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Sommerinterview Jörg Von Polheim (fdp)
"Lösung für den Erhalt der Altstadt fehlt"

Sommerinterview Jörg Von Polheim (fdp): "Lösung für den Erhalt der Altstadt fehlt"
Jörg von Polheim fordert für die FDP ein integriertes Handlungskonzept für die Hückeswagener Altstadt - auch um den Etapler Platz und die Islandstraße mit einem neuen Konzept für die Bahnhofstraße besser zu verzahnen. FOTO: jürgen moll (archiv)
Hückeswagen. Die Hälfte der Legislaturperiode ist vorbei, 2020 wird ein neuer Stadtrat gewählt. Anlass für unsere Redaktion, mit den Fraktions-vorsitzenden über die "erste Halbzeit" und die künftigen Herausforderungen zu sprechen. Heute: Jörg von Polheim (FDP).

Nennen Sie bitte die drei wichtigsten Dinge, die die Hückeswagener Politik in den vergangenen zweieinhalb Jahren angestoßen hat.

Von Polheim Die ersten Jahre der laufenden Periode waren geprägt zum einem durch den starken Zuzug von Flüchtlingen nach Hückeswagen und der gemeinschaftlichen Bewältigung der damit entstandenen Probleme. Auch die Bewältigung der Haushaltskrise mit Aufstellung des Haushaltssicherungskonzepts und das zukunftsfähige Standortkonzept des neuen Feuerwehrhauses im Brunsbachtal mit einer möglichen Rettungswache des Kreises gehören dazu.

Warum ausgerechnet diese drei?

Von Polheim In der Flüchtlingsfrage hat Hückeswagen gezeigt, dass man auch große Herausforderungen lösen kann, wenn ehrenamtliches Engagement, Stadtverwaltung und Politik eng zusammenarbeiten. Dann haben Populisten keine Chance. Nach intensiven Diskussionen wurde die Aufstellung des Haushaltssicherungskonzepts im Rat beschlossen. Trotz schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen wurde ein Konzept gefunden, das für den Bürger tragbar ist und gleichzeitig Raum lässt für Zukunftsinvestitionen. Eine dieser Investitionen ist der Neubau des Feuerwehrhauses im Brunsbachtal, damit können wir den Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr endlich zeitgemäße Arbeitsbedingungen gewährleisten. Der Standort Brunsbachtal ermöglicht auch eine neue Rettungswache des Kreises und auf beiden Seiten Synergieeffekte.

Was sind Ihrer Ansicht nach die Flops seit der Kommunalwahl im September 2014?

Von Polheim Der größte Flop ist die gegen die Stimmen der FDP verabschiedete Schulraumplanung: Die räumliche Zusammenlegung von Hauptschule und Realschule ist unbeliebt beim Bürger und unbezahlbar. Die Kosten explodieren - erst sprach man von 8,3 Millionen, dann von zwölf und jetzt von 20 Millionen Euro an Baukosten. Acht Millionen Euro mehr an Investitionen verursachen Folgekosten von 160.000 Euro an Abschreibung und 160.000 Euro an Zinslasten (bei zwei Prozent Zinsen) pro Jahr. Mit der Folge von Steuererhöhungen von 320.000 Euro oder 64 Prozentpunkten.

Gibt es weitere Flops?

Von Polheim Bei der interkommunalen Zusammenarbeit soll diejenige Stadt mit einer Aufgabe betraut werden, die sie am besten kann - das ist eine Aussage von Wipperfürths Bürgermeister von Rekowski. Hückeswagen hatte schon seit längerem ein Archiv, Wipperfürth nicht - trotzdem wurde das Archiv in die Nachbarstadt verlagert. Hückeswagen verliert ohne Not das Archiv, hat aber höhere Kosten. Leider hat nur die FDP mit Nein votiert.

Was läuft zurzeit gut in der Stadt?

Von Polheim Der Umbau des Etapler Platzes läuft nach Anlaufschwierigkeiten jetzt gut, wichtige Teilbereiche sind fertig. Und wie bereits erwähnt die Lösung der Flüchtlingsproblematik und die langfristige Sanierung des städtischen Haushalts. Die Planungen für das Gewerbegebiet West 3 sind gut in der Zeit, nächstes Jahr können die Bagger rollen.

Und was läuft schlecht? Woran muss noch gearbeitet werden?

Von Polheim Hückeswagen hat keine Lösung für den Erhalt der Altstadt gefunden. Hier wäre ein integriertes Handlungskonzept hilfreich gewesen, auch um den Etapler Platz und die Islandstraße mit einem neuen Konzept für die Bahnhofstraße besser zu verzahnen. Zudem fehlen Bauplätze für Einfamilienhäuser.

Wo könnten denn noch Baugebiete ausgewiesen werden?

Von Polheim Durch den Flächennutzungsplan gibt es verschiedene Reserveflächen: Das Gelände im Bereich der ehemaligen Tennishalle an der Kölner Straße, Vergrößerung der Ortslage Heidt, Gebiet zwischen Montanusstraße und Eichendorffweg oder Flächen oberhalb der Kaiserhöhe. Hückeswagen hat Potenzial, wenn man es nutzt.

Was sind die größten Herausforderungen für Hückeswagen in den kommenden zehn Jahren?

Von Polheim Hückeswagen sollte mit einer guten schulischen und kulturellen Infrastruktur sowie mit preisgünstigem Bauland verstärkt um Neubürger werben. Wir müssen für den Erhalt der Bücherei als eigenständiges Kulturangebot kämpfen. Ein Standort in oder an einer Schule sollte ernsthaft geprüft werden, damit die Bücherei von unnötig hohen Raumkosten entlastet wird.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Bürgermeister Dietmar Persian?

Von Polheim Bürgermeister Persian ist für die Bürger ein guter Ansprechpartner, der sich um Lösungen bemüht. Er leitet die Verwaltung der Stadt gut und hat sich als Moderator zwischen den Fraktionen bewährt.

Ein Ausblick auf den Wahlabend im Herbst 2020: Wo sehen Sie dann Ihre Partei in Hückeswagen?

Von Polheim Die FDP freut sich über neue junge Mitstreiter, die bis zur nächsten Kommunalwahl in die politische Arbeit hineinwachsen. Die FDP wird 2020 mit einem Team aus jungen engagierten Bürgern und "alten Hasen" gestärkt im neuen Rat vertreten sein.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Haben Sie jetzt politische Sommerferien oder lassen die lokalen Themen Sie nicht los?

Von Polheim Da mir meine Heimatstadt Hückeswagen besonders am Herzen liegt, gibt es keine sommerliche politische Denkpause.

STEPHAN BÜLLESBACH STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
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