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Hückeswagen
Kammerer gibt Orgelkonzert zum Luther-Jahr

Hückeswagen. Der Titel "Dritter Teil der Clavierübung" des Orgelkonzerts am Sonntag in der Pauluskirche war für Laien der Kirchenmusik irreführend: Zum einen wurden die Lieder von Martin Luther in Bearbeitung von Johann Sebastian Bach nicht für Klavier, sondern für Orgel geschrieben, zum anderen ist das Werk wesentlich mehr als nur eine "Übung". Kirchenmusiker Stefan Kammerer, der aus den 27 Stücken der Sammlung einen breitgefächerten Ausschnitt spielte, klärte in einer kleinen Einführung auf: "Es ist Musik mit extrem viel Inhalt, aus der Sie aber auch extrem viel mitnehmen können." Mit "Clavier" sei in damaligen Zeiten jedes Tasteninstrument bezeichnet worden, so auch das Cembalo oder die Orgel. Von Heike Karsten

Die sechs Katechismuslieder von Martin Luther bilden die Grundlage des Werks, das wie ein Gottesdienst aufgebaut ist - vom einleitenden Präludium bis zur abschließenden Fuge. Bach hatte seinerzeit selbst die Noten in Spiegelschrift in eine Kupferplatte eingestochen. "Es gibt ganze Bücher zu diesem Werk", sagte Kammerer, der als Organist bei der Evangelischen Kirchengemeinde Wipperfürth angestellt ist.

Schon beim ersten Stück war für die etwa 80 Zuhörer in der Pauluskirche deutlich hörbar, welche spielerischen Fähigkeiten und Klangvielfalt das Programm mit sich bringen würde. Das Lied "Vater unser im Himmelreich" wurde fünfstimmig, teilweise im Kanon und mit Pedal geschrieben. "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" bot dazu noch eine Steigerung mit sechs Stimmen und Doppelpedal. Ein Hörerlebnis, das der Hückeswagener seinem Publikum trotz zusammenpappender Notenseiten nicht vorenthalten wollte.

Auch wenn Luther die beinhalteten sechs Gemeindelieder für all die Gläubigen geschrieben hatte, die seine Bibelübersetzung nicht lesen konnten, so sind die Melodien in der Bearbeitung von Bach zunächst wenig eingängig. Doch was zu Beginn des Konzerts noch ungewohnt klang, ergab im Laufe des Spiels ein Hörerlebnis für Liebhaber der Kirchenmusik.

"Ich habe das Konzert schon im März in Wipperfürth gehört, aber hier auf der Orgel der Pauluskirche hat es eine ganz andere Qualität", sagte Zuhörer Gerhard Jansen. Die Stahlhut-Orgel der Pauluskirche ist mehr als doppelt so groß wie die der Evangelischen Kirche am Markt in der Hansestadt. So war das Konzert in der sommerlichen Reihe "Musik in der offenen Kirche", die am Sonntag für dieses Jahr endete, auch gleichzeitig eine wunderbare Demonstration, welche Fähigkeiten und Registermöglichkeiten in dem Kircheninstrument stecken - nämlich weit mehr, als im sonntäglichen Gottesdienst zum Ausdruck kommt.

Quelle: RP
 
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