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Hückeswagen
Kitas sorgen für Zwist zwischen Awo und SPD

Hückeswagen. Die Kita-Krise ist zur Zerreißprobe für den Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) geworden. Die Tatsache, dass der Bergneustädter Verein für soziale Dienste (VsD) die sieben von der Awo für unwirtschaftlich erklärten Kindertagesstätten übernimmt, nennt der SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Ralf Wurth eine "schallende Ohrfeige für die Awo". Von Reiner Thies

Die Awo hatte im Januar angekündigt, einen Teil ihrer Kindertagesstätten und/oder offenen Ganztagsschulen im Oberbergischen und Rheinisch-Bergischen abstoßen zu müssen. Der Grund sind die Tarifabschlüsse im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst (die BM berichtete). Die im September von der Gewerkschaft Verdi erstrittenen deutlichen Gehaltssteigerungen für die Erzieher bringen den Träger in arge finanzielle Bedrängnis. Konkret geht es um einen jährlichen Betrag von etwa 870.000 Euro. Die Awo hat sich daher entschlossen, sieben Einrichtungen in Nümbrecht, Bergneustadt, Waldbröl (jeweils zwei) und Reichshof abzugeben. Die beiden in Hückeswagen bleiben von der Schließung verschont.

Die Awo hat ihre Wurzeln in der Arbeiterbewegung. Der geschäftsführende Vorstand des Kreisverbandes besteht nahezu komplett aus SPD-Mitgliedern, voran die Kreis- und Bezirksvorsitzende Beate Ruland. Ralf Wurth ist selbst Vorsitzender des Wipperfürther Awo-Ortsvereins und klagt: "Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust."

Der SPD-Kreistagsfraktionssprecher sagt: "Wer sich auf die Sozialdemokratin Marie Juchacz beruft, darf nicht so mit den Gewerkschaften umgehen." Hausverbote und Rechtsmittel gegen Verdi-Vertreter seien Methoden eines Firmenpatriarchen, passten aber nicht zur Awo. Über personelle Konsequenzen möchte Wurth öffentlich nicht sprechen. Er sieht aber "erheblichen internen Diskussionsbedarf".

Der SPD-Sprecher geht davon aus, dass das Konzept des VsD rentierlich ist. Dafür bürgt, wie bekannt wurde, auch der frühere Awo-Geschäftsführer Christian Will, der nun in den Diensten des VsD tätig wird. Dass dessen Awo-Nachfolgerin für unmöglich hält, was Will jetzt schaffen will, hält Wurth für erklärungsbedürftig. "Es ist zu hinterfragen, was da abläuft."

Die Awo-Kreisvorsitzende Beate Ruland ist unbeirrt: "Wir haben seriös gerechnet." Sie begrüße es, dass die betroffenen Kitas mit dem VsD einen regionalen Träger bekommen. Wie der Verein den Betrieb auskömmlich führen will, sei ihr aber ein Rätsel. "Die Unterfinanzierung der Kitas ist ja kein oberbergisches Problem." Das zeige auch die jüngste Expertenanhörung im Landtag. Aus diesem Grund verhandele die Awo mit den Kita-Mitarbeitern über einen Gehaltsverzicht. Der Oberbergische Kreis habe für die Einrichtungen in seinem Bereich zwar eine Ausgleichszahlung angekündigt. Die Awo betreibe aber noch 33 weitere Kitas im Bereich von zehn anderen Jugendämtern.

Die Awo habe keine Fehler gemacht, betont Ruland, auch nicht im Umgang mit Verdi. Die Gewerkschaft habe kein Mandat, alle Mitarbeiter zu vertreten, und kein Recht, an Vorstandssitzungen teilzunehmen - zumal, wenn sie wissentlich Unwahrheiten verbreite.

Beate Ruland ist seit 44 Jahren Mitglied der SPD und enttäuscht über die Angriffe aus den Reihen der Parteifreunde: "Ich hätte mehr Solidarität erwartet." Sie erfahre innerhalb der Awo aber auch von Parteifreunden viel Zuspruch. "Ich sehe mich weiterhin auf dem Boden der SPD."

Quelle: RP
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