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Hückeswagen
Kinder spielen die Erwachsenenwelt

Hückeswagen: Kinder spielen die Erwachsenenwelt
Gut gelaunt starteten die 100 Kinder gestern in das zweiwöchige Kinderdorf-Projekt. Betreut werden sie von 56 Erwachsenen. FOTO: Nico Hertgen
Hückeswagen. Gestern startete die zweite Auflage des integrativen Kinderdorf-Projekts mit 100 Teilnehmern und 56 Betreuern. Zwei Wochen lang lernen die Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren spielerisch die Welt der Erwachsenen kennen. Von Heike Karsten

Ein großes Gewusel herrschte gestern Morgen, als die 100 kleinen Teilnehmer des Kinderdorfs am Jugendzentrum im Brunsbachtal eintrafen. Fast eine Stunde dauerte es, bis alle Namen auf der Anwesenheitsliste abgehakt und die Umhänge-Karten verteilt waren. Zeit für die Kinder, sich schon einmal umzusehen, Kontakte zu knüpfen und für einen ersten Arbeitsplatz zu entscheiden.

Der elfjährige Phil war guter Dinge und das erste Mal mit dabei. "Ich möchte zuerst zu den Bogenbauern", sagte er. Nur eine Sache störte ihn schon am ersten Tag: "Das frühe Aufstehen in den Ferien nervt ein bisschen", befand Phil. Dabei öffnet das Kinderdorf täglich erst um 10 Uhr seine Pforten, für 14 Kinder der Frühbetreuung allerdings auch schon um 8 Uhr.

Nach der Begrüßung in der Mehrzweckhalle verteilten sich die jungen Dorfbewohner schnell auf die verschiedenen Werkstätten. So wurden die ersten Gläser graviert und Spiegelmosaike in der Glaserei geklebt, die Schreinerei werkelte an Vogelhäuschen und Hampelmännern, und in der Malwerkstatt entstanden bunte Comic-Figuren. Den ersten Arbeitslohn konnten sich die Kinder auch in der Bank verdienen. Sparkassen-Auszubildender Janik Lemmer, der die Bank-Werkstatt betreut, erklärte das Bezahlsystem: "Für eine halbe Stunde Arbeit gibt es drei JuZe-Taler brutto. Ein Taler geht für die Steuern ab", erläuterte der 20-Jährige. Von dem so verdienten Geld können sich die Kinder in den nächsten zwei Wochen Snacks kaufen oder Ausflüge im Reisebüro buchen.

Besondere Beachtung fand die für heute Nachmittag angekündigte Wahl zum Kinderdorf-Bürgermeister. Dafür konnten alle Teilnehmer, die Interesse an dieser Aufgabe haben, ihre eigenen Wahlplakate malen. "Ich habe viel Erfahrung übers Leben", schrieb etwa Ben (10) auf sein Plakat. Der Hobby-Detektiv möchte, falls er von den Kinderdorf-Bewohnern in das Amt gewählt wird, "gerechte Regeln erreichen und dass alle zufrieden sind". Leony (8) möchte für Musik auf dem Hof sorgen, wogegen Leah (6) und ihr Bruder Leon (11) ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme der Dorfbewohner haben wollen. "Ich würde gerne dafür sorgen, dass es nicht so viel Streit gibt", warb Leon.

Für Harmonie sorgen auch die 56 Betreuer des Kinderdorfs. Koordinatorin Jasmin Riemann gibt Acht, dass sich die Kinder gut auf die Werkstätten verteilen. Ihre erste Aufgabe war es, die Essenszeiten zu tauschen, damit die Kinder mit Behinderung vom Verein "Rade integrativ" gemeinsam das Mittagessen einnehmen können. Des Weiteren gibt es eine Kleinkindgruppe für die Kinder der Betreuer, in der auch ältere Kinder sich eine Auszeit nehmen können. "Es gibt auch viele Kinder, die mit sechs Jahren noch etwas verloren sind oder sich überfordert fühlen", berichtete die zweifache Mutter.

Für eine schnelle Kommunikation untereinander haben JuZe-Mitarbeiter Mario Moritz, Stadtjugendpflegerin Andrea Poranzke und Koordinatorin Jasmin Riemann Funksprechgeräte angeschafft. "Das spart uns auch lange Wege", sagte Andrea Poranzke.

Der erste Tag lief wesentlich entspannter ab als bei der Premiere des Kinderdorfs in den vorigen Herbstferien. Ob das so bleiben wird, bleibt abzuwarten. "Die Kinder der Frühbetreuung haben schon angekündigt, die Bank überfallen zu wollen", berichtete die Stadtjugendpflegerin schmunzelnd. Einmal wie Erwachsene zu leben ist nicht immer nachahmenswert . . .

Quelle: RP
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