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Analyse
Landratswahl - und wer geht hin?

Analyse: Landratswahl - und wer geht hin?
FOTO: Dörner, Hans (hdo)
Stell Dir vor, es ist Landratswahl und keiner geht hin: Ganz unwahrscheinlich ist dieses Szenario nicht. Die Menschen scheinen wahlmüde, wie die magere Beteiligung bei den Bürgermeister- und Kommunalwahlen im vorigen Jahr erneut bewiesen hat.

Wenn, wie in Hückeswagen und den Nachbargemeinden geschehen, nur noch rund jeder Zweite sein Recht auf Stimmabgabe wahrnimmt, obwohl es gerade in den Kommunen immer auch um ureigene Belange geht - und um in der Kleinstadt meist bekannte Personen, die sich zur Wahl stellen -, dann ist das schon denkwürdig.

Es bedarf keiner prophetischen Gaben um vorherzusehen, dass bei der Landratswahl am 13. September noch weniger Bürger an die Urnen gehen werden. Wer weiß denn überhaupt, welche Aufgaben der Landrat hat? Dass er Chef der Kreisverwaltung ist, dürfte immerhin noch halbwegs bekannt sein. Was der Kreis aber konkret für die Menschen in den Kommunen tut, ist es überwiegend nicht. Was er verhindert, schon eher: Da können dann beispielsweise diejenigen mitreden, die mit einem Bauantrag scheiterten oder überaus stringent ausgelegte Brandschutzauflagen nicht erfüllen konnten. Davon gibt es einige auch in Hückeswagen.

Der Kreis leistet weitaus mehr für die Kommunen (die das freilich über die erdrückend hohe Kreisumlage letztlich selbst bezahlen), aber er gibt sich selbst nicht oder doch nur sehr selten als Dienstleister für die Bürger in Oberberg zu erkennen. Sein Handeln und damit das des Landrats bleibt abstrakt für viele, die doch bald wieder aufgerufen sind, den für sie "großen Unbekannten" zu wählen.

Noch sind es knapp zwei Monate bis zur Wahl am 13. September. Das ist nicht viel, um den Oberbergern zu verdeutlichen: Es ist eben nicht "Jacke wie Hose", wer auf dem Chefsessel der durchaus mächtigen Kreisverwaltung sitzt, die alle Bürger mit ihren Steuern via Kreisumlage bezahlen.

Die drei Kandidaten für das Amt haben mitsamt ihren Unterstützern in den unterschiedlichen Parteien noch viel Arbeit vor sich, wenn sie den Menschen zwischen Radevormwald im Norden und Morsbach im Süden verdeutlichen wollen, was sie für diese tatsächlich zu tun gedenken. Gelingt das nicht wenigstens annähernd, bleibt der Kreis das unbekannte Wesen, der Landrat eine graue Eminenz - und der Bürger der Wahlkabine fern.

Quelle: RP
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