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Hückeswagen
Kleiner Schritt in eine gesicherte Zukunft

Hückeswagen: Kleiner Schritt in eine gesicherte Zukunft
Yirga Belay ist nun ein anerkannter Flüchtling. Der 29-jährige Eritreer hofft, dass er seine kleine Familie schnellstmöglich nachholen kann. FOTO: J. Moll (Archiv)
Hückeswagen. Der 29-jährige Eritreer Yirga Belay lebt seit 20 Monaten in Hückeswagen. Inzwischen ist er anerkannter Flüchtling, nachdem sein Antrag fast zwei Jahre liegen geblieben war. Jetzt hofft er, Frau und Töchter schnell nachholen zu können. Von Wolfgang Weitzdörfer

Es ist im Moment nur ein halbes Happy End. Oder eine Hoffnung machende Zwischenstation auf einem Weg, der eben noch nicht zu Ende ist: Yirga Belay aus Eritrea wartete mehr als 20 Monate auf die Bearbeitung seines Asylantrags (die BM berichtete). Jetzt wurde der Antrag vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) überraschend genehmigt. Das heißt allerdings keineswegs, dass der junge Mann auch seine Familie - seine Frau und die beiden eineinhalb und fünf Jahre alten Töchter - direkt nach Deutschland nachholen darf, was sein größtes Anliegen ist. Denn was im typischen Amtsdeutsch nüchtern "Familienzusammenführung" genannt wird, ist in der Realität ein langer und vor allem bürokratischer Prozess.

"Yirgas Frau muss sich nun mit den Kindern auf den Weg machen, um in der nächsten deutschen Botschaft in ihrer Nähe den Antrag auf ein Langzeitvisum zu stellen", erläutert Joachim Kutzner, der mit Jutta Keller im Hückeswagener Flüchtlingsnetzwerk als Deutschlehrer aktiv ist und sich mit ihr um den Fall von Yirga Belay kümmert. Als sich die drei jedoch bei der Botschaft erkundigten, kam die ernüchternde Antwort, dass der nächste freie Termin erst der 20. Februar 2017 ist. "Das haben wir nicht erwartet", sagt Jutta Keller. "Wir dachten, dass Yirgas Frau jetzt zur Botschaft gehen und dann nach Deutschland kommen kann."

Erschwerend komme hinzu, dass sie von ihrem Mann zwar darüber informiert wurde, dass er in Deutschland bleiben und die Familie wohl nachkommen dürfe: "Yirga hat ihr aber noch nicht gesagt, dass das noch mehrere Monate dauern kann. Das wird für die Frau erst einmal ein großer Schock sein", glaubt Kutzner. Auch die Zahl an Dokumenten, die dafür vorgelegt werden müssen, ist groß. "Sie müssen auch nach Afrika geschickt werden, etwa die Originale der Geburtsurkunde oder der Heiratsurkunde. Die aber aus der Hand zu geben, geht mit einem mulmigen Gefühl einher." Zudem lebt Belays Frau in einer abgelegenen Gegend, was die Aufgabe nicht leichter machte.

Eine Woche nach dem Gespräch hatte sie sich mit den Kindern auf den Weg gemacht und ist in Äthiopien in einer Soldatenstadt angekommen. Die deutsche Botschaft befindet sich in Adis Abeba, der Nachrichtenfluss ist spärlich.

Das Wichtigste für den 29-jährigen Grundschullehrer ist, dass der Schwebezustand ein Ende hat: "Ich habe jetzt eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre und kann mir eine Arbeit suchen." Die Zuständigkeit für den 29-Jährigen liegt nun nicht mehr bei der Stadt Hückeswagen, sondern bei der Arge. Das bedeutet, dass er sich nun eine kleine Wohnung suchen und an einem Integrationskursus teilnehmen muss.

Das ändert aber nichts daran, dass die kleine Familie Belay immer noch nicht wiedervereint ist.

Quelle: RP
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