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Hückeswagen
Mozart und der Sprung in die Moderne

Hückeswagen: Mozart und der Sprung in die Moderne
Organistin und Chorleiterin Ingrid Kammerer (vorne) schöpft aus einem umfassenden Repertoire und ermuntert ihre Sängerinnen und Sänger zu musikalischen Höchstleistungen. So auch am Sonntagnachmittag bei einem beachtlichen Konzert in der Pauluskirche. FOTO: michael schütz
Hückeswagen. Der Hückeswagener Kammerchor bot ein beachtliches Konzert in der Pauluskirche. Der Untertitel "Changes" bezog sich auf auswechselbare oder veränderte Harmonie- und Modulationsfolge. Die Zuhörer jedenfalls waren begeistert. Von Franz Mostert

Es hat lange gedauert, bis die Musikschätze der römisch-katholischen und der post-reformatorischen Entwicklungen, nicht alle wegen der hohen gegenseitigen Wertschätzung zueinandergefunden haben. Für die Kirchenmusiker in Hückeswagen gibt es zu diesem Thema weder instrumental noch vokal keine engstirnigen Vorbehalte mehr.

Zur musikalisch-ökumenischen Zusammenführung bekennt sich, schaut man auf die Programmgestaltung der vergangenen Jahre, wohl kompromisslos die derzeitige Organistin und Chorleiterin der Evangelischen Kirchengemeinde, Ingrid Kammerer. Mit ihrem stets wachsend kompetenteren Kammerchor schöpft sie so aus dem umfassenden Repertoire mit der Überschrift "Kostbarer Kompositions-Fundus". So auch bei einem beachtlichen Konzert am Sonntag in der Pauluskirche unter dem Motto "Mozart". In der Unterzeile stand "Changes" und das sollte heißen: auswechselbare oder veränderte Harmonie- und Modulationsfolge.

Nur einmal während des Programm-Ablaufs konnte das für die vielen Zuhörer plausibel herüberkommen. Da nämlich, als der versierte Pianist und Organist Stefan Kammerer nach exzellentem Klavier-Vortrag des "Allegretto D-Dur" aus der Sonate K V 576 vom Flügel aufstand und die Version des Zsolt Gardonyi in teils gleißender Registrierung als eben dieses "Change" á là Mozart auf der Paulus-Orgel servierte. Nach einer initialen Es-Dur-Sinfonia Concertante (KV 364) für zwei Violinen und Klavier kam dann herüber, was als Beispiel Musiker und Sängerinnen und Sänger konfessionsübergreifend bewegt. Am Sonntag war das die auch in Hückeswagen viel gehörte "Messe B-Dur" (KV 275) aus der Zeit des kirchenmusikalischen Schaffens in Salzburg. Dieses Werk aus der Kategorie der "Missae brevi" gehört zu den Auftragswerken für "Gewöhnliche Hochämter" im dortigen Dom. Mozart stand unter dem Kuratell des Fürstbischofs Hyronimus Colloredo und hatte sich dessen Auffassungen über "Ordo" und "Canon" der Liturgie anzupassen. Dennoch wurde jedes Opus auch dieser jungen Ära zum Meisterwerk. Leider ließ Ingrid Kammerer und ihr in sich gestaltendes Chorgefüge das "Credo" aus. So hörte man nur die fünf anderen Hochamt-Gesänge. Mit drei Violinen, Cello und Orgel-Positiv kam der Begleitpart eben der Kammerchor-Fülle doch etwas "ausgedünnt" herüber.

"Singet dem Herrn ein neues Lied", eine Vertonung Stefan Kammerers zum 149. Psalm, ließ in der Wiedergabe choristische Leichtigkeit besonders in refrain-artigen Reprisen in das sonntägliche Konzert-Geschehen eindringen. Neben instrumentalem Verve und virtuoser Gestaltung wurde "A little Jazz-Mass" des englischen Zeitgenossen Bob Chilcott zum Höhepunkt - ohne Mozarts "Change" abzuwerten. Es handelt sich hier um Jazz zwischen Jones, Basie & Co., trotzdem unüberhörbar angelehnt an den typisch anglikanischen Cathedral-Sound in Abwandlung zum frischen Zeitgeist hin. Was hier Kammerchor und Combo mit Stefan Kammerer (Piano), Sohn Simon (E-Bass) und Johannes Persian (Schlagzeug) den Musikfreunden zum Finale boten, das war die Uraufführung hin zu einer Gattung, die sich bei solcher Flexibilität der Komponenten in Ingrid Kammerers Ägide sicher lohnt, fortzuführen.

Der Beifall nach mehr als einer Stunde starkem Hörgenuss jedenfalls darf als richtungweisend eingeschätzt werden.

Quelle: RP
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