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Hückeswagen
Motorradlärm als Wahlkampfthema

Hückeswagen: Motorradlärm als Wahlkampfthema
Das Thema Motorradlärm - hier fährt ein Biker durch Kleineichen - erhitzt in Hückeswagen weiter die Gemüter. FOTO: Jürgen Moll (Archiv)
Hückeswagen. Die Bundestagskandidaten Michaela Engelmeier (SPD), Michael Braun (Bündnis 90/Die Grünen) und Carsten Brodesser (CDU) informierten sich gestern über den Stand der Dinge direkt bei den betroffenen Anwohnern von Reinsbach. Von Wolfgang Weitzdörfer

Das Thema Motorradlärm ist in der Schloss-Stadt nach wie vor brisant: Zumindest gemessen am Zuspruch bei der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative gegen Motorradlärm, zu der gestern gut 50 Interessierte in den Garten von Jürgen Hager in Reinsbach gekommen waren. Mit dabei waren auch die drei Bundestagskandidaten Michaela Engelmeier (SPD), Michael Braun (Bündnis 90/Die Grünen) und Carsten Brodesser (CDU). Sie wollten sich direkt bei den Bürgern über den aktuellen Stand der Dinge informieren.

Brodesser betonte gleich bei seiner Begrüßung, dass er sich nicht nur informieren, sondern auch Gedanken machen wolle, wie das Problem gelöst werden könne. Daraufhin wurde Hager direkt: "Wir werden Sie beim Wort nehmen, auch nach der Wahl." Besonders schockiere es ihn, sagte der Anwohner, dass es in den vergangenen, sehr schönen Tagen beinahe täglich einen Unfall mit Motorradbeteiligung gegeben habe. Auch wenn die Zahl der sehr lauten Motorradfahrer insgesamt zurückgegangen sei, seit es den Bikertreff am Beverdamm nicht mehr gebe. "Dennoch muss die Politik hier handeln, und das verlangen wir auch!", betonte er.

Es ging im Kern um drei Punkte, zu denen die Politiker Stellung nehmen sollten: die Verschärfung des Bußgeldkatalogs, der den Motorradfahrern zu viele Freiheiten gebe; die baulichen Veränderungen bei Fahrzeugen sowie die Halterhaftung. "Wer auf dem Hinterrad über den Beverdamm fährt, kann nur dann belangt werden, wenn er jemanden totfährt", nannte Hager etwa ein Beispiel für einen seiner Meinung nach zu laschen Bußgeldkatalog.

Michael Braun sagte zunächst, dass dieser sowohl für Motorrad- wie auch für Autofahrer gelte. Er betonte aber auch, dass gerade bei baulichen Veränderungen mit der sofortigen Stilllegung des Fahrzeugs reagiert werden müsse. Er nahm auch die Hersteller in die Pflicht, die oft genug mit den Dezibelwerten tricksten: "Dieser Missstand muss ein Ende haben", forderte der Grünen-Politiker.

Auch Brodesser sprach sich für eine Verschärfung der Kontrollen im Vorfeld des Verkaufs der Motorräder aus: "Der Fahrer kauft schließlich sein Fahrzeug im guten Gewissen, dass die Grenzwerte auch in der Praxis eingehalten werden", sagte der CDU-Kandidat. Er forderte, dass die Kosten für die Nachrüstung der Hersteller zu tragen habe. Michaela Engelmeier forderte, dass mehr Polizisten auf den Straßen sein müssten, die zudem Ahnung von der Materie haben müssten: "Wir müssen alle gut zusammenarbeiten, damit wir die schwarzen Schafe von den Straßen bekommen können", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete.

Einhellig war auch die Meinung zu diesem Thema im Publikum: "Die Hersteller müssen an den Karren genommen werden", sagte ein Anwohner - und erhielt dafür großen Applaus. Eine weitere Forderung der Bürgerinitiative betraf bauliche Veränderungen an einem Motorrad, durch die die Betriebserlaubnis erlösche. Bislang sei zur notwendigen Stilllegung nur eine "Kann-Lösung" vorgesehen - das müsse geändert werden. "Das ist keine Bitte, das ist eine Forderung", verdeutlichte Hager. Brodesser sagte kurz: "Das verstehe ich als Auftrag!" Und Engelmeier ergänzte: "Entweder Stilllegung oder Ausstellung einer Mängelkarte. Auch das sieht das Gesetz vor." Ein Vorschlag, der nicht auf Gegenliebe stieß. Auch Braun forderte die sofortige Stilllegung in solchen Fällen.

Wie vielschichtig das Thema war, zeigte sich an den vielen Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum. Dass man sich mitten im Wahlkampf befand, wurde daran deutlich, dass sich die Diskussionen auch in Bereichen wie E-Mobilität, Lobbyismus oder Energiepolitik bewegten.

Quelle: RP
 
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