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Hückeswagen
Laster ist schon aus Böschung geborgen

Hückeswagen: Laster aus Böschung geborgen
Hückeswagen: Laster aus Böschung geborgen FOTO: Horn
Hückeswagen. Schneller als geplant lief die Bergung des havarierten Sattelzugs: Am Dienstagabend, 23 Uhr, hatten Mitarbeiter des Wermelskirchener Forstunternehmens Horn den Laster, der sich am Montag festgefahren hatte, aus dem Waldstück herausgezogen. Von Stephan Büllesbach

Gunnar Horn nahm den Auftrag sportlich-engagiert: "Wir arbeiten so lange, bis das Ding draußen ist", hatte sich der Inhaber eines Land- und Forstwirtschaftlichen Betriebs aus Dhünn am Dienstagnachmittag vorgenommen. Um 15.30 Uhr hatte der Wermelskirchener zusammen mit drei Kollegen mit der Bergung begonnen, siebeneinhalb Stunden später stand der Dreiachser mit Auflieger wieder auf der Kreisstraße 14. Ursprünglich war das Ende der Bergung erst für Donnerstag erwartet worden.

Die K 14 hatte am Montagabend ein 32-Jähriger aus Sachsen-Anhalt befahren. Weil die Durchfahrt ab Wickesberg aber für Lkw über zwölf Metern länge verboten ist, wollte er in einem Waldweg zu Beginn des großen Waldgebiets der Purd wenden. Der Fahrer, der möglicherweise unter Drogeneinfluss stand, steuerte den Wagen einer Siegener Spedition jedoch immer weiter geradeaus und blieb nach etwa einem Kilometer und 45 Grad geneigt in einer Schonung mit Lärchen und Douglasien liegen.

Hückeswagen: 40-Tonner hängt in Böschung FOTO: Feuerwehr H�ckeswagen

Laster hätte die Böschung herabstürzen können

Dabei hat der Mann offenbar großes Glück gehabt – und nicht nur er: "Wäre er drei Meter weitergefahren, wäre der Lkw die Böschung runtergestürzt", berichtete Horn am Mittwochmorgen. Denn dann wären die Seile, die die 25 Tonnen Stahl gesichert hatten, gerissen, die Ladung wäre ins Rutschen geraten und der Sattelzug endgültig zur Seite gekippt. "In dem Waldstück hätte den Lkw dann lange niemand entdeckt", ist sich Horn sicher. Zumal der GPS-Empfang dort schlecht ist, so dass der Laster nicht hätte geortet werden können.

In diesem Fall wären wohl auch Treibstoff und Betriebsmittel ausgelaufen, die dann das Wasser in dem Naturschutzgebiet im Einzugsbereich der Großen Dhünn-Talsperre verunreinigt hätten. Philipp Ising, Sprecher des Oberbergischen Kreises, gab aber Entwarnung: "Es ist nichts ausgelaufen." Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde des Kreises hatten sich am Mittwoch in der Schonung umgesehen und den Forstunternehmer beauftragt, den Diesel aus den Tanks abzupumpen.

Horn und seine Kollegen schauten sich am Nachmittag erst einmal an, was sie für die Bergung und das Abpumpen alles benötigen. Dann öffneten sie auf dem Forstweg etwa 60 Meter oberhalb der Stelle, wo der Lkw stand, das Gatter zu der Schonung, installierten zwei Zehn-Tonnen-Winden und sicherten mit Stahlseilen den Sattelzug.

Abpumpen war aufwendig

"Das Abpumpen war nicht ganz einfach", berichtete Horn. So musste erst einmal der 350-Liter-Tank eines Traktors leer gepumpt werden, in den dann der Lkw-Diesel umgepumpt wurde. Zudem hatte der Chef des Forstunternehmens, der auch Mitglied der Feuerwehr-Einheit Halzenberg ist, vorsichtshalber Bindemittel zum Abstreuen geholt. Das wurde aber nicht benötigt.

Nachdem der Forstweg, über den der Lkw am Montagabend in die Schonung gefahren war, freigeschnitten war, begann um 17.30 Uhr das Entladen. Mit Hilfe eines Rückezugs, der normalerweise für Waldarbeiten eingesetzt wird, wurden die jeweils rund eine Tonne schweren Stahlplatten aus dem Auflieger gezogen, über das Führerhaus gehoben und auf einen Tieflader abgesetzt. Den nutzt Horn normalerweise für seinen Bagger; dieser hatte zuvor den darüber gelegenen Waldweg ein wenig begradigt, weil dort die Platten zwischengelagert wurden.

Lastwagen stand 29 Stunden lang in Schräglage

Ein Fendt-Schlepper zog den Tieflader samt Ladung den Forstweg entlang. Nach etwa 100 Metern musste er um eine Kurve und eine Anhöhe hinauffahren und fuhr so bis zum Gatter der Tannenschonung. Diese Arbeiten waren gegen 22 Uhr beendet.

Nun ging's ans Bergen des Sattelzugs. Der wurde mit Hilfe der Winden zunächst seitwärts hochgezogen, so dass er wieder normal stand. Dann trat das nächste Problem auf: Der Lkw hat eine Automatikschaltung, und diese Fahrzeuge können nicht so ohne Weiteres abgeschleppt werden. Letztlich besorgte er etwas Sprit, damit der Lkw wieder ansprang. Nachdem sich dann das Öl in der Wanne wieder verteilt hatte – der Lkw stand 29 Stunden in Schräglage –, konnte er von dem Schlepper über den Forstweg bis an die K 14 gezogen werden. Gegen 23 Uhr war die Bergung beendet.

"Die Jungs haben sehr gut gearbeitet. Ich bin sehr zufrieden; das hätte schlimmer ausgehen können", sagte Waldbesitzer Ernst-Oskar Lambeck. Dass der Lkw so schnell wieder aus seiner Schonung verschwinden würde, "damit habe ich nicht gerechnet".

Bilder von dem kuriosen Unfall sehen Sie hier. 

(büba)
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