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Ehrenamt Jürgen Becker Und Friedhelm Kunz
Lockere Herrenrunde im Johannesstift

Ehrenamt Jürgen Becker Und Friedhelm Kunz: Lockere Herrenrunde im Johannesstift
Ungezwungen geht es bei der Herrenrunde im Johannesstift zu. Jürgen Becker (2. v. l.) und Friedhelm Kunz (5. v. l.) begleiten dieses Treffen. FOTO: W. Weitzdörfer
Hückeswagen. Jeden zweiten Montag im Monat treffen sich Jürgen Becker und Friedhelm Kunz mit Bewohnern des Altenzentrums. Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen Jürgen Becker, nicht verwandt oder verschwägert mit dem bekannten Kölner Kabarettisten, unterhält sich gerne und ist gerne in Gesellschaft. In seinem Ehrenamt kann er das so umsetzen, dass er damit Dritten eine Freude macht - bei Menschen, die sonst unter Umständen alleine wären. Er ist Initiator der sogenannten Herrenrunde im Seniorenzentrum Johannesstift: "Die Idee geht auf meine berufliche Zeit im Johannesstift zurück", sagt der 60-Jährige. Denn bis zu seiner Frühverrentung 2004 war er dort Pflegedienstleiter.

Ehrenamtlich organisiert er zusammen mit Friedhelm Kunz die Herrenrunde. Der 81-Jährige ist seit zwei Jahren zur Unterstützung dabei: "Wir treffen uns jeden zweiten Montag im Monat in der Gruppe und klönen gemütlich", sagt Becker. Meist im Restaurant im Obergeschoss, denn da sei genügend Platz. Manchmal trifft man sich aber auch anderswo im Haus - oder im Sommer im Freien: "Es kommt darauf an, wie viele Senioren kommen. Mal sind wir nur zu dritt, dann wieder zu zehnt. Es hängt immer von der Verfassung der Bewohner ab", sagt der 60-Jährige.

Die Herrenrunde trifft sich in der Regel für eine bis eineinhalb Stunden. Dann seien manche der älteren Herren auch erschöpft. Und da Reden bekanntlich anstrengend sein kann, gibt es auch immer eine Kleinigkeit zu essen: "Meistens Mettbrötchen, dazu kalte und warme Getränke", sagt Becker. Außer im Dezember: "Dann machen wir nämlich eine Vorleserunde. Und dazu gibt es natürlich Kaffee und Gebäck."

Eigentlich sei die Herrenrunde tatsächlich auch nur für Herren gedacht - wenn allerdings mal eine Bewohnerin dazukomme, dann sei das natürlich auch in Ordnung, sagt Becker lachend. "Man braucht ein Einstiegsthema, um ins Gespräch zu kommen, und dann läuft es von alleine", berichtet der 60-Jährige. Oft seien es Themen aus der Vergangenheit: "Neulich etwa haben wir darüber gesprochen, wie es war, als die Menschen in den 50er und 60er Jahren ihre ersten Fernsehgeräte bekamen", sagt Becker. Er habe auch schon einmal alte Schallplatten dabei gehabt, wodurch sich schnell einige Gespräche ergeben hätten. Aber natürlich gibt es auch Aktuelles zu besprechen: "Fußball ist von großem Interesse. Im Sommer grillen wir am Abend schon mal, wenn ein wichtiges Spiel übertragen wird", erzählt Becker. Es habe aber auch bereits kleinere Ausflüge gegeben, etwa ins 3-Städte-Depot. "Das war auch sehr interessant für die Herren. Viele haben ja einen Bezug zum Handwerk und zu alten Maschinen", sagt Becker.

Neben der Herrenrunde übernimmt der 60-Jährige auch Besuchsdienste. Die Aufgabe erfüllt ihn mit Freude und Befriedigung: "Ich kann auf diese Weise der Gesellschaft etwas zurückgeben. Und bekomme selbst auch viel geschenkt - es ist ein Geben und Nehmen." Dabei vergisst er schon mal die Zeit: "Ich habe vor einigen Jahren sehr lange eine ältere Frau im Seniorenzentrum besucht. Ich hatte mir eigentlich ein Limit von einer Stunde pro Besuch gesetzt." Oft genug sei es jedoch vorgekommen, dass man sich verquatscht habe.

Ehrenamt sei für ihn sehr wichtig, sagt Becker. "Mein subjektiver Eindruck ist aber, dass es schwieriger geworden ist, die Leute dafür zu motivieren." Für ihn sei jede Stunde im Johannesstift ein Gewinn. Besonders schön sei es immer dann, wenn er die mitunter sehr abwechslungsreichen Lebensgeschichten der Senioren zu hören bekomme. Kürzlich habe er so etwa einen ehemaligen Forstbeamten aus Franken in Bayern kennengelernt: "Den Mann hat es nach dem Krieg nach Hückeswagen verschlagen. Was er da erzählt hat, war hochinteressant", sagt Becker.

Quelle: RP
 
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