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Hückeswagen
Kloppenburg schafft's nicht in Bundestag

Hückeswagen: Kloppenburg schafft's nicht in Bundestag
Der "ambitionierte Traum" von Jörg Kloppenburg ist geplatzt: Der 59-jährige FDP-Politiker aus Hückeswagen kann wegen eines Formfehlers nicht über die Landesliste in den Bundestag einziehen. Und dass er den Wahlkreis Oberberg direkt gewinnt, wäre schon eine Sensation. FOTO: Ingo Schoppmann (Archiv)
Hückeswagen. Ein Formfehler kostet den FDP-Ortsvorsitzenden den fast sicheren Einzug in den Bundestag nach der Wahl im September. Jörg Kloppenburg hatte eine Unterlage für die Zulassung zur Landesliste nicht unterschieben. Jetzt flog er von der Liste. Von Stephan Büllesbach

Der erste Schock ist zwar verdaut. Doch auch wenn er eine Nacht über die Ereignisse geschlafen hat, "fühle ich doch eine gewisse Leere und Enttäuschung". Das sagte Jörg Kloppenburg gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Das war geschehen: Der Vorsitzende der oberbergischen Liberalen ist aus formalen Gründen von der Landesliste der NRW-FDP geflogen. Dort hatte der Hückeswagener auf einem aussichtsreichen Platz 19 gestanden. "Eigentlich sogar auf Platz 17, weil zwei vor mir rangierende Kandidaten zurückgezogen haben", sagte er. Doch selbst Platz 19 hätte bei einem Wiedereinzug der Liberalen in den Bundestag und einem Wahlergebnis in NRW von etwa zwölf Prozent, das für die Landesliste maßgeblich ist, voraussichtlich für Kloppenburg gelangt. Denn bei der Landtagswahl im Mai hatte die FDP 12,6 Prozent der Stimmen geholt. Der 59-Jährige war seinem ambitionierten Traum vom Bundestagsmandat ganz nahe gekommen, doch der ist jetzt geplatzt.

Für die Zulassung zur Landesliste müssen die Kandidaten etliche Unterlagen ausfüllen, darunter auch die Anlage 22. Doch für diese "Zustimmungserklärung und Versicherung an Eides statt zur Parteimitgliedschaft für Bewerber einer Landesliste" fehlte ausgerechnet eine Unterschrift Kloppenburgs. Das Ganze ging zunächst vor den Landeswahlausschuss - mit einer kuriosen Entscheidung: Der Landeswahlleiter hatte laut Kloppenburg empfohlen, ihn trotz des Formfehlers zuzulassen. Die Entscheidung ging zunächst 4:4 aus, die Stimme des Landeswahlleiters zählt in diesem Fall aber doppelt. "Doch er hat gegen seine eigene Beschlussempfehlung gestimmt", berichtete der Hückeswagener. Somit war er von der Landesliste geflogen. Auch eine Berufung vor dem Bundeswahlausschuss hatte keinen Erfolg, so dass Kloppenburg seinen Traum am vorigen Donnerstag vorerst endgültig ad acta legen konnte.

Dabei hatte er im Juli noch alles versucht. Die FDP-Landesgeschäftsstelle hatte ihm mitgeteilt, dass seine Unterlagen eingegangen waren. Anschließend verreiste der 59-Jährige nach Cornwall in England. Dort erfuhr er dann von der fehlenden Unterschrift. Noch am gleichen Tag, dem 17. Juli, wollte er in einer Chartermaschine nach Düsseldorf fliegen, doch der Flug fiel aus. Hätte er sein Ziel jedoch erreicht, hätte Kloppenburg auf dem Flughafen bei einem Mitarbeiter des Innenministeriums unterschrieben. Das wäre dann soeben noch rechtzeitig gewesen, da um 18 Uhr die Frist für das Einreichen der Wahlvorschläge endete.

Der Hückeswagener versuchte es von England aus dennoch: Auf dem kleinen Flughafen von Newquay unterschrieb er die Anlage 22, was ein Sicherheitsbeamter von dort bezeugte. Allerdings nutzte auch das nichts, weil die Unterschrift eben nur in einer Kopie vorlag, benötigt wird hingegen einzig das Original.

"Ich habe sie schlichtweg vergessen", sagt Kloppenburg. "Ich zermartere mir den Kopf, wann das gewesen sein könnte. Aber das ist schon lange her." Im November hatte er die Erklärung ausgefüllt. Was ihn verwundert, ist, dass die fehlende Signatur auch der Landesgeschäftsstelle nicht aufgefallen war. "Dabei ist mir von dort mitgeteilt worden, dass ich einmal nur FDP statt Freiheitliche Demokratische Partei geschrieben hatte", erzählt er.

Die Enttäuschung will Kloppenburg nun in positive Energie umsetzen: "Ich bin nicht die Ente, die die Flügel einzieht." Er kämpfe weiter - vorrangig darum, dass die Liberalen wieder in den Bundestag einziehen. Es klingt beinahe trotzig, als er sagt: "Dann hole ich den Wahlkreis eben direkt!" Wobei er umgehend einschränkt: "Das wäre schon eine Sensation." Selbst wenn die SPD-Kandidatin den Wahlkreis gewinnen würde und nicht der CDU-Bewerber, sei das eine Überraschung.

Quelle: RP
 
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