichtig, weil sie Angehörige entlastet und für die Gäste soziale Kontakte ermöglicht und Vereinsamung zuhause verhindert.

Quelle: RP
 
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