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Serie Das Ende Des Zweiten Weltkrieges In Hückeswagen
Mit dem "Ami" kommt auch der Frieden

Hückeswagen. Heute vor 70 Jahren endete mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen für die Hückeswagener der Zweite Weltkrieg. Zeitzeugen-Berichte geben ein Bild ab über Hückeswagen im Schicksalsmonat April des Jahres 1945. Von Franz Mostert

Hückeswagen Die letzte Ausgabe der Bergischen Tageszeitung, nationalsozialistisch geprägte Nachfolgerin der Hückeswagener Bergischen Volkszeitung, erschien noch am Tag der Einnahme der Schloss-Stadt durch die US-amerikanischen Fronttruppen am 14. April 1945. Noch in diesem Doppelblatt voller Durchhalteparolen und monatelang publizierter Falschmeldungen über vermeintliche Wehrmachtserfolge gab es die Amtliche Bekanntmachung, dass sich die Jungen der Jahrgänge 1934/35 zur Hitlerjugend im Parteihaus - heute ist dort die Stadtbibliothek untergebracht - zu melden hätten.

Amtswalter und Parteigrößen hatten sich zu diesem Zeitpunkt jedoch längst davongestohlen, so auch Bürgermeister Albert Gimbel und seine Helfershelfer. Das Weite gesucht hatten auch die Standgerichtsjuristen, die Tage zuvor noch einen jungen deutschen Soldaten am Schlossberg hinrichten ließen.

Nachdem in den ersten Apriltagen 1945 die deutschen Truppen im sogenannten Ruhrkessel eingeschlossen worden waren, zogen auch auf Hückeswagens Straßen endlose Züge der Wehrmacht - teils motorisiert, teils bespannt - oder Fußtrupps hin und her. Peterstraße und Bachstraße waren zeitweise von Wehrmachtsverbänden blockiert. Dazwischen waren Zwangsarbeiter-Trecks, die der alliierten Fronttruppe entgegengetrieben wurden.

Am 13. April 1945 ging gegen 11 Uhr die Meldung um, die "Amis" hätten bereits Wipperfürth eingenommen. Das war der Anlass, die Wehrmachtslager in der Pauluskirche und der ATV-Turnhalle zu plündern. Scharen von Hückeswagenern deckten sich mit Textilien, Lebensmitteln, Tabakwaren und Spirituosen ein. Berichte über unfassbare Raffgier Einzelner liegen vor.

Gegen 20.30 Uhr setzte schließlich ein kurzer Artilleriebeschuss ein. Der Hückeswagener Polizei-Offizier Neßbach fuhr daraufhin mit einer weißen Fahne durch die Peterstraße in Richtung Hämmern, um den anrückenden Amerikanern die kampflose Übergabe der Stadt Hückeswagen zu melden.

Trotzdem gab es in Höhe Tannenbaum bis hin zu den Klingelnberg-Betrieben Gefechte zwischen fanatisierten Wehrmachtsangehörigen und der US-Fronttruppe, die auf beiden Seiten Opfer forderten. Noch in derselben Nacht löste sich die Frontlinie Hückeswagen auf. Die Hauptmacht der amerikanischen Truppe zog am 14. April gegen 9 Uhr ein und bezog im Schlosshotel und in Villen der Bachstraße Quartier. Deutsche Kriegsgefangene waren aus Stadt und Land zusammengetrieben worden. Viele zuletzt noch Gefallene fanden ihr Grab an Straßenrändern und in Hückeswagens Wäldern.

Heute vor 70 Jahren, am 14. April 1945, war für die Schloss-Stadt Hückeswagen zu Ende gebracht worden, was nach dem zwölfjährigen NS-Regime und dem fast sechsjährigen Weltkrieg am Ende nur Zerstörung, Not und Tod nach sich gezogen hatte.

Es gab kaum eine Hückeswagener Familie, die ohne persönliche Opfer und Verluste geblieben war.

Quelle: RP
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