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Hückeswagen
Lebenshilfe seit 30 Jahren in Hammerstein

Hückeswagen: Lebenshilfe seit 30 Jahren in Hammerstein
Das Haus Hammerstein im Jahr 1985 (l.) und heute - vor 30 Jahren übernahm die Lebenshilfe das Hotel von Hertha Horn, der Enkelin des Erbauers. FOTO: Lebenshilfe
Hückeswagen. Jubiläumsfeier am Sonntag an der Wupper-Talsperre: Das traditionsreiche Haus Hammerstein, früher ein Nobelhotel, befindet sich seit 30 Jahren in der Trägerschaft der Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen. Das soll groß gefeiert werden. Von Joachim Rüttgen und Stephan Büllesbach

Wer durch die Räume von Haus Hammerstein schlendert, kommt nicht umher, neben der wundervollen Rundum-Aussicht auf das Wasser der Wupper-Talsperre auch die Geschichte des Hauses zu bewundern. Als einziges noch existierendes Gebäude der Ortschaft Hammerstein (früher Hammersteinsoege), die in den 1980er-Jahren geflutet wurde, blicken die Mauern des auf einer Anhöhe gelegenen ehemaligen Nobelhotels auf eine beachtliche Vergangenheit zurück. "Viele Prominente waren Gäste des Nobelhotels", berichtet Gabriele Jöcker von der Verwaltung von Haus Hammerstein.

Hubert Grafer erbaute das Haus 1874 - vermutlich für seine 13 Kinder. Der Platz reichte auch noch, um eine Gaststube für die Arbeiter der Region in den Räumen zu eröffnen. Grafer lebte nicht schlecht davon, sprach sich die Arbeiterkneipe doch schnell herum. Bald kam ein Weinhandel hinzu, der den Bekanntheitsgrad weiter steigerte. "Durch die Abgeschiedenheit des Hauses blieb das Gebäude von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verschont, so dass dort russische Kriegsgefangene verpflegt werden konnten, die in den naheliegenden Fabriken zur Arbeit gezwungen wurden", berichtet Gabriele Jöcker. In Hammerstein stand auch das Lager für die Zwangsarbeiter.

Schon kurz nach dem Krieg hatte das Haus Hammerstein dermaßen an Beliebtheit gewonnen, dass eine Erweiterung nötig wurde. Die Enkelin von Hubert Grafer, Hertha Horn, machte schließlich aus dem regionalen Hotel für etwa 20 Jahre ein wahres Juwel. Viele Berühmtheiten zählten zu ihren Gästen (s. Kasten). 1985 verkaufte Hertha Horn das Hotel schließlich unter der Bedingung, dass es einer gemeinnützigen Organisation zukommt. So erwarb der Landesverband der Lebenshilfe für geistig Behinderte NW im Dezember 1985 das Schmuckstück oberhalb der Wupper-Talsperre.

Bereits im März 1986 fand dort die erste Veranstaltung statt. "Seitdem verbrachten unzählige Menschen mit Behinderung ihren Urlaub in Hückeswagen", sagt die Mitarbeiterin der Verwaltung. Zusätzlich wurden die traditionsreichen Tagungsräume für Fortbildungen von Menschen mit und ohne Behinderung genutzt.

Seit 2008 steht das Haus ganz offiziell offen für jedermann. Hochzeiten, Geburtstage und Weihnachtsfeiern werden im Haus Hammerstein gefeiert und veranstaltet wie Tagungen und Firmenevents. Viele Besucher nutzen aber auch einfach nur mal die Sonnenterrasse, um gerade am Wochenende einen Cappuccino mit Blick auf die Talsperre zu genießen. Seit zwei Jahren können die Besucher auch Boote mieten, um über die Talsperre zu rudern. Der entsprechende Steg wurde 2013 angelegt. Die im gleichen Jahr noch geplante Erweiterung der Beherbergungskapazitäten von derzeit 41 auf 59 bis 62 Zimmer und Appartements wurde allerdings vorerst auf Eis gelegt.

Mit einem großen Sommerfest feiert die Lebenshilfe am kommenden Sonntag, 14. Juni, 11 bis 19 Uhr, ihre 30-jährige Trägerschaft. Die kleinen und großen Besucher erwartet ein umfangreiches Programm. Mit dabei sind und unter anderem die Künstler Anita Vidovic (12 bis 16 Uhr) und Roberto Falcone (15 bis 19 Uhr), die schon des Öfteren in Hammerstein Konzerte gegeben haben. Die Bergische Zeitgeschichte (BZG) präsentiert eine Ausstellung zum Lager Hammerstein.

Mit dem Erlös des Sommerfestes will die Lebenshilfe einen Defibrillator für das Haus Hammerstein anschaffen.

Quelle: RP
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