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Hückeswagen
Käufer weltweit einzigartig bei Windkraft

Hückeswagen: Käufer weltweit einzigartig bei Windkraft
Mit Hilfe einer Seilwinde und Stahlseilen, die in der Kabine festgemacht sind, kann die Gondel bis ans Rotorblatt hochgezogen werden. Die Bühne umschließt die Spitze, die von den Arbeitern in luftiger Höhe nun auf Schäden untersucht werden kann. FOTO: Fa. Käufer
Hückeswagen. Um etwa Dächer von Fußballstadien oder Einkaufszentren zu warten und zu reinigen, sind entsprechende Arbeitsbühnen erforderlich. Die baut Käufer in Mühlenberg. Bei Windkraftanlagen ist die Firma weltweit sogar einziger Anbieter. Von Stephan Büllesbach

Der neue Airbus A 380 ist mit seiner Flügelspannweite von bis zu 80 Metern ein Gigant - und doch wirkt er im Vergleich zu einer Windkraftanlage mit Rotoblättern, die 100 Meter und länger sind, wie ein Mini gegenüber einem Sattelschlepper. Auch Windräder müssen einmal gewartet werden. Korrosion und Blitzeinschläge sorgen in erster Linie für Schäden (die Rotospitzen drehen sich mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern in der Stunde). Doch wie in luftige Höhe gelangen? Da kommt das Unternehmer der Brüder Dirk und Werner Käufer ins Spiel.

Als Ende der 1990er Jahre der Boom der Windkraft begann, nahmen die Hückeswagener sich dieses Industriezweigs an - und stellen seither die entsprechende Befahr-technik her. Das sind Gondeln, wie man sie von Hochhäusern kennt, in denen Fensterputzer stehen (und die Käufer ebenfalls herstellt). In der Kabine des Windrads werden Stahlseile befestigt und durch zwei Löcher auf die Erde gelassen. Diese werden in Seilwinden, die an der Gondel festgemacht sind, eingehakt. Diese ziehen den Korb langsam nach oben, wobei zwei Räder an dem Windrad hochfahren. Diese wiederum sind mit langen Streben an der Gondel befestigt. Oben angekommen, können die Monteure die Rotorblätter dann auf Schäden untersuchen und reparieren.

So sieht's von unten aus, wenn die Befahrungsgondel bis an die Rotorspitze gefahren wurde. FOTO: Käufer Befahrenstechnik

Diese Technik ist vor allem wichtig bei Offshore-Anlagen. Denn auf hoher See ist die Inspektion, Wartung und Reparatur von Windrädern mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden. "Mit unserer kompakten Befahranlage K-BP-O im Offshore-Einsatz haben wir bereits namhafte Hersteller wie Areva und Senvion ausgestattet", sagt Geschäftsführer Dirk Käufer. Dank der hätten die Arbeiter die Möglichkeit, einzelne Rotorblätter der Offshore-Windkraftanlagen Stück für Stück sicher abzufahren.

2017 kann das Unternehmen, das in Mühlenberg nahe der Stadtgrenze zu Wipperfürth mit 50 Mitarbeitern produziert, auf sein 30-jähriges Bestehen blicken. Gefeiert werden wird aber wohl nicht, wie Käufer durchblicken lässt. Zu viel hat das Hückeswagener Unternehmen, das eine Jahresumsatz von sieben Millionen Euro hat, zu tun. "Die Aufträge reichen schon jetzt bis Mai", sagt der Geschäftsführer.

Neben den Befahranlagen für Windkraftanlagen stellt Käufer auch solche für Glasdächer und Fassaden sowie Motorhängegerüste und mobile Arbeitsbühnen her. Zu finden ist die Käufer-Befahrtechnik zum Beispiel in der Münchener Allianz-Arena, im Rheinenergie-Stadion Köln, am Centro in Oberhausen, am Flughafen von Dubai und am Mercury Tower in Moskau, mit 339 Metern Europas höchstes Gebäude. Aber auch ganz in der Nähe ist die Hückeswagener Technik zu finden - an der Wuppertaler Schwebebahn. Auch dort werden Instandsetzungswagen benötigt, in denen die Arbeiter des Nachts, wenn die Bahn im Depot ist, die Strecke abfahren und etwaige Schäden reparieren.

Den Windkraftanlagen aber will sich Käufer auch zukünftig verstärkt widmen, ist doch noch kein Ende des weltweiten Booms zu erkennen. Dirk Käufer rechnet damit, dass vor allem in Südafrika und Südamerika in absehbarer Zukunft viele Windräder aufgestellt werden. Auch nach Australien, Indien, Großbritannien und die USA beliefert das Unternehmen seine Kunden, dort hat es auch Servicepartner. Und so gesteht der Geschäftsführer: "Die Windkraft ist mein Steckenpferd."

Auch wenn es in Mühlenberg schon was eng geworden ist und Käufer im nahen Hämmern eine Halle angemietet hat, will die Geschäftsführung am Standort Hückeswagen festhalten. ",Made in Germany' ist immer noch ein Faustpfand", betont Dirk Käufer, der weitere Facharbeiter für den Betrieb sucht.

Quelle: RP
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