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Hückeswagen
Kinder machen sich allein auf Reise ins Ungewisse

Sie sind die Ärmsten der Armen und fallen unter einen bürokratischen Sammelbegriff: "unbegleitete minderjährige Flüchtlinge". Bezeichnet werden damit Jugendliche, manchmal noch Kinder, die ohne Familie und ganz allein auf sich gestellt die oft Jahre dauernde Reise aus ihrem Heimatland nach Europa und damit in eine ungewisse Zukunft antreten, weil es zu Hause keine Zukunft für sie zu geben scheint. 112 solcher Kinder-Flüchtlinge leben derzeit im Oberbergischen Kreis. Das berichtete Heinz Thelen im Sozialausschuss. Er ist Leiter des Kreisjugendamtes. Unter dessen Obhut stehen die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Fast ausnahmslos sind es Jungen, Mädchen werden von ihren Familien nicht auf die Reise geschickt. Die Jugendlichen werden kreisweit in besonders betreuten Einrichtungen und Wohngruppen untergebracht, manchmal auch in Gastfamilien. Sie gibt es auch in Hückeswagen und im benachbarten Radevormwald. Bis zum Frühjahr kamen die Minderjährigen laut Thelen überwiegend über die Balkan-Route aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Inzwischen habe sich das geändert, jetzt seien es vor allem Jugendliche aus schwarz- und nordafrikanischen Ländern, die sich auf den Weg nach Europa machten. Viele seien schwer traumatisiert, hätten oft in Nordafrika geschuftet, um Geld zu verdienen für die Schlepper, die sie übers Mittelmeer bringen sollten, seien misshandelt und missbraucht worden, hätten danach Schlimmes gesehen auf der langen und gefährlichen Reise über tausende von Kilometern. Entsprechend hoch ist der Betreuungsaufwand - auch finanziell. Laut Thelen rechnet der Kreis mit "vier Millionen Euro plus x" pro Jahr an Sachaufwand für Unterbringung und Betreuung der minderjährigen Flüchtlinge, die allein im Land ihrer Träume gestrandet sind. Das Geld wird dem Kreis vom Land NRW erstattet.

(bn)
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