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HÜckeswagen
Mit Gefängnistransporter auf Weltreise

HÜckeswagen: Mit Gefängnistransporter auf Weltreise
Karsten Konsen und Sina Schubert noch daheim in Reinshagensbever in ihrem VW T4 FOTO: Schubert
HÜckeswagen. Die beiden jungen Hückeswagener Karsten Konsen und Sina Schubert haben ihr Studium hinter sich, ihre Jobs gekündigt und bereiten sich derzeit in Reinshagensbever auf ein gemeinsames Abenteuer vor: Mitte Juli geht's auf Weltreise. Von Stephan Büllesbach

Die erste Herausforderung gibt es daheim, einen Steinwurf von der Bever-Talsperre entfernt, zu meistern: Wie kann der VW T4 so eingerichtet werden, dass er auch von einem 1,98 Meter großen Mann in den nächsten Wochen und Monaten (oder vielleicht auch Jahren) als Wohn- und Schlafzimmer genutzt werden kann? Diese Aufgabe musste Sina Schubert lösen. Die 28-Jährige ist Innenarchitektin und hat einen Plan für den Ausbau des Inneren des Transporters am Computer gezeichnet, in der kommenden Woche will das Paar, das sich seit zwölf Jahren kennt und seit sechs Jahren zusammen ist, das Holz kaufen. Dann geht es mit dem Innenausbau des Volkswagen, der ursprünglich zum Transport von Gefangenen diente, los.

"Wir haben überlegt, wie es nach dem Studium weitergeht", erzählt Konsen. Fest stand, dass sie auf jeden Fall reisen wollen. Denn einige Länder haben die beiden schon früher und später auch gemeinsam - Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Kambodscha - gesehen. Der 29-Jährige belegte ein Auslandssemester in Istanbul, die 28-Jährige eins in New York. Sie verbrachte einen Schüleraustausch in den USA und reiste nach dem Abitur durch Australien. Seit dem vorigen Sommer reifte dann die Idee, in einem umgebauten VW-Transporter die Welt zu erkunden. Wie lange? Die Antwort von Karsten Konsen ist klar: "So lange das Geld reicht und es funktioniert." Sie hätten sich nicht festgelegt und seien zeitlich flexibel.

Ab Ende vorigen Jahres hatte das Paar nach einem gebrauchten T 4 gesucht, den es für sich als ideales Campingmobil erachtet. Bei einem Düsseldorfer Händler, der ausrangierte Behördenfahrzeuge aufkauft, wurde es schließlich fündig. "Den VW bauen wir nun zum Campingbus aus und lassen ihn beim TÜV zu", berichtet Sina Schubert. Im Inneren finden eine Küchenzeile mit Spüle, Kochstelle und Kühlschrank ebenso Platz wie ein ausklappbarer Tisch, ein ausziehbares Bett und eine Sitzecke. Auch auf Stauraum wird geachtet. "Eventuell müssen wir noch ein Hochdach draufbauen", sagt die 28-Jährige mit Blick auf ihren fast zwei Meter großen Freund. Beim Bau der Holzmöbel würden Freunde helfen.

Mitte Juli soll's endlich losgehen; erstes Ziele sind Spanien und Portugal, "und vielleicht machen wir noch einen Abstecher nach Marokko", sagt Sina Schubert. Dort würden sie dann Freunde treffen. Ende August wird die Tour aber kurz unterbrochen: Die beiden kehren ins Bergische zurück, um auf der Wermelskirchener Kirmes den Bierstand auf der Schillerstraße zu betreuen, den Schuberts Großeltern Hake viele Jahre betrieben hatten. "Wir machen das seit drei Jahren mit meinen Geschwistern", sagt sie. Mit dem Erlös des Bierstands wird die Reisekasse aufgestockt, zehn Prozent werden aber gespendet. In den Vorjahren ging das Geld an die Aktion Lichtblicke und die Flüchtlingshilfe Wermelskirchen.

Anfang September wird der Heimat endgültig für lange Zeit "Lebewohl" gesagt. Pläne haben die beiden noch keine gemacht, "wir setzen uns keine Grenzen", sagt Karsten Konsen. Es wird aber wohl zunächst Richtung Italien / Osteuropa gehen. "Ich würde gerne nochmal nach Istanbul. Ich habe dort Freunde, die sich bestimmt freuen würden, wenn wir uns träfen", sagt der 29-Jährige.

Unterwegs werden die Hückeswagener immer wieder Jobs annehmen, um die Reisekasse aufzufüllen. Und wer weiß? Vielleicht bleiben sie dann ja länger an den Orten ihrer Sehnsüchte.

Reise-Tagebuch Über ihre Erlebnisse auf ihrer Weltreise werden Karsten Konsen und Sina Schubert in der BM berichten. www.wanderhorizons.com

Quelle: RP
 
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