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Hückeswagen
Kein zweiter Fluchtweg - Ratssaal gesperrt

Hückeswagen: Kein zweiter Fluchtweg - Ratssaal gesperrt
Blick von der Eingangstür nahe des Trauzimmers in den Ratssaal: Hinten gibt es zwar eine Tür, die ist aber als Einstieg zu einem Rettungsweg nicht nutzbar. FOTO: Büllesbach
Hückeswagen. Nach einer Diskussion in der Ratssitzung, in der die Stadt aufgefordert wurde, für einen zweiten Fluchtweg im Ratssaal zu sorgen, hat diese gestern reagiert: Der große Sitzungssaal ist bis auf Weiteres für jegliche Nutzung gesperrt. Von Stephan Büllesbach und Brigitte Neuschäfer

Wenn es im Schloss einmal brennen sollte, könnte es gefährlich werden für alle, die sich dann gerade im großen Sitzungssaal aufhalten: Gibt es doch nur einen Weg, um aus dem Saal im ersten Stockwerk heraus und durch das Treppenhaus zum Turmeingang des Schlosses zu kommen und sich dann ins Freie zu retten. Brigitte Thiel (FaB) und Shirley Finster (Grüne) hatten das in der jüngsten Ratssitzung angesprochen (siehe unten stehenden Bericht). Verwiesen wurde im Rat darauf, doch die zweite Tür, die sich genau gegenüber dem Eingang befindet, zu öffnen. Dann, so die Argumentation der Politiker, könnten die Menschen im Brandfall durch das Heimatmuseum flüchten.

Das Problem: Die zweite "Tür" kann nicht aufgeschlossen werden und hat auch keinen Ausgang, denn dahinter befindet sich eine Mauer, die laut Bürgermeister Dietmar Persian womöglich in den 1960er Jahren beim Bau des Heimatmuseums entstanden ist. Das habe er auch in der Ratssitzung mitgeteilt, sagte Persian gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. "Ich bin seit Mitte der 70er Jahre bei der Schloss-Stadt beschäftigt und kann mich nicht erinnern, dass diese Tür jemals offen gewesen ist", betonte er. Auch ehemalige Kollegen könnten sich nicht an einen anderen Zustand der zweiten Tür im Ratssaal erinnern.

Weil es nun keinen zweiten Rettungsweg für den Ratssaal gibt, sah sich der Bürgermeister dazu gezwungen, die Nutzung des Sitzungssaales ab sofort zu untersagen: "Sitzungen können dort bis auf Weiteres nicht mehr stattfinden." Ratsausschüsse und sonstiger Gremien tagen daher ab sofort im multifunktionalen Sitzungssaal am Bahnhofsplatz ("Mufusisa"). Für die Ratssitzungen sei der Platz dort allerdings nicht ausreichend. "Dafür müssen andere Lösungen gefunden werden", sagte Torsten Kemper vom Ratsbüro. Möglich wäre eventuell der Musikraum der Realschule, in dem der Rat bereits im Februar 2015 getagt hatte, als das Haushaltssicherungskonzept beschlossen wurde.

Persian: "Natürlich war mir klar, dass die brandschutztechnische Situation im Schloss problematisch ist." Es handele sich um das älteste Gebäude der Stadt, und Fragen des Brandschutzes hätten bei den damaligen Bauherren nie eine Rolle gespielt. Fakt sei aber auch, dass Änderungen der Situation immer mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden seien.

"Die finanziellen Mittel der Schloss-Stadt sind begrenzt, und viele Gebäude hatten Nachholbedarf beim Brandschutz", betonte Persian. Das Hauptaugenmerk lag daher in den vorigen Jahren verstärkt auf dem Brandschutz an den Schulen und in der Mehrzweckhalle. Persian: "Beim Umbau der Erich-Kästner-Schule für 2,5 Millionen Euro waren sicher ein Drittel der Gesamtkosten für eine Verbesserung des Brandschutzes vorgesehen."

Dabei sei das Schloss keineswegs vernachlässigt worden. So sind beispielsweise Brandlasten aus dem Gebäude entfernt worden, und die oberste Etage wurde aus Sicherheitsgründen komplett geräumt. Früher hatte der Hausmeister dort eine Wohnung, später waren dort Büros untergebracht, in denen zum Beispiel Torsten Kemper gearbeitet hatte. "Auch der Einbau der Brandmeldeanlage vor einigen Jahren war ein weiteres Element, um die Sicherheit in dem historischen Gebäude zu verbessern", sagte Persian.

Die aktuelle Lage will die Verwaltung nun zum Anlass nehmen, die brandschutztechnische Situation im Schloss komplett zu überprüfen. "Wir werden mit einem Brandschutzsachverständigen und Baufachleuten in Abstimmung mit der Bauaufsicht des Kreises eine Überprüfung des Schlosses vornehmen lassen", versicherte der Bürgermeister. Dabei geht er davon aus, dass es mit einem Wanddurchbruch im Ratssaal Richtung Heimatmuseum nicht getan sein wird: "Hier werden aufwendigere Maßnahmen am Schloss notwendig werden", prognostizierte er.

Quelle: RP
 
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