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Traditionsberufe Konditor (ende)
Männerdomäne wird zum Frauenberuf

Traditionsberufe Konditor (ende): Männerdomäne wird zum Frauenberuf
Die Ausbildung spielte im Betrieb von Christiane und Bernd Koppelberg immer eine große Rolle. Viele junge Frauen wurden in dem Hückeswagener Betrieb ausgebildet - wie hier im August 2007 auch Natalie Derksen - mit Bernd Koppelberg im künstlerischen Einsatz. FOTO: hans dörner (archiv)
Hückeswagen. Konditormeister Bernd Koppelberg ist im vergangenen Jahr in Rente gegangen; seine Spezialität waren Baumkuchen und Torten. Mit seiner Frau Christiane hatte er lange Jahre das Hotel zur Post geführt. Die Kreativität war ihm immer sehr wichtig. Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen Bernd Koppelberg backt heute nur noch für den Hausgebrauch. Der 67-jährige Konditormeister hat bis zum vergangenen Jahr mit seiner Frau Christiane das Hotel zur Post an der Peterstraße mit Restaurant- und Café-Betrieb geführt. Aus gesundheitlichen Gründen musste er dann den Schlussstrich ziehen - und hat damit auch sein berufliches Leben beendet. Jetzt gibt es nur noch den Hotel-Betrieb, den das Ehepaar weiterhin führt.

Bekannt und vor allem bei den Stammkunden beliebt war das Café im Hotel zur Post besonders für seine Torten und den köstlichen Baumkuchen, der weit über die Stadtgrenzen hinaus geschätzt wurde. Jetzt wirft Bernd Koppelberg die Baumkuchenmaschine nur noch an, wenn es das leckere Gebäck daheim geben soll. "Es ist heute schon ein wenig aufwendiger", sagt der 67-Jährige und schmunzelt. "Früher habe ich einfach ins Regal gegriffen und die Zutaten zur Verfügung gehabt", sagt er. Jetzt muss er in den Supermarkt zum Einkaufen gehen.

Für Koppelberg war der berufliche Weg bereits ein wenig vorgegeben. "Meine Eltern betrieben ja schon das Hotel zur Post. Ich habe meine Ausbildung zum Konditor auch dort gemacht." Daran angeschlossen machte Koppelberg zunächst jedoch noch eine Kochausbildung im Ratskeller in Remscheid: "Ich wollte erst einmal weitere Erfahrungen sammeln, ehe ich meinen Meister in Wolfenbüttel machte", sagt der Hückeswagener. Die Meisterprüfung legte er 1975 ab. Es folgten einige Jahre im elterlichen Betrieb, ehe er diesen dann mit seiner Frau im Jahr 1990 übernahm und so selber zum Ausbilder wurde.

Denn die Ausbildung spielte im Betrieb von Christiane und Bernd Koppelberg stets eine große Rolle. "Wir haben viele junge Frauen ausgebildet - der Beruf hat sich von einer reinen Männerdomäne zum Frauenberuf gewandelt", sagt der Konditormeister.

Er sehe im Konditorberuf ein großes Potenzial, um beruflich auch höher hinauszukommen. "Leider haben das aber viele unserer vielversprechenden Lehrlinge dann zugunsten der Familienplanung nicht weiter verfolgt", sagt Koppelberg. Es seien dennoch einige dabei gewesen, die heute in Patisserien in Sterne-Hotels oder auf Kreuzfahrtschiffen arbeiteten. Er erzählt etwa von einer jungen Frau aus einem kleinen Ort bei Dresden. "Sie hatte uns übers Internet gefunden und war bereit, 700 Kilometer für eine Ausbildungsstelle zu reisen. Da haben wir uns gesagt: Die wollen wir sehen", sagt Koppelberg. Die junge Frau war bei den Hückeswagenern bald sehr beliebt und bekannt - heute arbeitet sie in einem Top-Hotel in Österreich.

"Eine andere hat den künstlerischen Aspekt des Berufs weiter verfolgt und kreiert heute bei ,Eismann' Skulpturen aus Speiseeis", sagt Koppelberg. Immer wieder treffen sich er und seine Frau mit "ihren Mädchen" zum Grillen: "Es ist schön, zu erfahren, was aus ihnen geworden ist", sagt er.

Am Beruf des Konditors schätzt Koppelberg vor allem die Möglichkeit, sich kreativ ausleben zu können. "Man ist in der Gastronomie sonst oft nur ein Rädchen im System, als Konditor kannst du aber enorm kreativ sein." Und auch wenn er als Meister niemals aus Hückeswagen weggegangen ist, sieht er sehr wohl die vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten in aller Welt. "Wir waren beispielsweise in Kanada im Urlaub - dort hätte ich sofort eine Aufenthaltsgenehmigung und einen Job bekommen", sagt er.

Wenn ihm auch das viele Stehen und Gehen der vergangenen Jahrzehnte nun im Alter starke Kniebeschwerden beschert hat, blickt der 67-Jährige zufrieden auf sein berufliches Leben zurück: "Ich würde es wieder machen. Der Beruf ist sehr schön und ausfüllend, vor allem in seiner kreativen Vielfalt."

Quelle: RP
 
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